Gold und Silber – Nerven gefragt

Der erste Schock bei Fans von Gold und Silber dürfte nun verdeut sein. Innerhalb von zwei Handelstagen (12. und 15. April) brachen beide Edelmetalle um ca. 15% ein. Allein am 15. April um ca. 10%, dem stärksten Kursverfall beim Gold seit 1983. Unter Zugrundelegung der folgenden Tiefststände hatten Gold rund 20% sowie Silber ca.  25% nachgegeben, und das allein in 2013. Mittlerweile notieren beide Edelmetalle gemessen am Tiefststand um rund 5% höher. Auch mit etwas Abstand betrachtet, findet sich keine plausible Erklärung. Vielleicht kann die eine oder andere Perspektive hilfreich sein:

Offiziell wurden als Erklärungsversuche insbesondere drei Gründe angeführt. Ein schwächeres Wachstum in China, Andeutungen der amerikanischen Notenbank FED, beim Gelddrucken QE 3 (Quantitative Easing) auf die Bremse treten zu wollen sowie Notverkäufe von Zypern, um einen Teil der Staatsschulden zu decken. Im Falle von Zypern handelte es sich nicht um eine Tatsache, sondern um ein Gerücht. Dies reichte für die Sorge, dass auch Spanien, Portugal, Italien und co. diesem Beispiel folgen könnten.

Sogenannte Verschwörungstheoretiker bringen einen recht simplen Grund für den wasserfallartigen Absturz an: Marktmanipulation. In nur 48 Stunden wurden ca. 3.500 Tonnen Papiergold (ca. 170 Mrd. USD) gehandelt; eine Dimension, welche die physische, weltweite Goldproduktion von rund 15 Monaten darstellt! Verkaufsaufträge mit einem Volumen von bis zu 100 t Papiergold (!), die am 12.04. binnen kürzester Zeit und teils sogar unlimitiert (!) an die Rohstoffbörse Comex gingen, zogen den Goldpreis unter die wichtige charttechnische Unterstützungslinie von 1.520 USD, woraufhin dann einsetzende Stopp-Loss-Verkäufe als auch Zwangsliquidationen zahlreicher institutioneller Investoren einen weiteren Preisverfall nach sich zogen. Physische Verkäufe dürfte es, mit Ausnahme der Gerüchte rund um Zypern, kaum gegeben haben. Im Nachgang des Preissturzes war ein deutlicher Nachfrageanstieg beim physischen Gold und Silber zu beobachten.  Selbst heute lassen sich bestimmte gängige Silbermünzen wie der Kanadische Maple Leaf oder der Amerikanische Silver Eagle nicht oder nur nach mehrwöchiger Wartezeit liefern.

An dieser Stelle stehen also Aussage gegen Aussage. Grundsätzlich gilt: Edelmetalle stellen weiterhin einen wertvollen (Versicherungs-)Baustein der Anlagestrategie bzw. des Gesamtvermögens dar. Die Gründe für den Kauf, ungelöste Staatsschuldenproblematik diesseits und jenseits des Atlantiks, schwache Bankbilanzen, historisch tiefes, real negatives Zinsniveau sowie das weltweite Gelddrucken der Notenbanken, sind nach wie vor intakt. Sollten Sie zu denjenigen gehören, die ernsthaft überlegen, Edelmetall-positionen abzustoßen, bedenken Sie Folgendes: In den 70er Jahren, im Zuge der Aufhebung des Goldstandards in den USA (1971), stieg der Goldpreis innerhalb von rund 10 Jahren von 35 USD auf ca. 800 USD pro Unze. Von Februar 1975 bis August 1976 brach der Goldpreis zwischenzeitlich um 45% ein, nur um in der Folge 700% zuzulegen. Der letzte massive Abverkauf von Gold und Silber mit Preisrückgängen von 30% und mehr fand im Jahr 2008 statt. Wir wissen alle, was im September 2008 passierte: Die bis dato größte Bankpleite der Historie, Lehman Brothers. Während Aktien in der Folge fielen, stiegen Gold und Silber wieder.

Ein weiterer (Deflations-)Schock dieses Kalibers dürfte ohne Edelmetalle ebenfalls schwer zu verdauen sein. Gefährlich sind nicht die Risiken, gegen diese wir uns zu schützen suchen, sondern diejenigen, die wir (noch) nicht auf dem Schirm haben (sog. Schwarze Schwäne). Nerven sind und bleiben gefraft!

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