Die Aktie: Ein Teufelszeug?

Ähnlich wie Immobilien erhitzt die Diskussion rund um die Anlage in Aktien die Gemüter vieler Kunden, die zum ersten Mal ein Gespräch mit mir führen. Zugegeben, die letzten rund 10 Jahre gelten als verlorene Dekade am Aktienmarkt, haben Nerven gekostet uns so mancher wird wohl nie wieder an diesen Markt zurückkehren… wenn er denn ausgestiegen ist! Der eine oder andere Experte argwöhnt gar, die nächste Dekade wird der letzten um nichts nachstehen. Schlechte Aussichten, bedenkt man, dass die Aktie von so manchem gescheut wird, wie der Teufel das Weihwasser.

Ein Blick in Börsenlexika bringt vielleicht etwas Licht ins Dunkel: Dort wird die Aktie als Urkunde beschrieben, die dem Inhaber bzw. Aktionär bestimmte Eigentumsrechte an Unternehmen verbrieft und diesen am Erfolg bzw. Misserfolg des Unternehmens direkt teilhaben lässt. Auch die vergleichsweise hohe Renditeerwartung von 7-8% hat einen nachvollziehbaren Hintergrund. So setzt sich diese aus möglichen Produktivitäts- und Preissteigerungen, Dividenden sowie der Abgeltung eines unternehmerischen Risikos zusammen. Bis 1980 hat der weltweite Aktienindex MSCI World, der die Entwicklung von rund 1.600 Unternehmen widerspiegelt, ca. 7-8% an jährlicher Rendite eingebracht und damit die Theorie bestätigt.

Doch woher kommt der schlechte Ruf? Ein Blick auf die Renditen von 1980 bis Ende der 1990er Jahre könnte eine Antwort liefern. Denn die jährliche Renditeentwicklung stieg auf unvorstellbare 15-16%. Ein Wachstum, welches mit gesundem Wirtschaften nichts mehr zu tun hatte. Diese Spekulationsblase lösste sich in der darauf folgenden, weiter oben beschriebenen letzten Dekade wieder auf. Ob die Übertreibung nun vollends behoben ist oder gar eine Übertreibung nach unten im Gange ist, vermag keiner zu sagen. Gerade vor diesem Hintergrund ist unbestritten, dass Aktien stark schwanken. Niemand beschwert sich, wenn es nach oben geht, doch Abwärtsrisiken scheint keiner tragen zu wollen. Doch was ist in der heutigen Zeit Risiko? Anleihen, die vermeintlich wenig schwanken und damit sicher sind, oder doch eher die Aktien, die zwar schwanken aber einen Sachwert verbriefen? Ein Fondsmanager brachte es auf den Punkt: Früher waren Anleihen risikolose Zinsen, der Zins war ansehnlich und man wusste, dass das Geld mit hoher Wahrscheinlichkeit zurückgezahlt wird. Und heute… sind Anleihen zinslose Risiken!

Vielleicht lässt sich die Aktie vor dem Hintergrund des „neuen“ bzw. zeitgemäßen Risikobegriffs anders beurteilen. Ein Blick auf die Währungsreform 1948 in Deutschland könnte hier Aufschluss geben. Im Zuge der Währungsreform wurden aus 100 Reichsmark 6,5 D-Mark. Auch Aktien verloren im Schnitt, ob durch Insolvenzen oder Kursverluste, ca. 70-80% an Wert. Der Neuaufbau stand an, es wurde angepackt. Nicht nur die zerstörten Immobilien erstrahlten im neuen Glanz, auch die Bilanzen und Gewinne der Unternehmen konnten schon bald wieder glänzen. Der Verlust ließ sich im Vergleich zum Tagesgeld deutlich schneller wieder aufholen. Denn eines steht fest: Unternehmen wurden und werden immer gebraucht. Nicht nur als Lohn und Brot Geber, sondern auch weil sie Dinge des täglichen Bedarfs herstellen. Sie stellen also veritable Vermögens- bzw. Sachwerte dar, egal welcher Währung oder Wirtschaftslage sich der Mensch gegenübersieht.

Solide Unternehmen, die auf ein nachhaltiges und nachvollziehbares Geschäftsmodell setzen, ein gesundes Verhältnis von Eigenkapital und Schulden aufweisen und eine gewisse Preisdurchsetzungsmacht besitzen, dürften auch morgen noch unsere Gesellschaft prägen. Damit gehört die Aktie ins Portfolio bzw. in die Gesamtvermögensstruktur.

Klar ist aber auch: Wer mit den Schwankungen keinen Frieden zu schließen vermag, für diesen könnte die Aktie auch morgen noch des Teufels Werkzeug sein. Klamme Staatskassen, strauchelnde Banken und das Drucken von Geld müssen heute leider in die Anlageentscheidung bzw. ganzheitliche Anlagestrategie mit einbezogen werden. Damit steckt der Teufel eben auch im Detail…

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