Gedankenexperiment: Neue Währung – neues Glück?

Dass die Zukunft Europas von der Zukunft des Euro abhinge mag schick klingen. Doch gerade das gebetsmühlenartige Wiederholen dieser Parole offenbart die Panik und Verzweiflung, die in diesen Worten steckt. Denn Europa, das nunmehr eine stolze Mitgliederzahl von rund 50 ihr Eigen nennt, gab und wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit auch nach der Ära des Euro geben. Die Bereitschaft, aufeinander zuzugehen, Kompromisse zu schließen und schließlich das Wohl des Volkes zu beachten, wird wohl eher über Wohl und Wehe Europas entscheiden.

Grund genug ein Gedankenexperiment zuzulassen und die Ablösung des Euro durch die Drachme bzw. die D-Mark zu beleuchten. Aus Sicht der Griechen auf den ersten Blick sicherlich der worst case. Denn es ist abzusehen, dass die „neue“ Drachme um 50% oder mehr zu allen wichtigen Währungen abwertet bzw. um 50% schwächer wird. Die schon heute die Luft abschnürenden Schulden würden sich quasi über Nacht verdoppeln. Die schwache Währung importiert Inflation ins Land, die unter Umständen zu galoppieren beginnt. Unternehmen, die über wettbewerbsfähige Produkte verfügen, könnten durch die schwächere Währung Exportvorteile nutzen. Alles in allem würde aber vermutlich kein Weg daran vorbeiführen, dass die griechische Volkswirtschaft zusammenbricht. Würde dann selbst die Sonne über Griechenland lachen? Nein! Um einen durchaus mehrere Jahre andauernden, schmerzhaften Anpassungsprozess verbunden mit einer weiteren Währungsreform, Schuldenschnitt und Vertrauensverlust wird Griechenland nicht herumkommen. Doch in der Stunde Null, siehe Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg und Argentinien Anfang des Jahrtausends, wenn die Stimmung auf dem Tiefpunkt scheint, wird auch die Sonne wieder scheinen. Das Vertrauen und die Zuversicht der Menschen kehren zurück, mit ihnen die Wettbewerbsfähigkeit und schließlich das Vertrauen der Investoren.

Die Deutschen bekämen ihre ersehnte D-Mark wieder. Im großen Gegensatz zur Drachme würde diese vermutlich zu allen wichtigen Währungen um bspw. 25% aufwerten bzw. stärker werden. Alle Wertpapiere, hinter denen bspw. US-Dollar und sogar Schweizer Franken stehen, würden schlagartig in D-Mark gerechnet um 25% an Wert einbüßen. Einbußen müssten auch die berühmten deutschen Exportunternehmen hinnehmen, denn deutsche Produkte würden im Ausland teurer und damit weniger wettbewerbsfähig. Droht den Deutschen damit hohe Arbeitslosigkeit? Nicht, wenn wir nicht nur Papst sind, sondern zu wahren Konsumweltmeistern werden. Gute Voraussetzung würden durch die starke Währung geschaffen, denn Importe würden billiger, es würde durch günstigeres Öl und co. kurz- bis mittelfristig mehr im Geldbeutel verbleiben. Geld, welches die Binnenwirtschaft ankurbeln und damit die sinkende Nachfrage aus dem Ausland mehr als wettmachen könnte. Auch der Staatshaushalt würde profitieren, denn die starke D-Mark erleichtert die Schuldenrückführung und verschafft Luft zum Atmen. Diese Luft muss aber unbedingt genutzt werden, um Bildung und Innovation zu fördern. Nur so wird die Wettbewerbsfähigkeit langfristig bestehen bleiben.

Neues Glück liegt auf der Straße, sowohl in Griechenland als auch in Deutschland. Wir müssen diesem nur zum Glück verhelfen. Europa wird es uns danken, wenn nicht heute, dann morgen!

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