Schwarze Schwäne – Die Fragilität des Seins

Haben Sie schon einmal einen schwarzen Schwan gesehen? Auf meiner Fahrradtour letzten Donnerstag hatte ich zumindest mal das Vergnügen, wenngleich die Unterseite der Flügel zugegebenermaßen weiß war. Und selbst wenn Sie bis dato diesbezüglich kein Glück hatten, einen solchen Schwan erlebt haben Sie sicherlich! Zu nennen ist bspw. der Bankrott der als systemrelevant eingestuften Bank Lehman Brothers aus dem Jahr 2008.

Das Pech dabei: Das Ausmaß solcher Ereignisse, sog. Schwarze Schwäne, kann innerhalb kurzer Zeit mehr zerstören, als das was wir uns zuvor durch mühsame Arbeit lang aufgebaut haben. Diese Erkenntnis geht auf das Buch von Nassim Nicholas Taleb „Der Schwarze Schwan“ zurück. Im Herbst soll sein neues Buch „Anti-Fragility – Things That Gain from Disorder“ („Anti-Fragilität – Dinge die vom Chaos profitieren“) erscheinen (Kostproben lassen sich unter www.fooledbyrandomness.com nachlesen). Die dort aufgestellten Thesen lassen aufhorchen.

Der Mensch hat immer schon versucht, Dinge vorhersehbar zu machen und damit einen Blick in die Zukunft zu riskieren. Beispiele lassen sich in modernen Börsenhandelssystemen finden, die die Messbarkeit von Risiko suggerieren. Doch diese Systeme sind sehr fragil, da sie sensibel auf schockartige, chaotische Ereignisse reagieren. Demnach wird keines dieser Systeme einen Crash an den Finanzmärkten vorhersagen können. Während sich also Risiko nicht adäquat messen lässt, sieht es bei der Fragilität des Marktes anders aus. Denn jeder Einzelne kann sich überlegen, welche Folgen ein Schwarzer Schwan bspw. auf sein Vermögen haben könnte. Sind mögliche Fragilitäten identifiziert, ließen sich diese schlicht entfernen, statt auf die Richtigkeit von Zukunftsprognosen zu setzen. Entscheidend ist die Erkenntnis, dass alles was fragil ist, irgendwann auch zerbricht. Es ist nur eine Frage der Zeit.

Da wir meist mehrere Fragilitäten, sei es im Leben oder im Gesamtvermögen, aufweisen, sollte natürlich Diversifikation eine wichtige Rolle spielen. Nassim Nicholas Taleb geht noch einen Schritt weiter. Es gilt sogar, auf die Fragilität zu setzen. So geht Fragilität mit extremen Schwankungen (Volatilitäten) einher. Mit relativ wenig Kapitaleinsatz (Hebelwirkung), auf ein unerwartetes Ereignis gesetzt bzw. auf die dann zunehmende Schwankung, lassen sich große (Absicherungs-)Gewinne erzielen. Und tritt die Fragilität eben nicht ein, ist der Einsatz zwar womöglich weg, die Schmerzen würden sich aber in Grenzen halten. So lässt sich das Chancen-/Risikoprofil verbessern.

Schwarze Schwäne kommen also nicht nur in der Natur vor, sondern liegen vielmehr in der Natur der Sache. Jeder sollte sich Zeit nehmen und eigene Fragilitäten ausloten. Was passiert, wenn der Euro zerbricht? Und was, wenn es zum Krieg in Syrien und Iran kommt und sich der Ölpreis vervielfacht? Ich hoffe, dass Sie dann zumindest mit einem Teil Ihres Seins oder Vermögens nicht schwarzsehen.

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Ein Kommentar zu Schwarze Schwäne – Die Fragilität des Seins

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