Das Gold: Pro und Contra

Das hat es vorher noch nicht gegeben. Seit 2001 hat der Goldpreis Jahr für Jahr zugelegt und schickt sich an, auch das zwölfte Jahr in Folge zu steigen. Lag der Preis für eine Feinunze (31,1 Gramm) Gold im Jahr 2001 im Schnitt bei 270 US-Dollar, so steht er heute bei rund 1.650 US-Dollar, eine Versechsfachung bzw. eine jährliche Steigerung von durchschnittlich 20%. Kein Wunder, dass vier von fünf Kunden fest davon überzeugt sind, dass das Gold bereits viel zu teuer sei. Spannend ist, dass diese Meinung vor einigen Jahren bei einem Goldpreis von rund 1.000 US-Dollar auch schon vorherrschte.

Grund genug, dem Gold auf den Zahn zu fühlen, was spricht dafür und und was dagegen:

Contra

  • Der Goldpreis markierte Anfang September 2011 sein bisheriges Allzeithoch (nicht inflationsbereinigt) bei rund 1.900 US-Dollar. Innerhalb kurzer Zeit ging es auf rund 1.500 US-Dollar bergab. Zumindest laut einigen Experten ist damit die vermeintliche, längst überfällige Gold-Blase geplatzt.
  • Die teils extremen Preisverwerfungen offenbaren die hohen Schwankungen (Volatilität) des Edelmetalls. Die hohe Schwankungsbandbreite kann bei dem einen oder anderen Anleger Schweißausbrüche verursachen und diesem Kopfzerbrechen bzw. schlaflose Nächte bereiten.
  • Für gewisses Unbehagen sorgt ein vermeintlich banaler Grund. Wo und wie lagere ich Gold, insbesondere wenn dieses physisch erworben wird? Bei der Bank oder daheim? Im Schließfach, Safe oder tief in der Erde vergraben?
  • Gold wirft keine Erträge ab. Schlimmer noch, es ist denkbar schlechtes Investment. Denn 1950 konnte man für die gleiche Menge Gold die gleiche Menge an Öl kaufen wie heute. Wer wollte ein Investment, welches nach 60 Jahren, zumindest in Öl gemessen, keinen Mehrwert geliefert hat?
  • Und selbst wenn Gold einen Mehrwert liefern würde, könnte die Suppe durch den Wechselkurseffekt vermiest werden. Denn aus Sicht eines in Euro denkenden und konsumierenden Anlegers stellt sich ein Problem ein, welches darauf beruht, dass Gold immer dann zu steigen scheint, wenn der US-Dollar bspw. zum Euro eine Schwäche zeigt. In Euro gerechnet bleibt vom schönen Anstieg dann nicht mehr viel übrig.
Pro
  • Schwindendes Vertrauen in die Stabilität der Kapital- und Finanzmärkte, verbunden mit der desolaten Haushaltslage mancher Staaten verstärken die Suche nach „sicheren Häfen“. Die Preisentwicklung des Goldes deutet darauf hin, dass das eine oder andere Schiff hier durchaus einlaufen kann.
  • Notenbanken, die als größte Eigner von Edelmetallen gelten, haben sich auf die Seite der (Netto-)Käufer geschlagen. Gerade Notenbanken aus Schwellenländern wie China verzeichnen Rekordimporte von Gold. 
  • Gilt Gold Investoren als „sicherer Hafen“, kann dieses auch dem Depot bzw. Gesamtvermögen nützen. Als Teil einer breit aufgestellten Anlagestrategie lassen sich Schwankungen im Gesamten mindern. Laufen bspw. Aktien aufgrund anhaltender Unsicherheit schlecht, könnte Gold einen Gegenpol bilden. Läuft es beim Gold hingegen schlecht, könnte dies ein Anzeichen dafür sein, dass Aktien besser laufen und das Vertrauen zurückgekehrt ist. Gold als Versicherung!
  • Diese Versicherungsfunktion scheinen aber erst wenige Anleger erkannt zu haben. Glaubt man Schätzungen, so sind weniger als 1% des weltweiten Geldvermögens in Gold angelegt. Was würde passieren, wenn Anleger beschließen sollten, 2% ihres Geldvermögens in Gold anzulegen?
  • Die Zinsen gerade in den USA und Europa sind so tief wie noch nie. Nach Inflation, also real, wird ein negativer Zins „erzielt“. Reale, in Kaufkraft gemessene Vermögensverluste sind unausweichlich. Mit fallendem Zinsniveau purzeln die Opportunitätskosten für Gold. Da Gold keine direkten Erträge abwirft, muss sich der Anleger stehts nach Alternativen umsehen (Tagesgeld, Anleihen, Aktien etc.). Lassen sich keine geeigneten Alternativen ausfindig machen, findet sich das Gold.
  • Gold ist kein Investment. Wenn es aber kein Investment ist, ist es dann gar Geld? Vollzieht es mitunter nur die Schwäche der Währungen (US-Dollar, Britisches Pfund, Euro oder gar Schweizer Franken), in denen es gemessen wird? … so wie das Öl auch, welches den deutschen Autofahrern 2011 in Euro gemessen das teuerste Tankjahr aller Zeiten bescherte? Wenn Gold Geld ist, damit definitionsgemäß auch eine Tauschfunktion einnehmen kann, gibt es Beispiele hierfür? Ja… bspw. in Südafrika wo der berühmte Krügerrand offizielles Zahlungsmittel ist… seit dem 25. März 2011 bspw. im US-Bundesstaat Utah, welcher neben dem US-Dollar auch Gold- und Silbermünzen als offizielles Zahlungsmittel akzeptiert. 
Jeder muss für sich selbst entscheiden, ob, wann und wie viel Gold er sein Eigen nennen will. Fakt ist, es ist nicht alles Gold was glänzt. Fakt ist aber auch, dass nicht alles glänzend ist, was nicht Gold ist…
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