Gedanken über Geld – Angst vs. Lebensqualität

Seien wir mal ehrlich. Brauchen wir Geld, um unseren Nachbarn zu beeindrucken? Unser Ansehen zu fördern? Oder gar, um unseren Nachkommen möglichst viel zu vererben, damit diese (hoffentlich) auch nach unserem Ableben gut über uns reden? Nein!!! Geld soll uns vielmehr helfen, in unserem Alltag möglichst gut zurechtzukommen und als Notgroschen auch in schlechten Zeiten für ein Auskommen sorgen. Auf einen Nenner gebracht, dient Geld unserer Lebensqualität! Doch in letzter Zeit scheint gerade Geld oder das teils zermarternde Nachdenken über Geld, unsere Lebensqualität empfindlich zu beeinträchtigen.

Doch ist es nicht gerade gut, eine Stunde über sein Geld nachzudenken, als einen Monat dafür zu arbeiten? Natürlich… wäre da nicht die Flut teils widersprüchlicher Informationen aus Funk, TV, Printmedien sowie Internet: „Die Amerikanische und auch die Europäische Zentralbank drucken Geld und stürzen uns über kurz oder lang in die Inflation“, „Die Preise für Immobilien in Amerika, Spanien, Portugal und Irland sinken weiterhin oder stagnieren bestenfalls“, „Die Inflation in China liegt bei rund 5%, Tendenz steigend, gleichzeitig haben viele Chinesen Probleme, ihren Lebensunterhalt aufgrund der gestiegenen Lebensmittelpreise zu bestreiten“, „Am chinesischen Immobilienmarkt scheint sich eine Immobilienblase gebildet zu haben, die nun zu zerplatzen und die Konjunkturlokomotive China ins Stocken zu bringen droht“.

Was sollen wir nun glauben, wenn selbst ausgewiesene Experten unterschiedlicher Meinung sind? Entwickelt sich die Welt in Richtung Inflation, Deflation oder gar Währungsreform? Fakt ist, dass es aus heutiger Sicht sehr gefährlich wäre, sich auf das eine oder andere Szenario festzulegen. Gerade das Drucken von Geld, der hohe Ölpreis sowie die stark gestiegenen Nahrungsmittelpreise lassen viele die Inflation beschwören und in Sachwerte wie Aktien, Immobilien, Gold und Silber fliehen, koste es, was es wolle. Dahinter steckt die prinzipiell richtige Argumentationskette, wonach die nicht beliebig vermehrbaren Sachwerte einen Großteil der Inflation abfedern oder gar von dieser profitieren könnten. Doch was passiert mit Sachwerten, wenn sich die Inflation nicht verfestigt und die Preise nach unter tendieren? Dafür könnte sprechen, dass das viele Gelddrucken der Amerikanischen Notenbank (FED) und das damit künstlich niedrig gehaltene Zinsniveau sich bislang eher in steigenden Vermögenspreisen wie Aktien, Rohstoffen, Edelmetallen, ja sogar Anleihen manifestiert haben. Wie sonst ließe sich erklären, dass die genannten Vermögenswerte mehr oder weniger im Gleichschritt nach oben tendiert haben? Inflation könnte sich insbesondere dann deutlich äußern, wenn das viele Geld beim Verbraucher bzw. Konsumenten ankommt. So könnten in Erwartung steigender Preise höhere Löhne durchgesetzt und damit mehr Geld für den Konsum zur Verfügung stehen. Mit der Nachfrage steigt dann das allgemeine Preisniveau.

