„Lösung“ für Zypern – eine Überraschung?

„Schockierend“, „Eine rote Linie wurde überschritten!“ – Diese Kommentare waren u.a. zum Thema Zypern zu lesen, nachdem das Rettungspaket zur Abwendung von Bankeninsolvenzen und Staatsbankrott Zyperns auch eine rund 10%-ige Abgabe auf das Sparguthaben zypriotischer Bürger vorsehen soll. Doch kommt diese „Lösung“, die zugegebenermaßen einen gewaltigen, willkürlichen Eingriff in die Eigentumsrechte der Bürger darstellt, so überraschend?

Vielleicht haben wir einfach nur vergessen, benebelt durch zahlreiche Rettungspakete, Bürgschaften (vgl. ESM) und Gelddrucken, dass seit Platzen der Immobilienblase in den USA und Pleite der Bank Lehman Brothers kein Stein mehr auf dem anderen Steht. Uns vielleicht ist uns nicht (mehr) bewusst, dass nicht der Staat pleite geht, sondern seine Bürger!

Unser Geldsystem, und natürlich das Zyperns, ist auf Kredit aufgebaut. Geld bzw. Vermögen entsteht, wenn jemand anderes (z.B. der Nachbar von nebenan, aber auch der Staat) Schulden aufnimmt. Trage ich mein Geld zur Bank bspw. in Form von Tages- oder Festgeld, so gehe ich eine Forderung gegenüber der Bank ein, die Bank eine Schuld gegenüber mir. Für das Risiko, dass meine Bank pleite geht, bekomme ich einen entsprechenden Zins. In einer freien Marktwirtschaft bestimmt nicht etwa der Bankeneinlagensicherungsfonds oder die sog. gesetzliche Einlagensicherung, ob die Bank mein Geld ordnungsgemäß zurückzahlt, sondern allein die Solidität sowie Tragfähigkeit des Geschäftsmodells meiner Bank. So war Lehman (so wie viele anderen Banken eigentlich auch) eben nicht solide und verfügte nicht über ein tragfähiges Geschäftsmodell.

Zyperns Bürger trugen ihr Geld zur Bank, jetzt tragen sie auch die Verluste. Dieser Mechanismus beruht auf einem marktwirtschaftlichen Prinzip. Da dieses Prinzip viel zu offensichtlich ist und Wählerstimmen kostet, wird zuweilen auf ein subtileres, weniger schnell wirkendes, dennoch sehr „effizientes“ Mittel gesetzt, um Schulden wirkungsvoll zu reduzieren: Die Inflation! Ob nun 10% des Vermögens gleich einbehalten oder das Vermögen auf Sicht der nächsten drei Jahre rund 10% an Kaufkraft (Inflation = Geldschwäche) einbüßt, ist im Ergebnis gleich.

Was letztlich bleibt ist unser Verstand. Welcher Bank, welchem Staat oder welchem Unternehmen vertraue ich mein Geld an? Setzte ich auf Zahlungsversprechen oder auf echte, nicht beliebig vermehrbare Werte? Traue ich den Versprechen der Politik? Wer sich mit diesen Fragen in Ruhe auseinandersetzt und bewusst entscheidet, wird hinter den Konsequenzen, ob positiv oder negativ, stehen und damit umgehen können. Mögen die Konsequenzen für Zyperns Bürger gerade schmerzhaft sein, eins darf nicht vergessen werden: Auch die vorliegende „Lösung“ bzw. Rettungspaket widersprechen dem Marktprinzip. Wären Zyperns Banken pleite und der Staatsbankrott vorerst nicht abgewendet, so dürften weit mehr als 10% der Einlagen verloren gehen. Denn es sind eben die Bürger die pleite gehen, nicht der Staat. Diese Erkenntnis mag zwar schockierend sein, eine Überraschung ist sie aber nicht!

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