Schutz vor Inflation und Euro-Crash – Gastbeitrag von Dr. Max Schott

Der Goldpreis bleibt nahe seinem Rekordhoch. Aktuell müssen für eine Feinunze Gold bis zu 1600 US-Dollar beziehungsweise 1300 Euro bezahlt werden. Ebenso sind die Preise für Wohnimmobilien in begehrten Lagen in München, Stuttgart oder Hamburg extrem gestiegen. Fragt man nach dem Grund für den Erwerb, wird immer wieder die Inflationsangst genannt.

Zunächst einmal: Ja, jeder Kapitalanleger sollte sich mit dem Phänomen Inflation beschäftigen. Schon kleine Inflationsraten können große Auswirkungen haben. Machen wir die Rechnung anhand aktueller Zahlen: 10-jährige Deutsche Staatsanleihen rentieren mit 1,3 Prozent, die Inflationsrate liegt bei 1,9 Prozent. Ein Käufer dieser Anleihe bekommt dann für die nächsten zehn Jahre nach Steuern einen Nettoertrag von etwa 1,0 Prozent p.a. Abzüglich der Inflationsrate erleidet er aber einen realen Kaufkraftverlust. Bedingt durch den Zinseszinseffekt erleidet der Anleger nach längeren Zeiträumen einen Wertverlust von 30 Prozent und mehr.

Viele Ökonomen sehen in der Ausweitung der Geldmenge und einer steigenden Inflation einen Automatismus. Viele Länder haben in den vergangenen Jahren die Geldmenge dramatisch ausgeweitet. Träfen die Aussagen der Ökonomen zu, wäre eine hohe Inflation programmiert. Diese These fußt in der volkswirtschaftlichen Theorie auf der Transaktions- und Quantitätsgleichung. Auf den Punkt gebracht: Ja, eine Geldmengenausweitung kann zu steigender Inflation führen. Aber es gibt eine Einschränkung: Dies gilt nur, wenn die steigende Geldmenge zu mehr Wirtschaftswachstum und höherem Warenumschlag führt. Geht die frische Geldmenge in die Ersparnis oder in die Schuldentilgung, dann entsteht keine höhere Inflation.

Dieser Erfahrung hatte Japan gemacht. Der Konsumentenpreisindex liegt seit Mitte der 1990iger Jahre auf konstantem Niveau. Und das, obwohl Japan in den letzten 20 Jahren die Geldmenge regelmäßig um mehr als 10 Prozent, zeitweise sogar um 20 Prozent pro Jahr, erhöht hat. Ein weiteres Indiz, das gegen Inflation spricht, sind die sinkenden Renditen am Markt für Staatsanleihen. Heute sind im Vergleich zum Anfang des Jahres 2007 die Renditen 10-jähriger Staatsanleihen führender Industrieländer um mehr als 30 Prozent gefallen. Da sich die Anleger mit einer extrem geringen Rendite zufrieden geben, scheinen sie sich keine Sorgen um eine höhere Geldendwertung zu machen.

Nun könnte man sagen, dass sei eine Momentaufnahme. In der Tat ändern Investoren oft schnell ihre Meinung. Ich sehe aber eine dauerhafte Inflationsbremse durch Staatsverschuldung und Demographie. Die Schuldenstände in den USA, Japan sowie den meisten Ländern Europas von um 80 Prozent führen mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Zahlungsschwierigkeiten, das ist wissenschaftlich unbestritten. Investoren glauben heute schon nicht, dass Griechenland, Irland, Portugal und wohl bald auch Spanien sowie Italien ihren Zahlungsverpflichtungen nachkommen können. Die Staats- und Regierungschefs der EU haben sich zusammen mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) auf praktisch nur ein Gegenmittel zur Reduktion der Staatschulden verständigt: Sparen, sparen, sparen.

Wichtig für das Verständnis ist im Zusammenhang von Staatsverschuldung mit Inflation das Sparparadoxon: Wenn eine Person – oder ein Unternehmen, oder eine Kommune – spart, dann steigert sie nicht nur ihr persönliches Vermögen, sondern schafft auch investierbare Mittel für eine Volkswirtschaft. Der Haken: Wenn alle sparen, bricht der Konsum ein, die Wirtschaft wächst nicht mehr. Genau da stehen wir jetzt, steigende Inflation ist da unwahrscheinlich.

Was heißt das nun für Anleger? Die größte Herausforderung stellt sich für konservativ ausgerichtete Anlagen. Klassische, risikoarme Anlagen wie Renten- oder Immobilienfonds besitzen zum Teil erhebliche Kursverlustrisiken. Geldmarktanlagen sind zwar mit Sicherungseinrichtungen geschützt, aber Papier ist bekanntlich geduldig. Wie soll im Falle einer Insolvenz einer großen Privatbank, Sparkasse oder Volksbank das Geld zusammenkommen?

