Freitag, der Dreizehnte

Der letzte Freitag, der erste berüchtigte des Jahres 2012, verlief eigentlich ganz entspannt. Der DAX hatte bis kurz vor Börsenschluss in Europa in den ersten rund 13 Tagen des Jahres 2012 rund 4% zugelegt… Doch dann die Hiobsbotschaft. Die Ratingagentur Standard & Poor`s (S&P) stuft 9 Länder der Eurozone herab, unter anderem starke Partner wie Frankreich und Österreich.

Schlechtere Bonitätsnoten erfordern ceteris paribus höhere Zinslasten für den Schuldendienst und sind ein untrügliches Zeichen dafür, dass der Haushalt nicht im Lot ist. Natürlich stellen Ratings eine sinnvolle Stütze für die Investoren dar. Wo ist mein Geld noch sicher… fragen sich die Investoren, zu denen auch der „kleine“ Bürger gehört, gerade in der heutigen Zeit.  Doch man wird das Gefühl nicht los, dass Ratings, gerade wenn diese von den großen drei Ratingagenturen aus den USA stammen, auch politisch motiviert sein könnten. Denn durch die Herabstufungen erhöht sich nicht nur der Druck auf die jeweils betroffenen Länder, sondern gerade auch auf die Europäische Zentralbank (EZB), die als „Lender of last resort“ (letzte Schuldnerinstanz) gilt.

Denn die EZB ist noch nicht in aller Konsequenz in Richtung der Amerikanischen Notenbank (FED) ausgerichtet. Beim bedingungslosen Aufkauf von Anleihen der in Bredoille geratenen Staaten und letztlich beim Drucken von Geld steht die EZB noch auf der Bremse. Würde sie die Position deutlich lockern und Anleihen unbegrenzt aufkaufen, dürfte dies die Unsicherheit unter den Anlegern deutlich mindern und für eine Kursexplosion an den Märkten führen. Die Probleme würden in die Zukunft verlagert, für die Inflation aber der Weg bereitet. Aus Sicht des US-Dollar würde sich ein positiver Nebeneffekt einstellen. Denn der Euro würde daraufhin noch weiter an Vertrauen einbüßen. Die EZB wäre eben nicht die Deutsche Bundesbank! Damit müssten sich große Investoren wohl oder übel in Richtung US-Dollar bewegen. Sie müssen sich dann die Frage stellen, welche der beiden Währungen das größere Übel darstellen würde.

Fest steht auch, dass seit Freitag auch das Risiko in der Eurozone selbst neu gedacht werden muss. Über die Bestnote von AAA verfügen nur noch 4 Länder, nämlich Deutschland, Finnland, Luxemburg sowie die Niederlande. Deutschland ist das einzige Land dieses Quartetts, dessen Ausblick von der Ratingagentur als stabil bezeichnet wird. Es ist abzusehen, dass Gelder aus schlechter bewerteten Euroländern nun in diese 4 Mitglieder abfließen werden. Dies verstärkt den Druck auf das Bankensystem, die Spirale dreht sich von vorn… ob die nächste Herabstufung auch auf einen Freitag, den Dreizehnten fällt wäre ein reiner Zufall, ein Überraschung wäre diese hingegen nicht.

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