Schweizer Franken – Pro & Contra

In der Schweiz scheint die Welt noch in Ordnung zu sein. Die Bergluft ist nach wie vor frisch, Arbeit ist vorhanden und wird vergleichsweise gut bezahlt, die Inflation sowie Staatsverschuldung eher niedrig und die Unabhängigkeit (Staat und Notenbank) und damit Freiheit und Selbstbestimmung (Bürger) hoch. Lebensqualität pur? Sollte man sich nun einen Teil dieser Lebensqualität sichern, indem man Schweizer Franken gegen Euro tauscht?

Pro:                                                                                                                                                                    1) Die Unabhängigkeit der Schweiz und der Notenbank schaffen Vertrauen. Der Schweizer Franken dient als einer der wenigen verbliebenen sicheren Häfen (safe haven). Dies ist eine Art Markenzeichen und sorgt damit für eine rege Nachfrage und damit Kursstützung bzw. Aufwertung gegenüber Euro und co.

2) Die Schweiz weist eine Verschuldung in Relation zum Bruttoinlandsprodukt von rund 40% auf. Damit steht die Schweiz deutlich solider da bzw. hat mehr Spielräume als bspw. Japan (über 200%), Italien (ca. 120%), die USA (ca. 100%) oder Deutschland (ca. 85%). Eine geringe Staatsverschuldung sorgt ebenfalls für Vertrauen in die jeweilige Währung.

3) Bedingt durch Währungskrisen rund um den Globus wirkt der Schweizer Franken wie ein Staubsauger und zieht somit Nachfrage und damit Aufwertung nach sich. Griechen, Italiener oder Spanier, die es sich leisten können, bringen Gelder in Sicherheit und sorgen für Aufwertungsdruck. Da die Schweiz eher klein ist, können hier schon geringe Nachfragemengen ihre Wirkung entfalten.

4) Die Sogwirkung wird dadurch verstärkt, dass die Schweizerische Notenbank (SNB) einen Wechselkurs zum Euro von 1,20 Schweizer Franken pro Euro festgelegt hat und diese Schwelle „verteidigt“. Diese Maßnahme wurde aus Sicht der SNB notwendig, da der Schweizer Franken kurzfristig die Parität zum Euro erreichte und damit die schweizerische  Konjunktur bzw. Exportindustrie abzuwürgen drohte. Glaubt man daran, dass der Euro künftig für nur einen Schweizer Franken zu haben sein wird, so könnte man vermeintlich risikolos zu 1,20 Schweizer Franken Euro kaufen. An dieser Stelle sei erwähnt/gewarnt, dass vor nicht allzu langer Zeit noch rund 1,70 Franken für einen Euro zu bezahlen waren.

5) Nach den USA, Deutschland, dem Internationalen Währungsfonds (IWF), Italien, Frankreich und China hat die Schweiz die größten Goldreserven. Pro Einwohner hätte damit die Schweiz in Punkto Goldbestände die Nase vorn. Gerade im Fall der USA und Deutschland sind zunehmend kritische Stimmen zu hören, wonach die Reserven nicht mehr oder in geringer Menge als offiziell verkündet vorhanden sind. Die Golddeckung einer Währung kann durchaus als Anker für Sicherheit gesehen werden. Allerdings ist in keinem der Länder auch nur annähernd von einer echten Golddeckung der Währung zu sprechen.

6) Aus Gründen der Risikostreuung empfiehlt es sich, Fremdwährungen beizumischen. So werden die Geldwerte (meist Zahlungsversprechen) im Gesamtvermögen gestreut. Strategisch kann also der Schweizer Franken als Bestandteil eines Währungskorbs geeignet sein (unabhängig von den zuvor genannten Pro-Argumenten).

Contra:                                                                                                                                                      1) Trotz der Intervention der SNB könnten selbst 1,20 Schweizer Franken pro Euro mittel- bis langfristig schädlich für die Schweizer Wirtschaft sein. Denn aufgrund der starken Währung geht die Konkurrenzfähigkeit auf dem weltweiten Exportmarkt verloren.  In der Folge könnte Arbeitslosigkeit steigen, das Lohnniveau und damit die Steuereinnahmen sinken. Dadurch könnte die Schuldenaufnahme in der Schweiz an Fahrt gewinnen. Dagegen spricht allerdings, dass eine stärkere Währung Importpreise reduziert. Damit können Unternehmen bspw. Rohstoffe günstiger einkaufen und den Negativeffekt aus dem Exportnachteil evtl. sogar überkompensieren. Zudem könnte die Inlandsnachfrage bzw. Binnenkonjunktur anziehen, denn die Kaufkraft der Bürger steigt. Dies sorgt für Wirtschaftswachstum und steigende Steuereinnahmen.

2) Das bedingungslose Verteidigen der Marke von 1,20 durch die SNB kann aber auch das Vertrauen beschädigen. Denn der Aufkauf von Euro, USD und co. sorgt für eine Ausweitung der Geldmenge. Man könnte überspitzt von Gelddrucken reden. Damit könnten Inflationsgefahren (eher mittel- bis langfristig) hochziehen. Jüngst hat die SNB für das erste Quartal 2012 einen Verlust gemeldet. Allein der Währungsverlust aus Abwertung der Währungsbestände aus Euro, USD und Yen betrug 6,4 Milliarden Franken (eine gigantische Summe bedenkt man, dass es sich hierbei um nur ein Quartal handelt). Dies könnte das Vertrauen in den Schweizer Franken erheblich beschädigen. Sitzt sie doch nun selbst auf Bergen von Währungen, die eigentlich keiner haben will.

3) Auch in der Schweiz scheint sich eine gewaltige Immobilienblase gebildeu haben. 10.000 Schweizer Franken pro Quadratmeter (bspw. bei Eigentumswohnungen!) sind keine Seltenheit. Zur Erinnerung: Die derzeitige Wirtschafts- und Finanzkrise nahm ihren Ursprung in den USA u.a. durch das Platzen einer Immobilienblase. Auch Spanien und Irland haben das Ende des Immobilienbooms schmerzlich erfahren müssen.

4) Die schweizerische Wirtschaft leidet aber nicht nur an der Stärke des Frankens. Das Steuerparadies Schweiz gibt es praktisch nicht mehr. Von allen Seiten werden die Schweizer dazu gedrängt, das Bankgeheimnis zu lockern. Dies führt unter anderem dazu, dass Kunden von selbst Geld abziehen oder bspw. im Falle von US-Bürgern „des Hauses verwiesen“ werden. Die drakonischen Strafen in den USA haben ein Umdenken gerade in der Zusammenarbeit mit US-Kunden bewirkt. Diese Abflüsse sind ein Schlag für die Finanzindustrie. Noch wird dies durch anderweitige „Angst-Zuflüsse“ kompensiert.

Auch beim Schweizer Franken gilt: Streuen und Diversifikation sind Trumpf in jeder Anlagestrategie! Streuen im Sinne verschiedener Anlagevehikel (Aktien, Rohstoffe, Edelmetalle, Immobilien, Staats-/Unternehmensanleihen, Fremdwährungen) und Diversifikation im jeweiligen Anlagesegment (hier Fremdwährungen). Der Schweizer Franken sollte also eher im Sinne eines Bestandteils denn alleinigen Rettung gesehen werden. Dass dieser besser dasteht als der Euro steht außer Frage. Auch wenn man also einen Teil der schweizerischen Lebensqualität durchaus für sich entdecken könnte, Berge, gute Luft und Lebensqualität gibt es sicherlich auch in Deutschland!

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