Doch gerade bei den sonst so konsumfreudigen Amerikanern ist eine verstärkte Sparleistung zu beobachten. Rüstet sich etwa die amerikanische Bevölkerung für schlechte Zeiten? Die Konsumzurückhaltung könnte in unserer globalisierten Welt, in der der Preisspielraum aufgrund des hohen Konkurrenzdrucks immer geringer wird, zu fallenden Preisen führen. Die Unternehmen machen in der Folge weniger Gewinn, setzen gezwungenermaßen Arbeitskräfte frei, welchen wiederum das Geld für den Konsum fehlt und damit das Preisniveau weiter nach unten gedrückt wird… Die Spirale der Deflation beginnt von vorn. Mit den Gewinnen der Unternehmen schmelzen auch die Aktienkurse. Das Beispiel Japan, dessen deflationäre Tendenz seit nunmehr rund 20 Jahren andauert und auch dort mit dem Platzen einer Immobilienblase begann, verdeutlicht die Gefährlichkeit einer solchen Entwicklung. Die radioaktive Verstrahlung in Japan könnte selbst wiederum einen weltweiten deflationären Effekt hervorrufen. Nicht auszudenken, wenn Japan, die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt, als Produzten oder Nachfrager auf dem Weltmarkt ausfiele. Die Interpretation, dass dies keinen gravierenden Effekt auf die Weltwirtschaft hätte, da Japan weniger als 10% der globalen Wirtschaftsleistung ausmacht, führt zu kurz. Denn viele Vorprodukte, die in Japan hergestellt und exportiert werden, fehlen jetzt in der Produktion bspw. in China und Amerika. Schon wird in Deutschland wieder über Kurzarbeit in der Autoindustrie nachgedacht. Das Argument, wonach andere Firmen Japans Produktionsausfälle kompensieren könnten, stimmt zwar langfristig. Kurz- bis mittelfristig sind die teils hochspezialisierten Produktionsketten einzelner Güter kaum ersetzbar. Auch die Kapazitäten können nicht von heute auf morgen beliebig gesteigert werden. Ein weiteres Problem könnte sich von Seiten japanischer Banken zusammenbrauen. Denn viele Immobilien werden als verstrahlt bzw. nicht mehr verwertbar angesehen werden und somit als Sicherheiten wegfallen. Immobilienkredite würden zunehmend notleidend und zu Abschreibungen in den Bankbilanzen führen. Da auch japanische Banken global eng vernetzt sind, kann dies einen Dominoeffekt zur Folge haben und der vermeintlich ausgestandenen Bankenkrise neuen Nährboden bereiten. Auch die stark gestiegenen Ölpreise könnten, so komisch es auf den ersten Blick klingen mag, zu Deflation führen. Denn gerade Öl ist derzeit für die weltweit anziehende Inflation verantwortlich. Dabei wird Öl nicht nur zum Tanken und Heizen benötigt, sondern ist Bestandteil vieler Produkte bspw. in der chemischen Industrie oder gar Nahrungsmittelproduktion. Schaffen es Unternehmen nicht, die steigenden Produktionskosten an die Verbraucher weiterzugeben (vgl. Konkurrenzdruck), so drohen auch in dieser Situation Gewinneinbußen mit den bereits beschriebenen Abläufen einer deflationären Spirale. So könnte also ein steigender Ölpreis das zarte Pflänzchen Konjunktur abwürgen und sich in der Folge einer sinkenden Ölnachfrage von selbst nivellieren.

Mit nachlassendem oder gar negativem Wirtschaftswachstum und damit sinkenden Steuereinnahmen begleitet durch eine wachsende Zahl von Arbeitslosen nimmt die Gefahr namens Staatsbankrott bei den ohnehin schon klammen Staaten zu (gilt auch für Unternehmen). Eine Restrukturierung der Schulden (vgl. Gläubigerverzicht, Haircut) wäre die Folge. Sollten Anleihen im großen Stil ausfallen (Anleihen sind Geldwerte bzw. Zahlungsversprechen), könnten sich das Gelddrucken bzw. die weltweite Schuldenproblematik in Luft auflösen. So lautet das Gros der weltweiten Schulden, bestehend insbesondere aus Anleihen, auf US-Dollar. Können die Schuldner ihren Verpflichtungen nicht nachkommen, müssen Gläubiger ihre Forderungen abschreiben. Die Schulden und damit die entgegenstehenden Forderungen könnten sich quasi per Handstreich bzw. per Knopfdruck (Geldforderungen sind heute nur bits und bytes) in Luft auflösen. Eine positive Begleiterscheinung ist die im gleichen Ausmaß absinkende Geldmenge (im Beispiel in US-Dollar). Die Angst vor Inflation würder der Angst vor Deflation weichen. Denn plötzlich gäbe es damit auch weniger US-Dollar, so dass der Wert der verblienen Dollar an Wert gewinnen würde (typisches Zeichen für Deflation). Für eine Bereinigung der Schulden bzw. der Geldmenge müsste es also nicht zwangsläufig zur Währungsreform kommen. Allerdings wäre das Ergebnis ähnlich. Denn wer glaubt, Guthaben bei Banken oder in Lebensversicherungen wären in einem solchen Szenario sicher, der irrt. Denn Banken sind selbst Gläubiger. Kommt es zu einem breit angelegten Ausfall von Anleihen, droht auch den Banken Insolvenz. Der Einlagensicherungsfonds wäre dann genauso schnell aufgebraucht wie der Gesetzgeber die gesetzliche Einlagensicherung für nicht mehr tragbar erklärt. Auch den Lebensversicherern droht der Konkurs. Schaut man sich bspw. die aktuelle Anlagestruktur der Allianz an, so stellt man fest, dass rund 80-90% in Anleihen und geldnahen Instrumenten angelegt sind. Ein Forderungsausfall der Allianz bedingt den Forderungsausfall des Versicherungsnehmers. Die Sicherungsgesellschaft der Versicherer, Protektor AG, würde das gleiche Schicksal ereilen wie den Einlagensicherungsfonds der Banken.