Wir plädieren sehr dafür, sich nicht auf eine einzelne Anlageklasse – wie Gold oder Immobilien – zu konzentrieren, sondern mehr denn je die Verlustvermeidung im Blick zu haben. Dafür empfiehlt es sich, die Anlageklassen je nach Gefahr eines möglichen Rückschlages unterschiedlich stark zu gewichten. Eine Risikokontrolle des Depots durch eine aktive Steuerung von Stop-Loss-Grenzen ist unerlässlich. Vor dem Hintergrund der Probleme Europas sollte der Anleger sein Vermögen außerdem verstärkt international streuen, vor allem durch Anlagen in Schwellenländern. Im Rentensegment sollten auch Unternehmensanleihen beachtet werden, nicht nur Staatsanleihen. Wir empfehlen undogmatische Kauf- und Verkaufsentscheidungen, die an die aktuellen Entwicklungen der Kapitalmärkte immer wieder angepasst werden müssen.

Dr. Max Schott, Geschäftsführer Vermögensverwaltung Sand und Schott, Stuttgart

Dr. Max Schott studierte nach der Bankkaufmann-Ausbildung in Mannheim Diplomkaufmann und promovierte zum Dr. oec. in der Kapitalmarkttheorie an der Universität Hohenheim. 1994 gründete er gemeinsam mit Arne Sand die unabhängige Vermögensverwaltung Sand und Schott GmbH in Stuttgart. 2007 wurde das institutionelle Investmentmanagement auf die neu gegründete smart-invest GmbH übertragen. Mit einem Team von 20 Mitarbeitern betreuen die Unternehmen rund 500 Millionen Euro. Wichtigstes Merkmal der Vermögensverwaltung ist eine strikte Risikokontrolle der verwalteten Vermögen.

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Schutz vor Inflation und Euro-Crash

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4 Kommentare zu Schutz vor Inflation und Euro-Crash – Gastbeitrag von Dr. Max Schott

  1. Thomas Trautwein sagt:

    große Frage, was kommt nun. Wenn es keine Inflation wird was dann ?
    Wie wollen die hoch verschuldeten Staaten Ihre Schulden los werden ?
    Mit Inflation läßt sich doch auf elegante Weise das hohe Sparvermögen der Bürger verkleinern.

  2. Leser Ilmenau sagt:

    Die Einschränkung, dass eine Erhöhung der Geldmenge nur bei Wirtschaftswachstum und höherem Warenumschlag zu Inflation führt, wiederspricht meiner Meinung nach dem empirischen Zusammenhang von Inflation und Wachstum.
    Nach diesem ist nämlich bei einer hohen Inflationsrate das Wirtschaftswachstum gering oder rückläufig und bei einer niedriegen Inflationsrate das Wirtschaftswachstum hoch.
    Nach der o.g. These müsste aber bei geringem Wachstum auch die Inflationsrate niedrig bleiben. Wie ist das zu erklären?

  3. Netfox sagt:

    Folgende Aussage kann ich auch nicht nachvollziehen „Ja, eine Geldmengenausweitung kann zu steigender Inflation führen. Aber es gibt eine Einschränkung: Dies gilt nur, wenn die steigende Geldmenge zu mehr Wirtschaftswachstum und höherem Warenumschlag führt.“ Vielleicht verstehe ich Sie aber auch falsch.

    Die Quantitätsgleichung besagt aus meiner Sicht folgendes:
    Umlaufende Geldmenge (Geldbasis) x Umlaufgeschwindigkeit = Preisniveau x Anzahl der Transaktionen (bzw. Gesamtproduktion der Güter/Dienstleistungen)

    Geht man davon aus, dass die Bevölkerung Ihre Zahlungsgewohnheiten erst mal nicht ändert, dann wäre die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes konstant. Nach der Quantitätsgleichung würde somit eine steigende Geldmenge genau dann zu einer Erhöhung des Preisniveaus führen, wenn die Wirtschaft eben nicht wächst und es keinen höheren Warenumschlag gibt. Das Verhältnis Geldmenge zu Gütermenge würde steigen, sprich es entsteht Inflation. Aufgrund der nicht befriedigbaren Nachfrage nach Gütern steigen die Preise.

    Wenn zusätzliches Geld in Verkehr gebracht wird und dieses dann wieder als Erspartes angelegt wird oder zur Schuldentilgung dient, dann steigt dadurch natürlich nicht zwangsläufig die umlaufende Geldmenge. Zumindest dann nicht, wenn das Ersparte fest angelegt wird. Relevant ist die Geldmenge in Form von Noten und Münzen im Umlauf bzw. Sichteinlagen (kurzfristig verfügbares Geld wie z.B. Tagesgeld) von Nicht-Banken, d.h. Bürger, Firmen, Staat. Wird das Geld jedoch, wie vermutlich aktuell, in großem Maße in Tagesgeld angelegt, dann steigt die Geldmenge und damit das Inflationsrisiko.

