Euro – Quo vadis? – Szenario II: Langsame Krisenbewältigung

In diesem Szenario erfolgt die Stabilisierung der Eurozone dadurch, dass sich starke Staaten bereit erklären, die schwachen befristet zu unterstützen. Es käme zu einer Transferunion, eine Art europäischer Länderfinanzausgleich. Ob diese Transfers durch direkte Hilfen oder via Eurobonds (gleicher Zins für Staatsschulden) erfolgen, ist letztlich nicht entscheidend.

Natürlich würden Länder wie Deutschland harte Auflagen wie Sparmaßnahmen in den begünstigten Ländern verlangen bzw. durchsetzen wollen. Es würde bzw. müsste zu einer zunehmenden Angleichung der Wirtschafts- und Fiskalpolitik führen. Die jeweilige Autonomie bzw. Souveränität ginge schrittweise verloren. Würden sich alle an die Abmachungen halten, so könnte die Staatsschuld langsam, aber sehr schmerzhaft für alle abtragen lassen. Die PIIGS Länder würden die Staatschuld senken können, Länder wie Deutschland würden sicherlich einen erheblichen Teil hinzubekommen.

Alle müssten den Gürtel enger schnallen, eine hartnäckige Deflation in der Eurozone würde sich wahrscheinlich etablieren. Die Arbeitslosigkeit würde kurz- bis mittelfristig steigen. Das Vertrauen in den Euro könnte allerdings in der Folge schrittweise zurückkehren, damit auch die Ersparnisse und Investitionen in Europa. Die Wirtschaft könnte ausgehend von einer Rezession wieder auf den Wachstumspfad zurückkehren. Die Lage an den Finanzmärkten bliebe anfangs weiterhin sehr volatil, würde sich aber zunehmend entspannen.

Doch halten sich wirklich alle an die Abmachungen (sog. moral hazard Phänomen)? Können wirklich bindende Sanktionsmechanismen etabliert werden? Was passiert, wenn die Rezession deutlich stärker ausfällt als befürchtet und Staaten erst recht nicht in die Lage versetzt werden, ihre Schulden abzutragen?

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Ein Kommentar zu Euro – Quo vadis? – Szenario II: Langsame Krisenbewältigung

  1. Wolf sagt:

    Hier ist eine Linksammlung zu den Themen „Schirm“, Moral Hazard und Euro und Target2: http://www.robertmwuner.de/materialien_euro_literatur_target2.html

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