Eigentlich wollten wir uns ja nicht so viele Gedanken über Geld machen und uns unserer Lebensqualität berauben. Doch leider erfordert die aktuelle Situation zumindest eine vage Vorstellung und Bedacht der möglichen Wirkungsketten. Eine erste Feststellung kann demnach lauten „wir wissen, dass wir nichts wissen“. In Anbetracht dieses (Un-)Wissens kann die Handlungsanweisung „nicht alle Eier in einen Korb zu legen“ formuliert werden. Übertragen auf das Thema Geld würde demnach eine breite Aufstellung sowohl im Geldwerte- als auch Sachwertebereich sinnvoll sein. Im Folgenden soll nun der Versuch unternommen werden, eine mögliche Antwort auf die heutigen Gegebenheiten zu finden. Es sei darauf hingewiesen, dass diese Antwort die widersprüchlichen Gedanken zum Thema Geld zu ordnen und auf einen Nenner zu bringen versucht, eine Lösung des Problems stellt sie nicht dar. Denn eine Lösung kennt nur derjenige, der eine Glaskugel besitzt oder Kaffeesatz zu lesen vermag.

1. Aktien (inkl. Short Strategien)

Die Aktie, die Eigentumsrechte an einem Unternehmen verbrieft, ist ein klassischer Sachwert und gilt im Volksmund als Schutz gegen Inflation. Allerdings sind Aktien ein vorlaufender Indikator für Inflation. Denn wird diese auch als solche spürbar ausgewiesen (vgl. Inflation liegt im Euro-Raum bereits jenseits von 2%, in China bereits bei ca. 5-6%), sind die Aktienkurse bereits meist gestiegen. Aktien nehmen also Inflation vorweg, gut daran zu sehen, dass die Aktienmärkte seit März 2009, dem vorläufigen Tiefstand seit der Bankenkrise, bislang nur eine Richtung kannten, nämlich die nach oben. Doch warum sind die Kurse gestiegen, lag doch die Pleite von Lehman Brothers gerade einmal ein halbes Jahr zurück? Die Antwort können Sie sich wahrscheinlich denken. Das Gelddrucken bzw. die Bereitstellung enormer Liquidität durch die FED (sog. Qauntitative Easing I) markierte die vorläufige Wende am Aktienmarkt. Sollte das Gelddrucken weiter anhalten oder sich die Konjunktur nochmals stärker beleben, ist weiteres Kurssteigerungspotential vorhanden. Kommt allerdings eine deflationäre Spirale in Gang, werden die Gewinne der Unternehmen und damit die Aktienkurse in Mitleidenschaft gezogen. Auf Aktien nun verzichten? Nein! Denn Aktien sind ein unverzichtbarer Sachwert. Die Investition sollte weltweit erfolgen, also Industrieländer genauso wie Schwellenländer beinhalten. Aktive weltweite Fonds oder die Investition in kostengünstige Indexfonds bspw. auf den MSCI World lassen Chancen des Aktienmarktes offen und stellen in schlechten Zeiten eine unverzichtbare Streuung dar. Um der deflationären Gefahr in diesem Bereich vorzubeugen, ließe sich ein Teil des Aktienengagements dahingehend absichern, dass gleichzeitig auch auf fallende Kurse gesetzt wird. Hier eignen sich Indexfonds sehr gut. Welcher Anteil des Aktienengagements nach unten abgesichert werden soll, hängt von der jeweiligen Situation und Risikobereitschaft (diese sog. Short Investitionen verlieren bei steigenden Aktienkursen an Wert) eines jeden Einzelnen ab.

