Schwarze Schwäne – Kommt schon bald die nächste Ölkrise?

Über Schwarze Schwäne und Fragilität im Allgemeinen haben wir kürzlich informiert (Schwarze Schwäne – Die Fragilität des Seins). Um die eigenen Fragilitäten (Zerbrechlichkeiten) auszuloten und nach Möglichkeit aus der eigenen Zukunft zu entfernen, lohnt es, in Szenarien zu denken. Eines solcher Szenarien könnte aus einem möglichen Krieg gegen den Iran und/oder Syrien erwachsen. Ein Krieg mit Potential, die gesamt Weltwirtschaft in den Abrund zu reißen.

Um diesen Zusammenhang zu verstehen, kann ein Blick auf die Ölkrise der Jahre 1973-74 hilfreich sein. Im Jahr 1967 kam es in Folge des Sechstagekrieges zur Eroberung und Besetzung aribischer Gebiete durch Israel. In der Absicht, einen Teil dieser Gebiete zurückzuerlangen, marschierten Ägypten und Syrien am 06. Oktober 1973, zu Yom Kippur dem heiligsten Feiertag der Israeliten, in Israel ein.

Nach nur drei Wochen hatte Israel die Eindringlinge nicht nur zurückgeschlagen, sondern besetzte nun selbst ägyptische und syrische Gebiete. In der Folge dieser als Yom-Kippur-Krieg bekannten Auseinandersetzung und in der Absicht, die Unterstützung Israels in der westlichen Welt zu brechen, beschloss die Organisation der Erölexportierenden Staaten (OPEC), das Ölangebot um 5% zu verknappen. Gegen die USA und Niederlande als Freunde Israels wurde gar ein Lieferstopp verhängt. Dieser Schritt wurde auch durch den eingesetzten US-Dollar Verfall (vgl. Aufhebung des Goldstandards im Jahr 1971 durch Nixon) und damit verbundener Inflation (importierte Inflation) befeuert. Der Ölpreis schoss in die Höhe.

Zum Jahresende 1973 hatte sich der Ölpreis im Vergleich zu Beginn der Nahostkrise vervierfacht. Der massiv gestiegene Preis verursachte eine regelrechte Kontraktion der Wirtschaft. Das Phänomen der Stagflation (Was ist eigentlich Stagflation?), stagnierende bzw. schrumpfende Wirtschaft verbunden mit hohen Preisniveaus, fand Eingang in die Geschichtsbücher. So sah sich bspw. auch Deutschland einem schrumpfenden Bruttoinlandsprodukt sowie steigenden Arbeitslosenzahlen gegenüber. Waren 1973 273.000 Menschen arbeitslos gemeldet, so vervierfachte sich deren Zahl auf 1.047.000 im Jahr 1975. Die Ölkrise führte u.a. zum Sonntagsfahrverbot und einem Tempolimit von 100 km/h auf allen Autobahnen.

Auf welche Weise sich eine künftige Ölkrise (=Ölpreisanstieg)  einstellen würde, ob Förderstopp oder bspw. die Sperrung der wichtigen Straße von Hormus ist im Endeffekt nicht „kriegsentscheidend“. Entscheidend aber wären die Verluste, die jeder Einzelne von uns zu tragen hätte. Steigende Arbeitslosigkeit, hartnäckig hohe Inflationsraten (klassische Symptome einer Stagflation) verbunden mit etwaigen Staatspleiten aufgrund sinkender Steuereinnahmen und ausufernden Sozialtransfers (vgl. zunehmende Arbeitslosigkeit). Vieles könnten wir also nicht beeinflussen, doch ganz “kampflos” sollten wir uns nicht geschlagen geben. Was also tun, um zumindest diese Fragilität abzumildern?

 Am einfachsten ware es, sich einige Fässer Öl oder Benzin in den Keller zu stellen. Bei den Meisten dürfte dieses Vorhaben scheitern, weil schlicht kein genügend großer Keller vorhanden ist. Leichter würde man sich mit Wertpapieren tun. So kann ein Indexfonds (ETF = Exchange Traded Fund oder ETC = Exchange Trades Commodity) gekauft werden, welcher bspw. die Entwicklung der Nordseesorte Brent abbildet. Zu beachten ist, dass dieser Fonds nach Möglichkeit physisch mit bspw. Gold, Silber oder Kupfer hinterlegt ist, womit sich Emittentenrisiken reduzieren lassen. Durchaus spannend könnten auch Aktien von Ölförderfirmen sein. Denn diese würden von den ansteigenden Preisen direkt profitieren. Mit dem anziehenden Aktienkurs und höheren Dividendenzahlungen ließen sich ölpreisbedingte Mehrbelastungen bei der Lebenshaltung abfedern. Nach Möglichkeit sollten hier Unternehmen selektiert werden, deren Öltransport nicht hauptsächlich über die Straße von Hormus abgewickelt wird. Interessant wären auch Beteiligungen an Gasförderfirmen. Denn Gas gilt als guter Ersatz für Öl. Der Gaspreis ist aktuell aufgrund neuer Fördertechniken historisch tief. Im Umfeld einer Ölkrise dürfte sich das Bild deutlich wandeln.

 Doch wie hoch sollte man nun die entsprechenden Investments gewichten? Leider gibt und kann es hier kein Patentrezept geben. Ginge man allerdings pragmatisch vor, so müsste man sich bspw. fragen, wie viel der eigenen Lebenshaltung von Öl direkt oder indirekt abhinge. Gut messen lassen sich vor allem die direkten Ausgaben wie Tanken und Heizöl. Würde man davon ausgehen, die kommende Ölkrise würde zwei Jahre andauern, so müsste rund das Doppelte der heutigen direkten Ausgaben in Ölinvestments fließen. Damit würden zwar Ölpreis bedingt steigende Ausgaben nicht vermieden, jedoch mit dem jeweiligen Investment (hoffentlich) ein Ausgleich geschaffen. Da indirekt vom Öl abhängende Ausgaben (Lebensmittel, chemische Erzeugnisse, sonstige Verkehrsmittel, mögliche Arbeitslosigkeit etc.) kaum quantifizierbar sind, könnte man sich einen individuellen Aufschlag auf die Investitionssumme überlegen.

 Geschichte wiederholt sich, denn der Mensch bleibt eben Mensch. Die Ausprägung und Folgen der Geschichte können jedoch durchaus unterschiedlich sein. Niemand kann sagen, ob die beschriebene Idee „aufgehen“ wird, zumal die jeweiligen Investments mit hohen Schwankungen verbunden sind und eine gewisse Risikobereitschaft erfordern. Natürlich kann Risiko auch bedeuten, Nichts zu tun bzw. so zu tun, als gäbe es Schwarze Schwäne nicht. Wie „geschmiert“ wird es allerdings so oder so nicht laufen!

Dieser Beitrag wurde unter Anlagestrategie & Anlageideen, Daily Blog, Inflation, Deflation, Stagflation abgelegt und mit , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.