Vorsorge für Berufseinsteiger

Der erste Job und bereits auch das erste Gehalt in der Tasche und schon fangen die Sorgen vieler Berufseinsteiger an. Denn mit dem Lohn und einem hoffentlich anwachsenden Konto stellen sich viele Fragen zur Geldanlage. Kein Wunder, so gibt es doch unzählige Angebote von Banken und Versicherungen. Zudem scheint jeder Finanzberater auf sämtliche Fragen die passende Antwort bzw. verlockende Argumente aus dem Ärmel zu schütteln.

An dieser Stelle soll in vier Schritten beschrieben werden, worauf es beim Thema Vorsorge für Berufseinsteiger wirklich ankommt. Nicht mehr und nicht weniger. Zentral dabei ist Flexibilität!

Schritt 1: Schaffung einer angemessenen kurz- bis mittelfristigen Liquiditätsreserve

Überziehungen des Girokontos sind nicht selten mit 12% und mehr Verzugszinsen verbunden. Diese gängige Bankpraxis kann dazu führen, dass sich ein bleibender Negativsaldo etabliert, von dem nur schwer runterzukommen ist. Schneller als man denkt, etwa durch die Überweisung der Mietkaution, Kauf eines neuen Fernsehers, einer horrenden Nebenkostennachzahlung, würde die Schuldenspirale in Gang gesetzt. Demnach empfiehlt sich, mindestens 3 Nettomonatsgehälter als ständige Reserve auf dem Girokonto zu belassen.

Schritt 2: Absicherung von essentiellen persönlichen Risiken

Geradezu selbstverständlich sollte es sein, eine Haftpflichtversicherung zu haben. Denn spätestens mit Beendigung der Berufsausbildung besteht kein Versicherungsschutz über die elterliche Familienversicherung. Wird einem Menschen oder einer Sache Schaden zugefügt, könnten lebenslange Schadenersatzforderungen jegliche Träume von finanzieller Unabhängigkeit zerstören. Für einen jährlichen Beitrag von 50 bis 100 Euro lässt sich ein adäquater Versicherungsschutz erreichen. Interessant könnten hier auch Policen sein, die dann einspringen, wenn einem selbst Schaden zugefügt wird und die Gegenpartei weder eine eigene Haftpflichtversicherung noch über die geeigneten finanziellen Mittel zur Schadenregulierung verfügt. Ein kontrovers diskutiertes Feld ist die Absicherung der Berufsunfähigkeit. Viele Arbeitnehmer halten das Absichern der eigenen Arbeitskraft bzw. des eigenen Berufs für reine Geldverschwendung und sind gerne bereit, das Risiko selbst zu tragen. Frei nach dem Motto: „Der Staat wird mich ja auffangen“. Fest steht, dass die Arbeitskraft bzw. das Humankapital insbesondere am Anfang der Karriere wohl das einzig zählbare und damit wertvollste ist, was ein Berufseinsteiger vorzuweisen hat. Genauso ist nicht von der Hand zu weisen, dass statistisch jeder vierte Arbeitnehmer im Verlauf seines Berufslebens berufsunfähig wird. Dies gilt auch für sog. Schreibtischberufe, denn hohe Arbeitsbelastung und Konkurrenzdruck sorgen für die Zunahme von psychischen Störungen wie bspw. das Burn-out-Syndrom. Neben dem Abschluss einer Haftpflicht- ist demnach auch der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung dringend anzuraten. Eine Faustformel besagt, dass rund 80% des Nettoeinkommens abgesichert sein sollten. Hilfreich kann es aber auch sein, die heutigen Ausgaben zu subsummieren und zu schauen, welches Niveau dem eigenen Lebensstandard entspricht. Natürlich darf keine Überversorgung resultieren, man im Falle der Berufsunfähigkeit also besser gestellt sein als ohne. Die Höhe des Beitrags hängt im Wesentlichen vom zu versichernden Beruf (vgl. geringe Beiträge bei Akademikern), dem Eintrittsalter der Person (je jünger, desto günstiger), dem Gesundheitszustand (Vorerkrankungen können zu Aufschlägen führen) sowie von der Laufzeit des Vertrags (je länger, desto teuerer) ab. Bei der Auswahl des richtigen Vertrags sollten sowohl die Bedingungen (bspw. Berufsunfähigkeit ab 50%, keine Verweisbarkeit auf andere Berufe….) als auch die Solidität des Versicherers im Vordergrund stehen. Denn was nützt es, wenn die Berufsunfähigkeit und der Leistungsanspruch festgestellt sind, der Versicherer aber finanziell nicht in der Lage ist, diesen Anspruch zu erfüllen. Sollte bereits eine Familie gegründet sein, kann auch ein Blick auf die Absicherung des Todesfallrisikos sinnvoll sein. Denn oftmals muss sich einer der beiden Partner verstärkt um das Kind kümmern, während der andere beruflich aus dem Vollen schöpfen kann. Fällt dann das Einkommen des Hauptverdieners aufgrund eines Todesfalls weg, könnte die Familie nicht nur emotional, sondern auch finanziell in Bedrängnis geraten. Da das Todesfallrisiko vergleichsweise gering ist, sind auch die entprechenden Risikolebensversicherungen vergleichsweise preiswert. Die junge Familie sollte sich überlegen, wie viel Kapital notwendig wäre, um den Lebensstandard der Verbliebenen aufrechtzuerhalten bis bspw. das Kind mit der Ausbildung fertig ist und auf eingenen Beinen stehen kann.