2. Rohstoffe

Rohstoffe wie Öl, Kupfer oder Weizen gelten u.a. als entscheidende Verursacher von Inflation und sind somit unverzichtbare Anlagevehikel. Leider ist es hier relativ schwer vor dem Hintergrund des Sachwertecharakters geeignete Anlageformen zu finden. Denn wer will schon einige Fässer voll Öl in seinem Keller oder ein Silo voll Weizen auf seinem Garten haben? Über sog. Futures lässt sich dennoch an steigenden (oder fallenden) Rohstoffnotierungen partizipieren. Auch Futures basieren auf Zahlungsversprechen, weshalb der Sachwertcharakter von Rohstoffen konterkarriert wird. Jüngst haben einige Banken mit Gold oder Silber besicherte Rohstoffindizes begeben und für etwas Abhilfe gesorgt. Eine Alternative stellen auch Aktien von Rohstoffunternehmen (z.B. Ölförderer, Bergwerksbetreiber, Agrar) dar. Problem: Selbst wenn sich die Rohstoffpreise in die vom Anleger gewünschte Richtung entwickeln, können Managementfehler oder unerwartete Kostensteigerungen den Anlageerfolg deutlich mindern.

3. Edelmetall – Gold und Silber

Gold und Silber sollten in der heutigen Zeit, trotz der stark gestiegenen Preise, ein fester Bestandteil der eigenen Vermögensstruktur sein. Doch gerade einmal 3% der Bundesbürger können bspw. Gold (außer Schmuck) ihr Eigen nennen. Edelmetalle sind Gradmesser für die Nervosität am Markt und dienen vielen Anlegern als sicherer Hafen. Begründung: Gold und Silber sind in der Menge begrenzt und haben über Jahrhunderte oder gar Jahrtausende ihre universelle Wertaufbewahrungs- und Zahlungsmittelfunktion im Großen und Ganzen beibehalten. Wer hinterfragen würde, was der US-Dollar eigentlich ist bzw. vielmehr sein sollte, der würde in der Amerikanischen Verfassung fündig werden. Denn diese definiert den US-Dollar als ca. 26 Gramm Silber. Wem die Preise dennoch zu hoch erscheinen, der könnte sich damit trösten, Gold und Silber als eine Art Versicherung zu betrachten. Sollte sich die Nervosität verstärken, gibt es durchaus Aussicht auf weiter steigende Preise. Bildet sich die Nervosität hingegen zurück oder lassen sich Probleme wie Staatsverschuldung wider Erwarten lösen, so können die Preise für Edelmetalle auch deutlich zurückkommen. Dann aber dürften sich andere Anlagen wie Aktien oder Anleihen wiederum besser entwickeln. Investitionen in Gold und Silber sollten nach Möglichkeit physisch erfolgen, entweder in Form physischer Münzen oder Barren oder in Form von Indexfonds, die die jeweilige Entwicklung 1:1 abbilden und auch die Möglichkeit einer physischen Auslieferung einräumen. Aus steuerlichen Gesichtspunkten ist das physische Engagement zu favorisieren. Physisches Gold, ob in Form von Münzen oder Barren, kann derzeit steuerfrei erworben und nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei veräußert werden. Zwar kann auch Silber nach einem Jahr steuerfrei verkauft werden, allerdings fällt beim Erwerb von Münzen Mehrwertsteuer i.H.v. 7% an. Bei Silberbarren beträgt diese gar 19%, weshalb der Erwerb von Silbermünzen zu präferieren ist. Kauft man die Edelmetalle über die Börse, bspw. in Form eines Indexfonds, so ist zwar der Einkauf steuerfrei, beim Verkauf wird, unabhängig von der Haltedauer (gilt seit 2009) des Papiers, auf den Gewinn die Abgeltungsteuer i.H.v. 25% zzgl. 5,5% Soli und ggf. Kirchensteuer abgeführt.

4. Wandelanleihen

Eine Wandelanleihe nimmt eine Zwitterstellung zwischen einer Aktie und einer Unternehmensanleihe ein. Begibt ein Emittent eine Wandelanleihe, so ist diese im Vergleich zu dessen Unternehmensanleihe gleicher Laufzeit in etwa halb so hoch verzinst. Dafür kann der Anleger am Ende der Laufzeit in der Regel entscheiden, ob er das eingezahlte Geld ausgezahlt bekommen oder in die Aktie des jeweiligen Unternehmens tauschen will. Ist eher Deflation zu beobachten, würde man sich für das Geld entscheiden, im Falle von Inflation und möglichen einhergehenden Kurssteigerungen die Aktie wählen. Das Chancen-/Risikoprofil der Wandelanleihe im Vergleich zur Aktie stellt sich positiv dar, denn in der Vergangenheit konnten diese zu zwei Dritteln an der Aufwärtsbewegung von Aktien partizipieren, machten jedoch in schwachen Marktphasen nur ein Drittel der Abwärtsbewegung mit. Anleger sollten bei Wandelanleihen auf Fonds setzen. So können Profis entscheiden, ob sie das Wandlungsrecht ausüben und auch die Streuung hinsichtlich Emittenten und Laufzeiten kann damit relativ einfach und schnell erreicht werden.

