Depots in der Praxis – Die häufigsten Anlegerfehler

Mehr denn je gilt, was der Reedereimagnat und seiner Zeit einer der reichsten Menschen Aristoteles Onassis einmal gesagt hat: „Es ist leichter ein Vermögen zu erwerben, als es zu behalten…“. Denn gerade in meiner Beratungspraxis treffe ich viele Menschen, die ob der enormen wirtschaftlichen und finanziellen Verwerfungen diesseits und jenseits des Atlantiks stark verunsichert sind. Ganz ehrlich: Mir ergeht es häufig nicht anders!

Jenseits von Panik gilt es gerade jetzt, sich grundlegende Regeln in Erinnerung zu rufen und so grobe Fehler zu vermeiden. Alles andere müssen wir leider mehr oder weniger auf uns zukommen lassen. Insofern lohnt ein Blick auf das, was wir beeinflussen können, so z.B. das Depot. Die häufigsten Anlegerfehler seien im Folgenden vorgestellt:

Keine ganzheitliche Anlagestrategie

Wissen Sie, wie hoch der Aktienanteil in Ihrem Depot ist? Oder gar im Gesamtvermögen? Wissen Sie, warum Sie überhaupt in Aktien, Fremdwährung oder die Bundesanleihe investieren? Der Rendite, der Sicherheit wegen oder weil Ihnen das jeweilige Anlagesegment im Gesamtvermögen schlicht einfach fehlt? Fakt ist, dass die Anlagestrategie, also die Aufteilung des Vermögens auf verschiedene Anlagesegmente (Aktien, Rohstoffe, Edelmetalle, Immobilien, Anleihen, Fremdwährungen etc.) für rund 70% Ihres Rendite-/Risikoverhältnisses verantwortlich ist. Entgegen der ersten Vermutung spielen die Taktik, wann Sie also ein- oder aussteigen, bzw. die Wahl des jeweiligen Titels, ob Sie also Aktie A oder B kaufen, mit 20 bzw. 10% eine eher untergeordnete Rolle beim Anlageerfolg!

Fehlerhafte Einschätzung der persönlichen Risikobereitschaft

Sehr häufig lässt sich konstatieren, dass die mir gegenüber in Worten geäußerte Risikobereitschaft teils deutlich geringer ist, als es die tatsächliche Verteilung im Depot vermuten ließe.  Diese Fehleinschätzung führt im Falle von Kurseinbrüchen unweigerlich zu psychischem Stress oder gar schlaflosen Nächten. Es ist also nicht die Schwankung per se, die Kopfzerbrechen bereitet, sondern deren Amplitude. Natürlich muss beim Thema Risiko (= ursprünglich im Sinne von Schwankung) heute anders gedacht werden, also noch vor einigen Jahren als Banken noch als sicher galten. So paradox es auch klingen mag, Unsicherheit kann morgen eher Sicherheit bedeuten…

Mangelndes Know How

Für viele Anleger scheint es nur Schwarz (Tagesgeld, Immobilie) oder Rot (Aktie) zu geben. Dass es dazwischen sehr viele Facetten gibt, ist Vielen nicht bewusst. So spielen Anleihen, wenn überhaupt, eine untergeordnete Rolle. „Damit kenne ich mich nicht aus“, lautet hier meist das „Argument“. Im engen Zusammenhang steht hier auch der Einsatz von Misch- und Dachfonds. Zwar mögen diese in der Tendenz bei eher kleineren Vermögen aufgrund mangelnder Diversifikationsmöglichkeiten ihre Berechtigung haben, bei größeren Vermögen allerdings könnten diese eher von Nachteil sein. „Ich möchte mich nicht kümmern“, ist oftmals zu hören. Problem dabei: Die meisten Mischfonds können die Gewichtung von Anleihen und Aktien flexibel steuern. Treffen Sie nun in Ihrem Depot den Entschluss, die Aktienquote herunterzufahren, der Fondsmanager entscheidet sich jedoch für das Gegenteil, so werden die jeweiligen Anlagestrategien gegenseitig konterkarriert. Abgesehen davon kann der Anleger kaum oder nur sehr mühseelig eine Aussage darüber treffen, wie hoch die tatsächliche Gewichtung verschiedener Anlagesegmente (so auch die Aktienquote) im Depot bzw. im Gesamtvermögen ausfällt.

Klumpenrisiken und Kleinstpositionen

Diversifikation ist unverzichtbar! Dies heißt jedoch nicht, möglichst viele Titel oder möglichst viel in einen Titel. Dreißig oder auch doppelt so viele Titel im Depot sind keine Seltenheit. Abgesehen vom mangelnden Überblick und damit erschwerter Überwachung stell ich allzu oft fest, dass rund fünf Titel ca. 50% und mehr des Gesamtdepots ausmachen. Letztlich spielt es dann kaum eine Rolle, wie sich die anderen Positionen entwickeln, das Depot wird von diesen fünf dominiert. Doch was passiert, wenn sich einer oder gar zwei der fünf Titel in die „falsche“ Richtung bewegen oder gar einen Totalausfall bedeuten?

