Euro – Quo vadis? – Szenario III: Vorbereiteter Austritt eines oder mehrerer Staaten

Ob es zu einem Austritt einzelner Staaten kommt oder die Aufteilung bspw. nach Nord- und Südeuro erfolgt, ist vom Wirkungsprinzip her ähnlich zu sehen. Würde ein kleinerer, derzeit schwacher Staat wie Irland aus der Eurozone austreten, so würde die neue Währung mit hoher Wahrscheinlichkeit abwerten bspw. um 50%. Die Staatsschulden, meist auf Euro lautend, würden sich über Nacht verdoppeln. Aufgrund der finanziellen Untragbarkeit der Belastung wäre ein Schuldenschnitt die logische Konsequenz. Gläubiger müssten also auf ihre Forderungen verzichten, so z.B. die Deutsche Bundesbank, die über Target2 Forderungen massive Abschreibungen vornehmen müsste. Da deutsche Banken selbst wiederum Gläubiger der Bundesbank sind, müssten auch diese abschreiben. Diese Abschreibung müssten leider auch deutsche Bürger auf ihre Ersparnisse, die bei Banken liegen, vornehmen. Ein Verzicht der Gläubiger kann auch über einen anderen Wirkungskanal erfolgen. Denn die Abwertung der neuen irischen Währung hätte deutlich steigende Preise für importierte Güter (Öl, Nahrungsmittel etc.) zur Folge. Diese importierte Inflation könnte in der Folge bei entsprechender Notenbankpolitik (Gelddrucken als Ausgleich) oder gar Vertrauensverlust in der irischen Bevölkerung zur Hyperinflation führen. Beschließe Irland, die Schulden nicht in Euro, sondern in der neuen Währung zurückzuzahlen, wäre dies ebenfalls mit einer massiven Abschreibung der deutschen Bundesbank und anderer Gläubiger verbunden. Um das Vertrauen wieder herzustellen, könnte wiederum eine zweite neue Währung etabliert werden. Die Iren hätten zwar einen Großteil ihres Vermögens verloren, könnten sich aber auf einem gesundeten Pfad entwickeln. Mit einer anfangs schwächeren Währung könnte die Wettbewerbsfähigkeit zurückkehren, das Vertrauen wachsen, die Ersparnisse und Investitionen zunehmen, die Währung an Stärke gewinnen. Nach massiven Einschnitten, vielen Tränen und Schweiß würde Irland gestärkt auf die Weltbühne zurückkehren.

Träte ein starkes Land wie die Niederlande aus, so könnten sich zu Irland gegenläufige Effekte einstellen. Die neue Währung würde aufwerten. Im gleichen Zug würden niederländische Exportfirmen an Wettbewerbsfähigkeit verlieren, die Arbeitslosigkeit steigen. Aber: Zum einen könnten die Staatsschulden mit der stärkeren Währung im Rücken  besser zurückgezahlt werden, zum anderen würde die Kaufkraft der Firmen und der Bevölkerung zunehmen. Denn Unternehmen könnten Rohstoffe und andere Vorprodukte günstiger einkaufen und damit die geschwächte Wettbewerbsfähigkeit unter Umständen überkompensieren. Die gestiegene Kaufkraft der Bürger könnte gar den Binnenkonsum ankurbeln. Die höhere Inlandsnachfrage ließe dann endgültig den auf den ersten Blick entstehenden Wettbewerbsnachteil verschwinden.

Würde in diesem Beispiel Italien (Abwertung) oder Deutschland (Aufwertung) austreten, wären die Folgewirkungen in beiden Ländern zwar ähnlich. Aufgrund der schieren Größe allerdings, könnte dies jeweils unabsehbare Folgen auf das weltweite Finanzsystem haben. Im Falle von Deutschland käme es sicherlich zum Bruch der Eurozone. Im Falle von Italien würde die Abschreibung der Forderungen Schockwellen aussenden, welche die Pleite von Lehman Brothers in den Schatten stellen könnten.

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2 Kommentare zu Euro – Quo vadis? – Szenario III: Vorbereiteter Austritt eines oder mehrerer Staaten

  1. Thomas Trautwein sagt:

    der größte Gau steht uns glaube ich bevor, wenn Spanien auf dem Finanzmarkt kein Geld mehr bekommt. Der Rettungsschirm wird dann zum Schirmchen.
    Spanien ein drittel der Billion des EZB abgerufen – wie geht es weiter ???

    • Die Liquidität, die die EZB Ende Dezember 2011 und Ende Februar 2012 bereitgestellt hat, sollte unter anderem sicherlich dazu dienen, einen Teil der spanischen Anleihen zu kaufen. Die EZB hat den Aufkauf damit indirekt bspw. über spanische Banken vollzogen. Solange Investoren ihr Geld nicht zurückverlangen, um dieses bspw. in Aktien anzulegen, solange diese also bereit sind, spanische Anleihen zu kaufen… solange wird der Mechanismus auch weiterhin funktionieren. Es erfolgt „lediglich“ eine Umschuldung von alten auf neue Schulden. So wird eine Versicherungsgesellschaft mehr oder minder gezwungenermaßen neue gegen alte spanische Anleihen tauschen… ein nicht geldwirksamer Vorgang. Sobald aber Investoren von dieser „Absprache“ abwweichen, müssten neue Investoren und damit neues frisches Geld gesucht werden. Vermutlich würden dann die besagten Rettungsschirme in Anspruch genommen werden müssen. Natürlich könnte ein solcher Vorgang dann eine ungeahnte Eigendynamik entwickeln.

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