Vierstellige Rendite

Wenn Sie das lesen… Hand auf`s Herz…funkeln Ihre Augen oder schrillen alle Alarmglocken?

Kein Witz, zumindest in der Theorie. So nachzulesen in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) vom 10.12.2011. Die Rede ist von einer griechischen Staatsanleihe, die am 20.03.2012 fällig wird. Der Zins der Anleihe beträgt 4,3%, der Kurs zum Zeitpunkt des Artikels notiert bei etwa 40%. Würde die Anleihe nach Ablauf der verbleibenden 100 Tage zurückgezahlt, so könnten sich Anleger über den 2,5-fachen Gewinn freuen. Würde zugleich unterstellt, diese Wette laufend wiederholen zu können, so könnte man sich über eine auf ein Jahr hochgerechnet vierstellige Rendite von sage und schreibe 2.600% freuen. „Alles auf die Griechen“, wird ein Investmentbanker zitiert.

Dass dies nur graue Theorie ist, wird vom Autor des Artikels klar herausgestellt. Vielmehr wird deutlich darauf hingewiesen, dass in der unüberschaubaren Gemengelage rund um Griechenland auch ein Totalverlust droht. Soweit so gut.

Frappierend  allerdings ist die Tatsache, dass dieser Artikel überhaupt an die Masse herangetragen worden ist. Es sollte hinlänglich bekannt sein, dass der menschliche Verstand, getrieben von Gier, beim Wort Rendite und hier gar einer vierstelligen aussetzt. Dies kommt nahezu einer Einladung gleich, ins Casino zu gehen und dort auf Rot oder Schwarz zu setzen… zumindest aber wird dem Einen oder Anderen der Mund wässrig gemacht.

An dieser Stelle sei eindringlich zu betonen, dass es keine heißen Tipps gibt! Denn spätestens im Zeitalter modernster Daten- und Informationsverarbeitung in Hochgeschwindigkeit dürften die meisten verfügbaren Informationen im Kurs eingepreist sein. Welcher Privatanleger könnte hier wohl behaupten, einen Informationsvorsprung zu besitzen? Und selbst wenn er diesen hätte, warum sollte er diese Kostbarkeit (mit)teilen?

Und wie sieht es bislang mit der vierstelligen Rendite der beschriebenen Griechenlandanleihe aus? Zur Erinnerung: Der Kurs zum Zeitpunkt der Artikelerscheinung in der FAZ lag bei rund 40%. Bis Anfang Januar 2012 kletterte dieser auf ca. 50%. Immerhin ein Kursplus von 25%. Wer damals also Mut gefasst und „rechtzeitig“ verkauft hätte, könnte sich über ein Kursplus von 10-25% freuen. Und wer nicht verkauft hat oder wen die Courage erst Anfang Januar ergriffen hat? Derjenige könnte sich unter Umständen des besagten Artikels erinnern… denn der heutige Abendkurs liegt bei rund 38%.

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