5. Hochzinsanleihen (High Yield)

Auch Hochzinsanleihen können sowohl bei Inflation als auch Deflation sinnvolle Investments sein. Vorausgesetzt: Der Emittent kann zahlen. Denn hohe Zinsen verspricht bzw. muss versprechen wer über eine geringe Bonität bzw. Solvenz verfügt. Das Vertrauen des Anlegers wird quasi erkauft. Steigt die Inflation bieten Hochzinsanleihen eine größere Kompensation im Vergleich zu klassischen Unternehmens- und Staatsanleihen. Ein positiver Nebeneffekt: Anziehende Inflation bedingt in der Regel auch ein steigendes Zinsniveau, welches von Zentralbanken gesteuert wird. Steigende Zinsen wiederum bedingen Kursverluste bei Anleihen, da die meist festen Zinskupons zunehmend an Attraktivität verlieren und die jeweilige Anleihe so lange verkauft wird, bis die Rendite der Rendite neuen mit höheren Zinskupons ausgestatteten Anleihen entspricht. Dieser Effekt wirkt sich umso stärker aus, je länger die Restlaufzeit der entsprechenden Anleihe ist. Aufgrund ihrer vergleichsweise hohen Zinskupons fallen Kursverluste bei Hochzinsanleihen in Zeiten von Leitzinssteigerungen geringer aus als bei niedrig verzinsten Anleihen. Klingt fast zu schön, um wahr zu sein, oder? Wenn da nicht die hohe Ausfallwahrscheinlichkeit des Emittenten wäre. Auch hier können Fonds Abhilfe schaffen. Zum einen dadurch, dass eine Diversifikation nach Schuldnern ermöglicht wird, zum anderen dadurch, dass Fonds selektiert werden, die auf kurze Restlaufzeiten der Anleihen fokussieren. So gibt es Fonds, die eine durchschnittliche Restlaufzeit der Anleihen von bspw. 1,5 Jahren aufweisen. Denn je kürzer die Restlaufzeit, desto höher die Wahrscheinlichkeit einer ordnungsgemäßen Rückzahlung.

6. Fremdwährung

Die sich zu verselbständigen scheinende Staatsverschuldung und das Gelddrucken der FED, welches in Teilen leider auch von der eigentlich unabhängigen EZB praktiziert wird, lassen Viele von einer Währungsreform sprechen. Zumindest das Gefühl, dass irgendetwas nicht in Ordnung ist, scheint immer größere Teile der Bevölkerung zu beschleichen. Von Anlagen in fremder Währung lässt sich in zweierlei Hinsicht profitieren. Zum einen durch den Zins den bspw. ein ausländischer Emittent (Staaten, Unternehmen) für seine Anleihen berappen muss, zum anderen durch etwaige Aufwertungen der Fremdwährung gegenüber der Heimatwährung (Abwertungen führen natürlich zu Verlusten). Es sei darauf hingewiesen, dass es sehr schwer ist, mit Fremdwährungen Geld zu verdienen. Im Vordergrund sollte die „schlichte“ Diversifikation des Geldes stehen. Doch welche Währungen eignen sich überhaupt? Grundsätzlich gilt: Je geringer die Staatsverschuldung im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt, je stabiler die politischen Verhältnisse, je jünger die Bevölkerung und je rohstoffreicher das Land, desto investitionswürdiger ist die Fremdwährung. Gerade die D-Mark galt und gilt vielen immer noch als Hort der Stabilität. Dieses Vertrauen in Deutschland mag kurz- bis mittelfristig zwar gerechtfertigt sein, langfristig jedoch zeichnet sich ein relativ düsteres Bild ab. Die explizite und insbesondere die implizite (Verpflichtungen bspw. für künftige Beamtenpensionen) Staatsverschuldung wachsen unaufhörlich, die Bevölkerung vergreist stetig. So wie die jungen Leute sind auch Rohstoffe rar gesät. Einzig die stabilen politischen Verhältnisse, gute wirtschaftliche Rahmenbedingungen sowie die immer noch im internationalen Vergleich gute Bildung bzw. Ausbildung (Tendenz fallend) sprechen für Deutschland. Auf der Suche zur Ergänzung des Euro Bestandes (wir leben, denken und konsumieren in Euro) kommt man an Währungen von Schwellenländern nicht vorbei. Aufstrebende lateinamerikanische oder asiatische Staaten verfügen über eine teils sehr junge Bevölkerungsstruktur, weisen eine vergleichsweise geringe Staatsverschuldung auf und verfügen über Rohstoffresourcen. Rohstoffe haben auch Länder wie Norwegen, Kanada und Australien in den Blickpunkt des Interesses geführt und stellen eine Art Pfand bzw. Versicherung für die jeweilige Währung dar. Eine starke Aufwertung hat nicht zuletzt auch der berühmte Schweizer Franken erlebt. Die Neutralität der Schweiz sowie die nach wie vor stetigen Kapitalzuflüsse wirken sich stützend für den Schweizer Franken aus. Sollte es zur erneuten Verschärfung der Wirtschafts- und Finanzkrise kommen, kann sich der Schweizer Franken durchaus als einer der letzten Zufluchtsorte erweisen. Die Lösung ist auch diese nicht. Die Abhängigkeit vom Finanzsektor sowie die eher negative demographische Entwicklung werfen ihre Schatten voraus. Wie immer gilt auch bei Fremdwährungen: Die Mischung macht`s!

