Was tun wenn Diversifikation nicht hilft?

Nicht alle Eier in einen Korb legen lautet die Weisheit der Hausfrau. Und auch hier in diesem Blog wurde gebetsmühlenartig, wenn es um das Thema Anlagestrategie ging, die breite Aufstellung bzw. Diversifikation des Gesamtvermögens „gepredigt“. Doch vom 17.05. bis 21.06.2013 hätten selbst bei den besten Hausfrauen die Zweifel bzw. Sorgenfalten aufkommen müssen. Denn egal ob Sie Aktien, Rohstoffe, Edelmetalle, Anleihen im Allgemeinen, Fremdwährungsanleihen im Speziellen oder auch nur Geldmarktpapiere im Depot gehabt hätten, alle Anlagen hätten Richtung Süden tendiert bzw. hätten im Kurs nachgegeben. So verloren bspw. Aktien 5-10%, 10-jährige USA-Anleihen ca. 10% und Schwellenländeranleihen in Lokalwährung sogar bis zu 15%. Einen derartigen Gleichlauf hatte ich an der Börse bis dato nicht gesehen. Was war passiert?

Kurz zuvor hatte Ben Bernanke, der sich für´s Gelddrucken längst den Spitznamen „Helikopter-Ben“ verdient hat, angekündigt, das Aufkaufen von USA-Anleihen bzw. das besagte Gelddrucken auf absehbare Zeit zu reduzieren bzw. irgendwann einzustellen. Daraufhin sprangen förmlich die Zinsen von 10-jährigen USA-Anleihen von 1,6 auf 2,6% bzw. erlitten einen Kursverlust von rund 10%. Im Gefolge gaben die oben beschriebenen Anlagesegmente ebenfalls nach. Zunehmende Risikoaversion hatte bis dato meist fallende Aktienmärkte und Kursanstiege bei „sicheren“ Staatsanleihen bspw. der Bundesrepublik Deutschland und der USA zur Folge. Auch Fremdwährungen konnten in turbulenten Zeiten überzeugen. Ist damit die Diversifikation ad absurdum geführt?

Nein, die Diversifikation bleibt, so ungern ich das sage, alternativlos! Am Beispiel von Gold und Silber lässt sich dies eindrucksvoll zeigen: Nehmen wir an, die Notenbanken stellen weltwei das Gelddrucken ein, gleichzeitig bleibt die Weltwirtschaft bzw. unser Finanzsystem fragil. Ein deflationärer Schock wie das Platzen der chinesischen Immobilienblase erschüttert unser globales Dorf. Im ersten Moment würden die Unternehmensgewinne und damit die Aktienkurse aufgrund des zu erwartenden verminderten Konsums der Bürger nachgeben, es käme zu Entlassungen. Die Staatsschulden würden im Zuge zunehmender Sozialtransfers (vgl. Arbeitslosengeld, Sozialhilfe) und einbrechender Steuereinnahmen steigen. Die Bonität nimmt ab, Investoren verlangen höhere Zinsen, Staatspleiten stehen kurz bevor. Selbst wenn anfangs im Zuge des Deflationsschocks Edelmetalle im Preis nachgeben sollten, spätestens im Falle von Bank- und Staatsinsolvenzen würden diese als einige der letzten „sicheren“ Häfen gesucht. Dies gilt ebenso für Anleihen von Staaten, die bis dahin (noch) gesund sind (vgl. Investition in Fremdwährungen). Die Diversifikation hätte in diesem Beispiel einen mildernden Effekt!

Inzwischen hat sich die Situation etwas entspannt, Wertpapiere haben sich von ihren Tieftsständen erholt. Jüngst, am 10.07., hat Helikopter-Ben seine Aussage mehr oder weniger revidiert. Das Gelddrucken würde so lange „erforderlich“ fortgeführt. War es demnach eine Art Test? Oder gar ein erster, ernstzunehmender Warnschuss?

Spannend bleibt für mich die Frage, wohin das ganze Geld in der besagten Abwärtsphase geflossen ist? Denn bis auf wenige Ausnahmen (Volatilität, Euro, Wetten auf fallende Kurse) haben alle wichtigen Anlagesegmente Einbrüche verzeichnet, zumal große Investoren, meist aus Angst vor Bankinsolvenzen, i.d.R. nicht einfach ein Tagesgeldkonto unterhalten. Eine mögliche Erklärung lieferte Günter Hannich letztes Jahr auf der Stuttgarter Anlegermesse. Er gilt als ausgewiesener Kenner der Materie und als sog. Crash Prophet. In einer Diskussionsrunde, ob nun die Deflation oder Inflation im Anmarsch sei, sprach er sich ganz entschieden für die Deflation aus. Mehr noch, die Depression oder gar Kriege könnten bevorstehen. Seiner Meinung nach führt die elektronische Notenpresse nicht zur Inflation, denn so wie das Geld aus dem Nichts gekommen ist und die Preise für Wertpapiere, Edelmetalle und Immobilien in die Höhe schnellen lies, so verschwindet es danach in einer Art „Schwarzem Loch“ – es ist also einfach weg. Zugegeben keine rosige Aussicht, die jedoch die Bedeutung der Diversifikation unterstreicht.

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