Weltweite Entschuldung durch finanzielle Repression

Entschuldung will gut gelernt sein, und das nicht erst seitdem im Fernsehen Peter Zwegat dem Nachbarn von nebenan das Einmaleins von Einnahmen zu Ausgaben und Privatinsolvenz näherbringt. Beispiele für „gelungene“ (je nachdem ob man auf der Schuldner- oder Gläubigerseite gestanden hatte) Entschuldungsprozesse finden sich reichlich in Geschichtsbüchern. Zu nennen sind die eher rabiaten Formen wie Schuldenschnitt (sog. hair cut wie zuletzt in Griechenland), Währungsreform oder Hyperinflation. Oder die eher „volksverträglichen“ über Wachstum, Privatisierung oder gar „finanzielle Repression“.

Gerade die finanzielle Repression scheint bei der weltweiten Entschuldung das Gebot der Stunde zu sein. Dieser Begriff wurde wie der der Stagflation in den 1970er begründet. Dabei können zwei wesentliche Phänomene beobachtet werden. Die realen, inflationsbereinigten Zinsen sind negativ bzw. werden von Notenbanken und anderen zinsbeeinflussenden Institutionen bspw. durch Anleihenkäufe und laxe Zinspolitik (künstlich) niedrig gehalten. Damit nimmt der reale Schuldenabbau seinen Lauf. Dass diesem Lauf die Puste nicht ausgeht, dafür sorgen Auflagen und Regulation. So sind bspw. Versicherungsgesellschaften, Banken und Pensionskassen verpflichtet, einen hohen Anteil von Staatsanleihen in ihren Beständen zu halten. Die Nachfrage nach Schuldtiteln des jeweiligen Staates wird also (künstlich) hoch gehalten, und das obwohl bzw. gerade weil der Investor nach Abzug der Inflation einen realen vorprogrammierten Vermögensverlust erleidet.

Bei der Entschuldung via finanzieller Repression muss die Inflation nicht einmal hoch sein. Es reicht, wenn die Inflation die Nominalzinsen übersteigt. Schlimmer sind die damit verbundenen Fehlanreize. Das Kapital such sich seinen Weg und manifestiert sich in steigenden Rohstoffnotierungen, unrentablen Investitionsprojekten, Immobilienblasen und letztlich in der Aushebelung des Preismechanismus, der eigentlich Knappheit oder Überangebot anzeigen soll. Auch Inflationserwartungen sämtlicher Marktteilnehmer könnten sich sukzessive in die Höhe schrauben und eine Inflationsspirale auslösen.

Im Umfeld dieser subtilen Art der Entschuldung haben es Anleger bzw. Gläubiger schwer. Sie könnten sich eingestehen, dass die Renditen künftig (künstlich) niedriger ausfallen. Sie könnten das Risiko erhöhen, indem sie riskantere Anlageformen übergewichten und damit ihrem eigentlichen Risikoprofil zuwiderhandeln. Sie könnten aber auch nach Anlagemöglichkeiten Ausschau halten, die sich gegenläufig zum oben beschriebenen Mechanismus entwickeln, was sich allerdings als extrem schwierig darstellt. Auch hier liegt die Antwort letztlich in der Diversifikation. Auch wenn Staatsanleihen im beschriebenen Szenario realen Vermögensverlust „garantieren“, so zählen sie doch durch die beschriebenen Repressionsmechanismen (künstlich) zu den sicheren Anlageformen. Was würde Peter Zwegat wohl dazu sagen? Würde er gar den Staaten auf die Schulter klopfen ob dieses perfiden, aber wohl durchdachten weltweiten Entschuldungsplans?

 

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Ein Kommentar zu Weltweite Entschuldung durch finanzielle Repression

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