7. Immobilien

Vermögensanlagen sind immer dann gefährlich, wenn der Verstand ausgeschaltet wird. Sie werden sicherlich zustimmen, dass bei Besichtigungen von Eigentumswohnungen oder Häusern gerade unserem emotionalen Zentrum geschmeichelt wird. Nach Hause kommen, die eigene Haustür aufschließen und sich wohlfühlen, wer kann da schon widerstehen? Der Erwerb von Immobilien ist vergleichbar mit dem Autokauf. Wie viel Zeit wird teilweise darauf verwand, um Lebensmittelpreise zu vergleichen, um am Ende vielleicht 10 Cent zu sparen? Wie schnell jedoch haben wir uns im Vergleich für ein Auto entschieden, das mehrere 10 Tausend Euro kosten kann? Wie lange analysieren und diskutieren wir Aktienfonds A oder B, um 10 Tausend Euro zu investieren? Wie schnell im Vergleich sind wir bereit, mehrere 100 Tausend Euro für eine Immobilie auszugeben? Prinzipiell spricht nichts gegen eine eigengenutzte Immobilie, denn hier ist nicht die Rendite, sondern vielmehr die Lebensqualität ausschlaggebend. Aspekte wie Flexibilität oder die Thematik der Überschuldung dürfen hier natürlich nicht außer Acht gelassen werden. Dagegen muss bei vermieteten Immobilien schon eher mit spitzem Bleistift gerechnet werden. Immobilien gelten als klassische Sachwerte. Doch schaut man sich die Preisentwicklung bspw. für Eigentumswohnungen in Deutschland in den letzten 10 Jahren an, so stellt man fest, dass die Entwicklung im Schnitt leicht negativ war. Bei einer (moderaten) Inflation zwischen 1,5 und 2% in Deutschland in den letzten 10 Jahren bedeutete dies einen realen Vermögensverlust. Nur wenige Regionen wie Starnberg oder Augsburg hätten die Inflation schlagen können. Zwar gab es in Deutschland in den letzten Jahren keine Immobilienblase wie in Spanien, Portugal oder Irland, dennoch scheint die langfristige Entwicklung vorgezeichnet. Stellt man sich die Frage, wer bei Immobilien insbesondere auf der Verkäuferseite auftritt, so muss auf Ruheständler und Rentner verwiesen werden. Vielfach ist im dritten Lebensabschnitt Flexibilität gefragt. Zudem sind viele Immobilien nicht altersgerecht (zu groß, Treppen, fern von Geschäften und Ärzten). Auf der Käuferseite stehen meist Menschen mittleren Alters, die im Job bereits etabliert sind und über Familiengründung nachdenken. Aufgrund der negativen demographischen Entwicklung in Deutschland ist es eine Frage der Zeit, bis diese Gruppe zunehmend als Käufer wegbricht. Einer sinkenden Nachfrage würde ein steigendes Angebot gegenüber stehen, ein Preisverfall wäre die Folge. Wenn es um Krise und Nervosität geht, treibt das Thema Immobilie teils außergewöhnliche Blüten. So stehen Ackerflächen und Bauernhöfe bei einigen privaten Investoren hoch im Kurs. Die Sehnsucht nach Autarkie ist durchaus berechtigt. Allerdings muss diese auch gelebt werden, denn dem heutigen Leben lediglich geistig auf Wiedersehen zu sagen, reicht leider nicht. Denn was nutzt der Acker, wenn sich die Krise nur halb so schlimm darstellt als befürchtet? Und wenn es doch schlimmer kommt, was nutzt der Acker, wenn darauf nur Unkraut wächst? Für jede Art von Immobilien sollte ein Nutzungskonzept vorliegen. Ist