Target2 – Deutsche Ersparnisse auf dem Spiel

Deutschland ist Exportweltmeister, das dürfte jedermann bekannt sein. Nicht zuletzt der Euro, so sagt man, hat den deutschen Exporteuren viele Unwägbarkeiten aus dem Weg geräumt. So gehören Wertschwankungsrisiken der Währungen in der Eurozone ebenso der Vergangenheit an, wie die Möglichkeit der anderen Länder, ihre Währung abzuwerten, um wettbewerbsfähiger zu werden. Nicht zuletzt hat die Lohnzurückhaltung in Deutschland unsere Produktivität verglichen zu Ländern wie Italien, Spanien, Portugal oder Griechenland noch weiter erhöht. Doch was hat dies mit Target2 bzw. mit den deutschen Ersparnissen zu tun? Was zum Teufel ist Target2 überhaupt?

Unsere Exporte sind bspw. die Importe Griechenlands. Verkauft eine deutsche Firma ein Auto nach Griechenland, so muss die griechische Bank des Käufers einer deutschen Bank des Verkäufers Geld überweisen. Bei diesen Zahlungen werden die nationalen Notenbanken (in Deutschland die Bundesbank) sowie die EZB zwischengeschaltet. Dabei geht die griechische Notenbank eine Verbindlichkeit gegenüber der EZB ein, die deutsche Bundesbank erwirbt eine Forderung gegen die EZB. Dieses Zahlungssystem zwischen den Notenbanken wird als Target2-System bezeichnet. Der Ausgleich der jeweiligen Bilanz erfolgte bislang insbesondere dadurch, dass bspw. deutsche Privatbanken der griechischen Privatbank einen Kredit einräumten.

Doch nun versiegt der private Kapitalfluss nach Griechenland. Kaum ein privater Gläubiger ist bereit, Griechenland oder auch Ländern wie Italien und Spanien Geld zu leihen, zumindest aber nicht zu einem derart niedrigen Zins wie ihn die EZB gerade ermöglicht. So beträgt der sog. Leitzins in der Eurozone 1%. Gestützt von der Politik der EZB sind Länder wie Griechenland dazu übergegangen, sich das Geld zur Begleichung ihrer Verbindlichkeiten direkt von der Notenbank zu holen. Diese druckt das Geld einfach. Als Gegenleistung müssen griechische Banken Sicherheiten hinterlegen. Diese bestehen allerdings insbesondere aus griechischen Staatsanleihen und sind damit alles andere als unzweifelhaft. Die von der EZB als akzeptabel erachteten Sicherheiten haben sich von 8 Billionen im Jahr 2005 auf 14 Billionen im Jahr 2010 erhöht. Das aktuelle Niveau dürfte noch höher sein. Unterdessen nehmen die Forderungen der deutschen Bundesbank immer weiter zu. Die Target2 Forderungen (=Forderungen gegenüber dem Notenbanksystem in der Eurozone) der deutschen Bundesbank summieren sich mittlerweile auf rund 500 Milliarden Euro. Diese werden zum einen wiederum selbst mit nur einem Prozent verzinst, zum anderen sind diese Forderungen eben mit „Sicherheiten“ insbesondere aus den PIGS-Ländern hinterlegt.

Diesen Zusammenhang hat Prof. Hans-Werner Sinn in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gebracht. Dies ist deswegen so wichtig, da die Forderungen der Bundesbank letztlich unsere Ersparnisse darstellen. Um die Auszahlung bspw. unserer Lebensversicherungen oder Spareinlagen sicherzustellen, muss die Bundesbank ihre Target2-Forderungen eintreiben oder die Sicherheiten verwerten. Doch fiele das Eintreiben schwer, wenn einzelne Staaten pleite gingen oder der Euro gar zerbrechen würde. Laut Prof. Sinn sitzt Deutschland in der Falle. Denn beteiligt sich Deutschland nicht an der Rettung der Pleitekandidaten, so stehen eben diese 500 Milliarden Euro auf dem Spiel. Eine Summe, die künftig eher weiter anwachsen als sinken dürfte.

Scheitert jedoch die Liebesmüh der bzw. des Euro-Retter(s), dann dürfte die Bundesbank pleite gehen. Denn die Forderungen, die dann als unwiederbringlich gelten dürften, übersteigen um das Dreifache das Eigenkapital der Bundesbank. In der Konsequenz müsste der deutsche Bürger auf einen erheblichen Teil seiner Ersparnisse verzichten oder er akzeptiert, dass die Bundesbank selbst wiederum anfängt, Geld zu drucken. Die dadurch heraufbeschworene Inflation würde ihr Übriges tun. Der Exportweltmeister würde zum Zahlweltmeister verkommen. Bliebe zu hoffen, dass dann wenigstens der Friede in Europa bestehen bliebe.

 

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Ein Kommentar zu Target2 – Deutsche Ersparnisse auf dem Spiel

  1. Leser101 sagt:

    Zu dem Thema Target-Forderungen in Europa bin ich bereits vor einiger Zeit aufmerksam geworden. Diese Forderungen schwächen Deutschlands Position in der Krise ungemein, da die Pleiteländern den Umstand bestimmt gut zu schätzen und zu nutzen wissen. Hierzu müssen unbedingt andere Werkzeuge zur Sicherung eingesetzt werden, als lediglich „Farbe und Papier“!

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