Schritt 3: Schaffung einer langfristigen Liquiditätsreserve

Flexibel geht es auch im Schritt 3 weiter. Denn auch hier kommen nur Tagesgelder und kurzfristige Festgelder in Frage. Dann nämlich, wenn es darum geht, eine neue Küche, ein neues Auto zu kaufen oder schlicht die alte Waschmaschine zu ersetzen. Auch hier muss die jederzeitige Verfügbarkeit der Gelder gewährleistet sein, ohne auf gebundene Anlagen wie Aktien, Immobilien zurückgreifen und u.U. mit Verlust veräußern zu müssen. Ist auch für die längerfristige Reserve gesorgt, hat der Berufseinsteiger ein Großteil seiner Hausaufgaben gemacht. Er ist abgesichert und gleichzeitig flexibel geblieben. Erst jetzt lohnt es, in Richtung Altersvorsorge zu schielen.

Schritt 4: Aufbau der eigenen Altersvorsorge

Viele junge Leute machen gleich zu Beginn Ihrer Karriere den Fehler, sich langfristige Versicherungsverträge zur Kapitalbildung wie Riester, Rürup oder private Rentenversicherungen aufs Auge drücken zu lassen. Frei nach dem Motto, je jünger, desto stärker wirkt der Zinseszinseffekt. Oftmals wird dabei nicht bedacht, dass sich der Bedarf bzw. auch die Fähigkeit, die Beiträge im Zeitablauf zu schultern, verändern können. So ist statistisch bereits heute erwiesen, dass nur ein Bruchteil der kapitalbildenden Versicherungsverträge bis zum ursprünglichen Ablaufdatum gehalten wird. Gründe liegen in der meist unflexiblen Einzahlungsform, der meist sehr langen Bindungsdauer (Alter 60 und mehr) sowie auch an den hohen Abschluss- und Verwaltungskosten, die insbesondere am Anfang der Vertragsbeziehung das Guthaben auf der Stelle treten lassen. Hinzu kommt, dass auch die Versicherungsgesellschaften die einstmals hoch gesteckten Versprechen zunehmend nicht mehr einhalten können. Der Tipp an die Berufseinsteiger kann deshalb nur lauten, sich den Vertragsabschluss genau zu überlegen und besser noch, etwas zuzuwarten, bis man sich im Beruf besser etabliert oder besser absehen kann, wohin die berufliche Reise mittel- bis langfristig geht. Der Weg in die Versicherung bliebe weiterhin offen, der Weg zurück wäre dagegen sehr kostspielig. Sollte also nach den Schritten 1 bis 3 eine zusätzliche Sparrate verbleiben, wäre auch hier in erster Linie der Augenmerk auf flexible Sparformen zu richten. Welche dann schließlich gewählt werden, hängt im Wesentlichen von der persönlichen Risikobereitschaft sowie der Gesamtvermögensstruktur ab. Es steht fest, dass ein Mehr an Rendite immer ein Mehr an Risiko mit sich bringt. Dabei kann man Risiko insbesondere als Schwankungsbandbreite bezeichnen. So schwanken Aktien deutlich stärker als Anleihen oder gar Tagesgeld, haben aber eine deutlich höhere Renditeerwartung. Nicht alle Eier in einen Korb zu legen, ist eine alte, wenngleich immer noch sehr aktuelle Anlegerweißheit. Hat der Berufseinsteiger die Schritte 1 bis 3 erfüllt, so dürfte sich Tagesgeld und kurzfristiges Festgeld als Hauptanlageformen in der Gesamtvermögensstruktur wiederfinden. Demnach kann es durchaus Sinn machen, mit den verbliebenen Sparraten das Thema Aktie, Gold/Silber sowie Immobilien Schritt für Schritt zu integrieren. Empfehlenswert wären hier Fondssparpläne, da diese mehrere Aktien, Immobilien etc. bündeln. So würde man auch in der Gesamtvermögensstruktur eine solide Grundlage für die spätere Ruhestandsfinanzierung schaffen  ohne auf Flexibilität zu verzichten.

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