dieses schlüssig, dürfte darin der Schlüssel zum Erfolg liegen. Solch ein Nutzungskonzept besitzen bspw. offene Immobilienfonds. Vorteil: Im Vergleich zu einer vermieteten Immobilie an einem bestimmten Standort, gibt es mehrere Immobilien (meist Geschäftsimmobilien) an weltweiten Standorten und vielen weltweit verteilten Mietern. Die Mietverträge sind indexiert, so dass anziehende Inflation auch die Mieten steigen lässt. Zudem ist es möglich, sich im Vergleich zu einzelnen Immobilien mit geringen Summen zu beteiligen und Klumpenrisiken zu vermeiden. Offene Immobilienfonds gibt es seit rund 40 Jahren und dennoch hat dieses Anlagesegment im Zuge der Finanzkrise seit 2008 einen Schiffbruch erlitten. Die Suche nach Sicherheit im Zuge der Bankpleite von Lehman Brothers führte u.a. zu enormen Mittelabflüssen aus offenen Immobilienfonds. Da dadurch die vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Mindestliquiditätsquoten unterschritten wurden, mussten viele der offenen Immobilienfonds schließen. Die Schließung bedeutet, dass der Fonds keine Anteile mehr zurücknimmt, und dient dem Schutz des Anlegers. Andernfalls müsste das Fondsmanagement sofort und damit unter Umständen unter Wert Immobilien verkaufen. In der Zeit der Schließung ist dennoch ein Handel über die Börse möglich. Allerdings muss der Verkäufer Abschläge in Kauf nehmen. Schafft es der Immobilienfonds nicht, nachhaltig für genügend Liquidität zu sorgen, so droht schlimmstenfalls  die Abwicklung. Der Fonds bekäme dann 2-3 Jahre Zeit, die verbliebenen Immobilien zu verkaufen und die Erlöse an den Anleger auszuschütten. Offene Immobilienfonds sind zur Glaubensfrage geworden und eignen sich insbesondere dann, wenn sonst keine Immobilien, ob vermietet oder eigengenutzt, im Gesamtvermögen vorhanden sind. Mut könnte belohnt werden. So gibt es Fonds, die zu 99% vermietet sind und deren Mietverträge zu 40% erst 2019 oder später auslaufen. Solch ein Fonds ist aktuell mit einem Abschlag von über 20% an der Börse zu kaufen. Trotz des Abschlags sind Verluste bspw. aufgrund einer möglichen Abwicklung des geschlossenen offenen Immobilienfonds nicht ausgeschlossen.

8. Staatsanleihen und Unternehmensanleihen bester Bonität

Staatsanleihen und Unternehmensanleihen sind in der Regel mit festen Zinskupons ausgestattet und eignen sich sehr gut bei Deflation. Während das Preisniveau zurückgeht, erhält man hier noch eine Verzinsung. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass es auch morgen noch den entsprechenden Schuldner gibt, dieser also seinen Zahlungsverpflichtungen nachkommen kann. Die Wahrscheinlichkeit einer ordnungsgemäßen Rückzahlung steigt dann, wenn der Staat bzw. das Unternehmen über eine solide Finanzlage und stabile Erträge sog. Cash Flows verfügt. Durch Aufnahme vieler Schuldner (vgl. Fondslösungen) lässt sich die Rückzahlungswahrscheinlichkeit weiter erhöhen. In Erwartung steigender Zinsen sowie der anhaltenden Nervosität sollten kurze Laufzeiten (maximal 3 Jahre) und beste Bonitäten in diesem Bereich präferiert werden. Als Beispiel wäre trotz aller Probleme nach wie vor der Deutsche Staat zu nennen.

