Der Weg in die Schuldenfalle

„Sehr geehrter Herr Bitter, mit der kalten Jahreszeit sinken nicht nur die Temperaturen sondern erfahrungsgemäβ auch die Kontostände. Geschenke für die Lieben, die neue Skiausrüstung oder der Satz neue Winterreifen müssen Ihr Girokonto jedoch nicht unnötig belasten, denn mit Ihrer Kreditkarte sind Sie finanziell bestens für den Winter gerüstet.“

Diese Sätze waren 1:1 nachzulesen in einem Brief meiner Bank, der mich kürzlich erreichte. Vielleicht sinkt mit den Temperaturen auch die Hemmschwelle, etwas zu kaufen, was man sich eigentlich gar nicht leisten kann. Denn die beschriebene Karte gewährt eben Kredit und „entlastet“ damit das ach so geplagte Girokonto.

In meiner Tätigkeit als Finanzberater kann ich mit solchen Verlockungen gut umgehen. Doch wie sieht es mit dem Ottonormalverbraucher aus? Lässt man Zahlen für sich sprechen, vermutlich eher weniger gut: Gemäß der Wirtschaftsauskunftei Creditreform  gilt jeder zehnte Erwachsene in Deutschland, das sind 6,6 Millionen Bürger, als überschuldet. Neben Arbeitslosigkeit und Scheidung scheint immer mehr auch ein unangemessener Konsum hierfür verantwortlich zu sein.

Was hier im „Kleinen“ passiert, hat längst weitaus gröβere Dimensionen erreicht. Die Schulden in Europa, und hier ist selbst die Bundesrepublik alles andere als ein Kind von Traurigkeit, deuten ein massives Missverhältnis zwischen Anspruch und Wirklichkeit an. Sieht man von Schulden im Zuge von unternehmerischen Investitionsprojekten ab, sind diese Ausdruck eines Lebens über den eigenen Verhältnissen. Im Gegensatz zu Mehrwert schaffenden Unternehmen ist reiner Konsum gänzlich unproduktiv. Doch keineswegs konsumiert hier der unbändig gefräβige Staat, nein, es sind seine Bürger!

„Warum noch länger warten? Beantragen Sie Ihren Wunschbetrag jetzt. Und erhöhen Sie Ihre finanzielle Freiheit.“, heiβt es in meinem Brief weiter. Der Kunde ist ab hier nur noch einen kleinen Schritt entfernt… dann schnappt die Schuldenfalle zu. Der kurze Moment des Glücks und der Freiheit weicht dann schnell der bitteren Realität, einem finanziellen und nicht zuletzt emotionalen Gefängnis. Die Hoffnung stirbt aber auch hier bekanntlich zuletzt, denn der nächste, hoffentlich warme Frühling kommt bestimmt!

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