    Dass der Konsumentenpreisindex, wie im Fall Japan beschrieben, auch bei „frischen Geld“ konstant bleibt, d.h. die Inflation nicht sichtbar wird, kann neben dem Spareffekt aber auch andere Ursachen haben. Die Inflationsrate wird gemessen indem Preisentwicklung von definierten Warenkörbe/ Gütern beobachtet wird. Allerdings sind z.B. in dem deutschen Warenkorb zur Messung der Inflation keine Immobilien enthalten. Dennoch sind die Preise bei Wohnimmobilien in vielen großen Städten 2-stellig gestiegen, in München oder Hamburg in den wenigen, letzten Jahren bis zu 30%. Hier hat Inflation sehr wohl stattgefunden, auch wenn das in der Inflationsrate nicht sichtbar ist.

    Für einen verschuldeten Staat kann eine höhere Inflationsrate positiv sein. Werden die Zinsen von den Notenbanken unter der Inflationsrate gehalten, dann verliert der Bürger an Kaufkraft und wird damit schleichend enteignet. Der Staat reduziert damit aber gleichzeitig seine Schulden. Dies war nach 1945 in den USA und in England der Fall. Wenn das nicht ausreicht zur Entlastung eines verschuldeten Staates ist ein Währungsschnitt/ Währungsreform eine noch härtere Alternative. Deutschland hat dies 1948 mit Einführung der D-Mark getan.

    Für mich ist die Frage in der aktuelle Krise fast nicht mehr, wie kann ich meine Vermögen vor Verlusten schützen, sondern eher, wie kann ich die Verluste so weit wie möglich reduzieren.
    Verluste sind aus meiner Sicht wahrscheinlich, auch wer Sachwerte kauft. Die Preise für Immobilien sind bereits stark gestiegen, der Goldpreis ist hoch. Wer weiß wie schnell hier die Preise wieder fallen und Verluste entstehen? Wie hoch ist das Risiko, dass viele Ihre Häuser evtl. nicht mehr finanzieren können und das Angebot steigt. Sinken dann auch wieder sie Immobilienpreise?. Der Schweizer Franken ist ggü. dem Euro ca. 25-30% gestiegen, die USA ist verschuldet, ist der Dollar eine gute Alternative ? Wie politisch stabil sind die Schwellenländer für Investitionen ? China hatte auch sehr hohe Inflationsraten in der Vergangenheit. Das beste Bauchgefühl habe ich aktuell bzgl. Sachwerten bei großen/stabilen internationalen Aktienunternehmen.

  4. Bassi sagt:

    In Krisenzeiten gibt es viele „Experten“ die etwas zu sagen haben. Fragen werden gestellt. Wo geht es hin? Wie geht es weiter? Szenarien werden entworfen. Vielleicht sogar Lösungen aufgezeigt.
    Doch die eigentliche Frage beantwortet keiner: ab wann ist eigentlich Krise? Haben wir eine Krise weil es die Medien verbreiten? Oder weil auf einmal viele Experten über Krise reden und Ratschlagebücher wie Pilze aus dem Boden schiessen?
    Fragen wir doch einmal die Damen und Herren, wie sie Krise überhaupt definieren?
    Krise für was und für wen? Den Arbeiter? Den Bauern? Den Banker? Die Banken? Den Sparer? Die Unternehmer? Den Staat? Das Ausland?
    Oder definieren wir Krise über Schulden, Arbeitslosigkeit, Inflation? Oder ist Krise vielleicht eher keine Bildung zu haben, kein Trinkwasser oder nicht genug Nahrungsmittel?
    Und überhaupt: Häufig hört man: das eine oder das andere ist zu hoch oder zu niedrig. Doch was heisst zu hoch oder zu niedrig? Ist eine Inflationsrate von 2,9 % super, aber von 3% zu hoch? Aus welcher Erfahrung heraus will man das bestimmen? Weil es in den 70iger Jahren so war? Oder 1929?
    Und dann stellt sich als nächstes die Frage: wann ist denn die Krise wieder vorbei? Wer gibt den Ausschlag? Ist es ein Gefühl? Sind es Politiker oder Banker die nicht mehr darüber reden? Sind es die Medien die sich neuen Themen widmen und die Berichterstattung einstellen?

    Also: Liebe Publizisten für Ratschläge wie man der Krise begegnen kann und was man tun sollte. Stellt bitte zuerst eine Krisendefinition auf, dann schaut euch an ob wir die Kriterien erfüllen und dann versucht Vorschläge zu unterbreiten wie wir einzelne Kriterien verändern können um die Krise zu verlassen. Weiterhin gilt die Kriterien laufend zu überprüfen und wenn alles wieder „ok“ ist das Ende der Krise auszurufen.
    Aber was dann?
    Was ist anders in Zeiten der „Krise – was wir davon verstehen“ als in Zeiten in denen das Wort weniger häufig verwendet wurde? Reduziert sich unser Lebensstandard oder erhöht er sich? Glauben wir etwas zu verlieren – und wenn ja was? 1%, 5% 10% 30% unseres Reichtums über 30 Jahre? Habt ihr vor der Zukunft Angst? Warum? Wir sind es die die Zukunft gestalten können. Wir können eingeschlagene Wege ändern. Schreibt nicht so viel was passieren könnte, sondern ändert was, bringt euch ein und gestaltet mit. Es ist unsere Zukunft und wir haben es in der Hand wie sie aussieht!

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