Deutsche Anlagen meist übergewichtet – Home bias

Die Vermutung, deutsche Unternehmen besser zu kennen als ausländische, ist auf den ersten Blick durchaus plausibel. Zumal wir in deutschen Medien auch mehr darüber hören oder lesen. Doch Hand auf`s Herz, wie gut kennen Sie das jeweilige Unternehmen wirklich, wenn selbst Vorstände behaupten, wie im Falle der Landesbanken geschehen, nicht über die eigenen Bilanzen Bescheid gewusst zu haben. Mehr noch: Anlagen bevorzugt in der Heimat bergen ebenfalls Klumpenrisiken, hier allerdings auf Länderebene. Wie müssen sich griechische Aktionäre, investiert in griechische Unternehmen, nun fühlen angesichts eines Verlustes von rund 25%, und das allein im Jahr 2012? So wie Risiken durch diesen sog. Home bias zunehmen können, so werden im gleichen Zug auch Chancen bspw. in den (noch) Schwellenländern Asiens und Lateinamerikas liegen gelassen.

Zu viele bankeigene, strukturierte Produkte

Zugegeben, es gibt auch gute Produkte, die Ihnen der Bankberater verkauft! Schaut man sich jedoch das Geschäftsmodell der Banken an, so verdient diese umso mehr, je mehr bankeigene Produkte an den Mann bzw. die Frau gebracht werden können. Dieser Interessenkonflikt hat zur Folge, dass nicht selten über die Hälfte des Depots aus bankeigenen Anleihen, Zertifikaten oder Investmentfonds der hauseigenen Kapitalanlagegesellschaft besteht. Damit türmen sich auch hier hohe Klumpenrisiken auf, denn was passiert wenn die Bank pleite geht? Dann wären nicht nur die Einlagen sondern eben auch die Bankanleihen sowie Zertifikate dieser Bank gefährdet. Auch bei den sog. ETFs (Exchange Traded Funds), also schlicht den Index abbildenden Fonds, gibt es Fallstricke. Denn zu gerne werden ETF vertrieben, die nicht bspw. die echte Aktie kaufen (sog. physische Replizierung), sondern eher Versprechen auf die entsprechende Performance des Index abgeben (sog. Swap-basierte Indexabbildung). Es mangelt schlicht und ergreifend an unabhängiger Anlageberatung und Anlagestrategie.

Fehlende Bewirtschaftung und Überwachung

Manche Experten meinen, dass die allseits bekannte „buy and hold“-Strategie (Kaufen und liegen lassen) gerade vor dem Hintergrund der zugenommenen Schwankungen (Volatilität)  vorbei ist. Auch hier lässt sich vortrefflich streiten, denn eine Börsenweisheit besagt: „Hin und her macht Taschen leer“. Hier einen vernünftigen Mix zu bekommen, fällt den meisten Anlegern schwer. Die hohen Schwankungen verstärken zudem prozyklisches Verhalten. Steigen die Kurse, fühlen wir uns also zunehmend sicherer, spricht scheinbar nichts gegen Käufe. Fallen diese hingegen, spricht plötzlich alles dagegen. Dieses Verhalten deutet unter Umständen auch daraufhin, dass vorab eben keine angemessene Anlagestrategie hergeleitet worden ist. Auch hier sind Enttäuschungen vorprogrammiert. Zudem scheinen viele Anleger in ihren Meinungen und Ansichten festgefahren. Es wird kaum mehr hinterfragt, ob man das bestehende Wertpapier heute noch kaufen würde. Gar Stop Loss Marken einziehen, Fehlanzeige. Was… es gab einen Fondsmanagerwechsel? Hat der Fonds vielleicht deshalb an Qualität eingebüßt? Wie… ein Zertifikat kann auch im Kurs nachgeben, wenn es dem Emittenten schlechter geht? Zur Bewirtschaftung gehört auch, möglichst kostengünstige Umsetzungsmöglichkeiten zu suchen oder kaufen Sie Investmentfonds immer noch mit Ausgabeaufschlag ein? Gleichsam kann kaum ein Anleger mir sagen, wie hoch seine tatsächliche Rendite in den letzten Jahren oder seit Start der Depotbewirtschaftung ausgefallen ist, ganz zu schweigen von der Performance nach sämtlichen Kosten (Nettorendite).

Wenn Sie sich nun an der einen oder anderen Stelle wiedererkannt haben oder die beschriebenen Fehler gar gehäuft auftreten, so Kopf hoch. Denn wo viele Fehler, da auch viele Chancen, es besser zu machen! Grobe Fehler zu vermeiden, bleibt auch künftig eine große Herausforderung. Das Vermögen zu behalten, dürfte uns aber danach etwas leichter fallen!

Dieser Beitrag wurde unter Anlagestrategie & Anlageideen, Daily Blog, Ruhestand und Vorsorge, unabhängige Honorarberatung und Vermögensverwaltung abgelegt und mit , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.