China – Achillesferse der Weltwirtschaft

Die gute Nachricht zuerst: Glaubt man den offiziellen Zahlen, so hat sich das chinesische Wachstum zwar verlangsamt, es befindet sich aber immer noch auf einem hohen Niveau von 8-9% jährlich. Wachstumsraten, die China nach den USA zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt aufsteigen ließen.

Dennoch brauen sich dunkle Wolken am Horizont zusammen. Zuletzt in den Jahren 2008/2009 als Zehntausende auf Export spezialisierte Firmen schließen mussten und Millionen von Wanderarbeitern in die Arbeitslosigkeit schickten. Die Antwort damals: Öffnung der Schleusen und (Über-)Flutung der Volkswirtschaft mit (billigem) Geld sowie Ankettung des Renmimbi an den US-Dollar. Mit zusätzlicher Kohle gewann die stotternde Lokomotive an Fahrt, was unter anderem dazu beitrug, den Autoabsatz in 2009 um 45% und 2010 um rund 30% im Vergleich zum jeweiligen Vorjahr hochzukatapultieren.

Mit zunehmender Geschwindigkeit, befeuert durch riesige Investitions- und Kreditprogramme sowie der künstlichen Schwächung der Heimatwährung (Bindung an den US-Dollar), nahm aber auch die Inflation in China an Fahrt auf. Im Jahr 2011 betrug diese zuletzt ca. 6%. Auch die ohnehin schon hohen und teils zu Spekulationszwecken gekauften Immobilien legten in diesem Zug nochmals deutlich zu und deuten nun mehr denn je eine ausgemachte Immobilienblase an. Da die Bevölkerung gerade durch steigende Nahrungsmittelpreise hart getroffen wird, folgte auch hier die Reaktion prompt: Rückführung der staatlichen Investitionsprogramme, Einschränkung der Kreditvergabe sowie Aufwertung gegenüber dem US-Dollar.

Diese (Voll-)Bremsung kommt in einem denkbar ungünstigen Moment. Denn sowohl die USA als auch Europa, die Hauptabnehmer chinesischer Exportwaren, stecken in einer tiefen Schulden- und Vertrauenskrise. Zum einen sinken die Bestellungen, zum anderen steigt die Furcht vor Zahlungsausfällen von Seiten der Kunden, die die bestellten Waren von heute auf morgen nicht mehr bezahlen könnten.

China und damit die ganze Welt stecken in einer Sackgasse. Wie stark kann ich bremsen, ohne die Lokomotive bzw. Motor zum Stehen zu bringen bzw. abzuwürgen? Ist der Inflationsbekämpfung oder doch dem Wirtschaftswachstum oberste Priorität einzuräumen? Und was passiert, wenn das Wirtschaftswachstum sich deutlich verlangsamt und die Inflation dennoch nicht zu verschwinden scheint (Szenario einer Stagflation)?

Viele Fragen auf die es nur wenig gute bzw. richtige Antworten gibt. Fest steht allerdings, dass die Weltwirtschaft ohne China und China ohne die Weltwirtschaft nur halb so viel wert sind. Fest steht aber auch, dass China wie früher die USA auf mittel- bis langfristige Sicht die Produktion von Gütern deutlich bestimmen wird. Gerade diese Produktion ist es, die die Volkswirtschaft zu Reichtum und Wohlstand führt. Diesen Pfad scheinen die USA (Bruttoinlandsprodukt wird zu ca. 80% durch Dienstleistungen generiert) sowie Deutschland (ca. 70% Dienstleistung am BIP) gerade zu verlassen. Damit ist abzusehen, dass auch ein Teil unseres gewohnten Wohlstands nach China bzw. Asien abwandert. Doch dies ist ein anderes Thema…

Dieser Beitrag wurde unter Daily Blog abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.