Rohstoffe – Stoffe aus dem nicht nur Träume sind

Haben Sie sich auch schon gefragt, warum Windräder manchmal still stehen? Vielleicht weil gerade dem Wind die Puste ausgegangen ist oder die Netzleitungen gerade dem Strom aus Kernenergie vorbehalten sind. Oder vielleicht auch, weil organisierte Banden die Windkraftanlage ungebeten besucht und diese „nebenbei“ um das lebensnotwendige Kupfer erleichtert haben. Kupfer das immerhin im Wert von ca. 20.000 Euro verbaut ist.

Dieses etwas skurrile Beispiel verdeutlicht zweierlei, nämlich dass Rohstoffe wie Kupfer eminent wichtig sind und dass diese mittlerweile wieder so teuer zu sein scheinen, dass man dafür selbst Gefängnis zu riskieren bereit ist.

Rohstoffe sind nicht nur Schmierstoff der Wirtschaft (wie Öl), sie spenden uns Wärme (wie Holz, Kohle, Gas), ernähren uns (wie Weizen, Mais, Reis, Zucker) und schützen uns vor dem Verdursten (Wasser). Vor diesem Hintergrund haben Rohstoffe aus Anlegersicht entscheidende Vorteile. Zum einen ist das Prinzip relativ leicht verständlich: Je besser die Konjunktur, desto höher der Preis bspw. für Öl bzw. je mehr und je reicher die Menschen, desto höher der Preis für bspw. Agrarrohstoffe. Dieses Prinzip von Angebot und Nachfrage, welches sowohl Knappheit als auch Überangebot andeutet, führt zum zweiten wesentlichen Vorteil. Denn kaum eine andere Anlageklasse vollzieht die Preisentwicklung, ob Inflation oder Deflation, besser und schneller nach. Mehr noch: Da bspw. Öl und Energie im Allgemeinen einen hohen Anteil in unserem Warenkorb einnehmen, sind sie selbst treibende Kraft für inflationäre oder deflationäre Tendenzen. So waren Rohstoffe die Gewinner in Zeiten von Stagflation in den 1970er Jahren. Erwarten Sie also Inflation oder gar Stagflation, können Sie sich mit Rohstoffen strategisch positionieren. Doch nicht nur im Depot können Sie sich strategisch ausrichten. Fahren Sie viel Auto? Haben Sie einen großen Heizöltank? Oder gehören Lebensmittel zu der Hauptposition Ihres Monatsbudgets? Dann könnten Rohstoffe ein interessantes sog. Hedging (= Absicherung) Instrument sein. Stellen Sie anhand Ihrer Tankbelege bspw. fest, dass Sie rund 2.000 Euro pro Jahr für Benzin ausgeben und wollen Sie dieses Niveau für das nächste Jahr „konservieren“, so könnten Sie bspw. Öl in Form eines Börsenterminkontraktes im Wert von 2.000 Euro kaufen. Steigt in der Folge der Ölpreis, so müssen Sie an der Zapfsäule tiefer in die Tasche greifen, freuen sich aber beim Anblick Ihres Depotauszugs, denn der Ölkontrakt dürfte ebenfalls zugelegt haben. Natürlich wird dieser Absicherungsmechanismus nicht 1:1 aufgehen (Ölpreis nicht gleich Benzinpreis), wirksam ist dieser allemal. Schließlich haben Rohstoffe aus Gründen der Diversifikation eine positive Eigenschaft. Man spricht von negativer Korrelation zu anderen Anlageklassen wie Aktien oder Anleihen. Steigen die Preise für Stahl, so haben Automobilhersteller höhere Produktionskosten. Schaffen es diese nicht, die höheren Kosten an die Kunden weiterzugeben, sinkt deren Gewinn und damit der Aktienkurs. Der jeweilige Preisanstieg oder -verfall wird jeweils abgefedert.

Aber auch bei Rohstoffen ist nicht alles Gold was glänzt. So riskiert der eine oder andere Anleger das eine oder andere graue Haar. Denn Rohstoffe sind sehr volatil bzw. schwankungsreich. Leider ist auch das physische Investment in Rohstoffe sehr schwierig. Oder können Sie es sich vorstellen, einige Fässer Öl oder Säcke voll Weizen im Keller zu lagern? Legen Sie allerdings keinen Wert auf die physische Komponente, stehen Ihnen vielfältige Möglichkeiten zur Auswahl. Zertifikate, Exchange Traded Commodities (ETC) oder Exchange Traded Funds (ETF). So kann in einzelne Rohstoffe oder gar Rohstoffkörbe mit bis zu 36 Rohstoffen investiert werden. Aus Gründen der Streuung und damit Risikoreduktion (vgl. Risikomanagement) sind breit gefasste Rohstoffkörbe zu bevorzugen. Doch Achtung! Sollte die Bank (Emittentenrisiko bei Zertifikaten) oder die Gegenpartei (Kontrahentenrisiko) insolvent gehen, sind Kursverluste oder gar Totalausfälle vorprogrammiert, egal wie sich der entsprechende Rohstoff entwickelt hat. Manch ein Anbieter hat verstanden, dass diese auf Futures bzw. Derivate basierende „Zahlungsversprechen“ so manchen Anleger abschrecken, weshalb neuerdings ETC oder ETF auf den Markt gekommen sind, die mit physischem Gold oder Silber besichert sind.

Dass diese Besicherung ausgerechnet mit Gold und Silber erfolgt, führt zur besonderen Rolle dieser beiden Edelmetalle unter den Rohstoffen. Denn beide haben geschichtlich betrachtet immer auch eine Rolle als Geld bzw. Geldersatz oder gar sichere Häfen eingenommen. So wurde der US-Dollar durch das Münzgesetz des Jahres 1792 als 371,25 Gran (ca. 22,3 Gramm) Silber und 24,75 Gran (ca. 1,5 Gramm) Feingold festgesetzt. Gold und Silber können damit als weitere Versicherung im Gesamtvermögen dienen. Aus Sicht eines Rohstoffanlegers hat Silber Vorteile. Denn ca. 55% der Silbernachfrage stammen aus der Industrie (bei Gold ca. 10%). So wird Silber bspw. in der Medizintechnik (antibakterielle Wirkung) oder der Elektrotechnik (beste Leiteigenschaft sämtlicher Metalle) verwendet. Silber ist seltener als Gold und wird im Gegensatz zu diesem auch verbraucht. So stecken in jedem Kühlschrank ca. 3 Gramm Silber. Wird dieser verschrottet und eingeschmolzen, wird Silber Bestandteil der sonstigen Metalle und gilt damit als „verloren“. Aufgrund der guten Teilbarkeit, Haltbarkeit und nicht zuletzt des teils hohen Preises lassen sich Gold und Silber problemlos physisch erwerben. Natürlich sind auch hier Unmengen an Zertifikaten, ETC oder ETF verfügbar.

Leider werden wir auch künftig nicht genau sagen können, warum sich ein Windrad dreht oder nicht. Doch hoffentlich ist klar geworden, dass nicht nur organisierte Banden Gefallen an Rohstoffen gefunden haben sollten…

 

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