Honorarberatung weiterhin auf Abstellgleis

Der Mensch neigt bekanntlich dazu, gewisse Dinge zu vergessen. Und das ist auch gut so, denn sonst würde der Kopf eines Tages explodieren. Weniger gut allerdings, dass dazu auch die Beratung gegen Honorar gehört.

Eigentlich scheint es nicht lange her zu sein, als mit Ausbruch der Finanzkrise 2008 das Geschrei um die fehlerhafte, nicht an den Bedürfnissen des Kunden orientierte, verkaufs- und provisionsgesteuerte „Beratung“ bei Banken und anderen Vermittlern groß war. Der Verkauf von Lehmen Zertifikaten kurz vor der Insolvenz Lehmans oder der Verkauf 20 Jahre laufender Beteiligungen an die 90-jährige Rentnerin von nebenan lassen grüßen. Wie sonst außer mit kollektivem Vergessen ließe sich demnach erklären, dass nur jeder fünfte Anleger bereit ist, für eine neutrale Anlageberatung ein Honorar zu entrichten. Das zumindest geht aus einer repräsentativen Umfrage von TNS Infratest unter Privatanlegern hervor. Von denjenigen Anlegern, die die Honorarberatung befürworten, wären rund 30% bereit, pro Beratungsstunde 150 Euro zu bezahlen.

Das „Misstrauen“ gegenüber der ganzheitlichen Beratung gegen Honorar ergibt sich scheinbar aus der Zufriedenheit der Befragten mit der auf Verkaufsprovisionen basierenden Beratung. Rund 85% fühlen sich objektiv beraten und haben Vertrauen in ihren Bankberater, welcher sich ausreichend Zeit nehme und die Produkte verständlich erkläre. Angesichts der Bankenschelte der letzten Jahre mag man diese Zahlen kaum glauben. Böse Zungen könnten eine Erklärung darin sehen, dass die Studie von der DZ Bank in Auftrag gegeben wurde. Demnach passen die Ergebnisse ins Bild, gehört doch die DZ Bank selbst zu denjenigen Banken, die bspw. stark im Zertifikategeschäft tätig sind. Oder ist es doch so, dass die wütenden Proteste gegen Banker, ihre Wirkung nicht verfehlt haben und die Banken zu einer ganzheitlichen, unabhängigen Beratung im Sinne der Kunden übergegangen sind?

Vielleicht aber ist es dann doch deutlich simpler, denn im Gegensatz zu Ärger in Sachen Finanzen ist Vergessen deutlich angenehmer.

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