Die große Liquiditätswelle: Surfen oder auf der Strecke bleiben

Wenn Sie nun sagen, Surfen sei nur etwas für junge waghalsige Leute, dann würde ich Ihnen vermutlich auf den Sport bezogen zustimmen, im Hinblick auf Ihr Vermögen aber widersprechen. Denn gerade die Älteren unter uns, die ihr Leben lang gespart und Vermögen zur Seite gelegt haben, sich im Ruhestand oder kurz davor befinden, sollten zeitnah einen „Crashkurs“ in Sachen Surfen belegen.

Streng genommen müssten Sie eigentlich bereits auf dem Surfbrett stehen und die Welle aus Liquidität reiten. Liquidität, die massenhaft insbesondere seit Ausbruch der Wirtschafts- und Finanzkrise ins System (Staaten, Banken, Unternehmen, Privatleute) gepumpt wurde und wird. Einige Beispiele gefällig?

  • Von März 2009 bis März 2010 hat die amerikanische Notenbank FED im Zuge des Quantitative Easing I rund 1,7 Billionen (1.700.000.000.000) US-Dollar ins System gegeben.
  • Von November 2010 bis Juni 2011 Quantitative Easing II durch die FED i.H.v. 600 Milliarden (600.000.000.000) US-Dollar.
  • Umgerechnet 230 Milliarden Euro (230.000.000.000) stellte auch die Bank of England bereit.
  • Seit dem Frühjahr 2010, seit Ausbruch der Griechenlandkrise, hat auch die EZB durch Aufkauf von Anleihen Liquidität in Höhe von ca. 220 Milliarden Euro (220.000.000.000) bereitgestellt.
  • Kurz vor Weihnachten 2011 stellte die EZB Banken rund 500 Milliarden Euro (500.000.000.000) als Kredit bereit. Statt einer Laufzeit von einigen Tagen, Wochen und Monaten wie bisher üblich beträgt die Laufzeit der Kredite nun 3 Jahre.
  • Ein zweiter sogenannter Dreijahrestender von Seiten der EZB steht Ende Februar 2012  an. Experten erwarten ein Volumen von ebenfalls 500 Milliarden Euro, manch einer sogar 1 Billion Euro. Die Höhe wird letztlich von der Nachfrage der Banken bestimmt werden.
  • Weitere Möglichkeiten, sich billig Liquidität zu „besorgen“, liegen in dem historisch niedrigen Zinsniveau. In den USA wird der Zinssatz voraussichtlich bis Ende 2014 nahe Null Prozent bleiben. Die EZB schließt eine Leitzinssenkung auf unter einem Prozent nicht aus. Auch die Bank of England verbleibt bei einem halben Prozentpunkt.
  • Weitere Beispiele lassen sich überall auf der Welt finden…

Diese Zahlen vor Augen, immer mehr US-Dollar, Euro, Britische Pfund etc., könnte man durchaus geneigt sein, von einer Liquiditätswelle zu sprechen. Die Angst des Geldwertverlustes, die hier mitschwingt, dürfte gerade in Deutschland unter dem Begriff der Inflation bekannt sein. Zugegeben, die Inflationszahlen, gemessen an bestimmten Warenkörben,  hält sich bislang in Grenzen. Zumal die Liquidität scheinbar (noch) nicht den Weg in die sogenannte Realwirtschaft gefunden hat. Doch jede Welle, gerade wenn sie von einer anderen gefolgt wird, hat die Tendenz sich zu verstärken bzw. zu potenzieren. In der Seefahrt wurden immer wieder Monsterwellen von 30 Meter Höhe beschrieben, die zwar selten und kaum vorstellbar sind, jedoch eben vorkommen können. Je mehr Schiffe gerade in rauer See unterwegs sind, desto höher die Gefahr, hautnah Zeuge eines solchen Naturschauspiels zu werden. 

Spannend ist, dass nach jeder Lockerung, teils mit gewisser zeitlicher Verzögerung, Kursaufschläge gleichermaßen bei Anleihen, Aktien, Edelmetallen (wie Gold und Silber) und Rohstoffen zu beobachten waren. Mit Ausnahme von Anleihen handelt es sich hier um Sachwerte, also Dinge, die den Preisanstieg (Inflation) widerspiegeln, man spricht hier auch von Vermögenspreisinflation. Diese Inflation könnte der Vorbote einer Inflation sein, die auch die Realwirtschaft erfassen könnte. Kommt die Inflation in der Realwirtschaft an, kann es durchaus sein, dass die Vermögenspreise real (also nach Inflation) nach unten tendieren. Dieses paradoxe Phänomen könnte bspw. in Zeiten einer Stagflation auftreten. Doch soweit scheinen wir noch nicht zu sein…

Bis es soweit ist, könnte es durchaus angebracht sein, auf dieser Liquiditätswelle zu schwimmen, getreu dem Motto: Wir können die Welle nicht aufhalten, aber lernen, auf ihr zu reiten. Surfbrett (Sachwert) statt Schwimmen oder Abwarten. Waghalsigkeit hängt eben doch vom jeweiligen Standpunkt ab.

 


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