Grund zum Jubeln nach EZB-Entscheidung?

Eigentlich müsste ich jubeln, denn ich kann meinen Kunden in der Vermögensverwaltung positive Vorzeichen präsentieren. Je nach individueller Anlagestrategie haben die Depots seits Jahresbeginn zwischen 6 und 9% zulegen können. Das Schöne dabei: Morgen, wenn ich unser Handelssystem aufrufe, werden die Kurse noch ein gutes Stück höher stehen. Denn heute haben der DAX rund 3%, der Dow Jones ca. 2% oder das Silber rund 1% zulegen können.

Zu verdanken habe ich dieses „Geschenk“ Super Mario bzw. Mario Draghi. Denn heute gegen 15 Uhr wurde von Seiten des Chefs der Europäischen Zentralbank (EZB) Historisches verkündet: Anleihen notleidender Länder der Eurozone werden unlimitiert aufgekauft! Ein Hoch auf Europa oder doch der bisherigen Logik folgende Abgesang auf unseren Euro?

Zumindest der Markt scheint eher das „Hoch“ zu verinnerlichen. Insgesamt weis ich jedoch, dass heute weitere Weichen für einen weichen Euro gestellt wurden. Diese Weichen sind unübersehbar: So hat das Gold gemessen in Euro nahezu das Hoch aus dem Jahr 2011 egalisiert. Die Benzin- und Dieselpreise in Euro befinden sich auf nahezu unerträglichen Niveaus. Auch Stromkunden stehen im wahrsten Sinne unter Strom. Und die Immobilieneigentümer? Diese haben dazu beigetragen, dass der Durchschnittswert von erworbenen Immobilien von rund 188.000 Euro auf ca. 199.000 Euro gestiegen ist, ein Anstieg von 5,6%, wohlgemerkt allein von Februar bis Juli 2012 (Quelle: Baufinanzierungsvermittler Baufi24). Nicht nur die Preise steigen, auch die Entscheidungen werden verzerrt. Um beim Beispiel von Immobilien zu bleiben, „zwingen“ das künstlich tiefe Zinsniveau sowie die Angst um`s Geld immer mehr Menschen in Deutschland in die eigenen vier Wände. Menschen, die sich unter normalen Bedingungen keine Immobilien leisten könnten. So scheint es Banken derweil nicht zu stören, dass die Eigenkapitalquote kontinuierlich in  den Keller gegangen ist. So sank die durchschnittliche Eigenkapitalquote bspw. in Berlin seit Anfang 2011 von 23 auf jetzt rund 12% (Quelle: Immobilienscout24). Verhältnisse, die man aus Spanien, Irland und Portugal kennt bzw. kannte.

Wie gesagt, es freut mich, dass meine Kunden profitieren. Denn immerhin schaffen die Kursanstiege von u.a. Aktien, Gold und Fremdwährungen zumindest einen gewissen Ausgleich der heutigen bzw. insbesonderen künftigen Inflation. Die damit verbundenen Schwankungen, wenn auch moderat, sind natürlich nicht wegzureden. Grund zum unlimitierten, von der EZB gesponserten, Jubeln gibt es also nicht!

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Ein Kommentar zu Grund zum Jubeln nach EZB-Entscheidung?

  1. Leser101 sagt:

    Ihre Kunden gehören wahrscheinlich zu den 1 % der Oberschicht. Nur gut, dass sich diese freuen dürfen. Die restlichen 99 % müssen schauen wo sie bleiben.
    Wahrlich kein Grund für ausschweifende Jubeltänze!

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