9. Tagesgeld / kurzfristiges Festgeld

Tagesgeld ist wichtig, um unvorhergesehene Ausgaben jederzeit finanzieren zu können, ohne auf gebundene Anlagen zurückgreifen zu müssen. Eine entsprechende Reserve sollte immer vorhanden sein. Zudem kann Tagesgeld in gewissem Umfang durchaus auch taktisch zurückgehalten werden, um etwaige Opportunitäten am Markt zu nutzen. Geht man von größeren Verwerfungen am Markt aus, wäre es normalerweise durchaus sinnvoll, das Gros seiner Gelder auf dem Tagesgeld zu belassen und dem „Treiben“ aus gewisser Entfernung „lachend“ zuzuschauen. Doch leider kann der lachende Dritte auch derjenige sein, der als erstes bzw. am schlimmsten „weint“. Inflation, Hyperinflation und Währungsreform würden alle Anlagen außerhalb des Sachwertebereichs am stärksten treffen. So wurden bei der Währungsreform 1948 in Deutschland aus 100 Reichsmark 6,5 neue D-Mark. Selbst wenn solche extremen Szenarien nicht kommen sollten, bleiben Guthaben immer durch Bankinsolvenzen latent gefährdet. Deshalb sollten Bankeinlagen auf mehrere Banken verteilt werden. Die letzte Sicherheit gibt es allerdings auch hier nicht.

10. Darlehen / Schulden

Glaubt man der Verschuldungsquote der privaten deutschen Haushalte, die rund 20% des Gesamtvermögens ausmacht, so verursachen Darlehen bzw. Schulden insbesondere bei Deutschen ein gewisses Unbehagen. Denn im internationalen Vergleich ist diese Quote gering. Deutsche Unternehmen hingegen weisen im Vergleich eine hohe Verschuldung auf. Doch sind Darlehen in Zeiten von Krise nicht gerade gut? Ja, wenn man bspw. von Hyperinflation ausgeht wie in Zimbabwe. Auch „moderate“ Inflation könnte beim Abbau der Schulden hilfreich sein… ja wenn der Lohn, der letztlich mitunter zum Schuldenabbau dient, ebenfalls im Zuge der steigenden Preise erhöht wird. Dann würde es zunehmend leichter fallen, die Darlehen zurückzuzahlen. Doch wer garantiert, dass gerade Ihr Lohn erhöht wird? Und was passiert bei Deflation? Dann gewinnen Schulden, zumindest aus Gläubigersicht, an Wert. Wie wir bereits gehört haben, kann mit Deflation eine hohe Arbeitslosigkeit einhergehen. Wer garantiert, dass der eigene Job dann noch sicher ist? Darlehen aufzunehmen sollte also gut überlegt und vorausschauend geplant sein. Auch hier sollte ein Nutzungskonzept vorhanden sein. Eine Spekulation auf eine rasche Entwertung der Schulden gehört nicht dazu. Denn am Ende gewinnt immer die Bank.

Wie die Gewichtung der jeweiligen Anlagesegmente im Depot bzw. Gesamtvermögen aussehen soll, hängt von der persönlichen Risikobereitschaft (Schwankung versus Anlagen in Sachwerte, Bauchgefühl), des Anlagehorizontes, der jeweiligen Anlageerfahrung, der bisherigen Gesamtvermögensstruktur sowie letztlich vom angedachten Zeitaufwand ab. Ohnehin gibt es nicht die Anlagesstrategie und nicht die Lösung.

Wie Sie gemerkt haben sind die angestellten Überlegungen nicht primär auf Rendite ausgerichtet. Vielmehr soll den heutigen, teils unkalkulierbaren Risiken Rechnung getragen und mittel- bis langfristig, so gut es geht, realer Kapitalerhalt als Zielgröße gesetzt werden. Wir wissen, dass wir nichts wissen… Diese Erkenntnis kann bereits helfen, ein Stück der (unter Umständen verlorenen) Lebensqaulität wiederzubringen. Unserem System, und jeder von uns ist Teil davon, ausgeliefert zu sein, kann durchaus Trost spenden. Sich hingegen um des Geldes wegen verrückt zu machen lohnt nicht. Denn so wird nicht nur die künftige, sondern auch die heutige Lebensqualität zerstört. Geld dient der Lebensqualität,wir aber nicht dem Geld.

Vielleicht hilft uns gerade das Nachdenken über Geld, unsere Lebensqualität wiederzugewinnen und die Angst zu besiegen. Denn die Chancen stehen gut, um zu erkennen, was wirklich wichtig ist… Familie, gute Freunde, Gesundheit oder einfach ein Lächeln und eine helfende Hand!

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