Vorschlag IWF – Vermögensbesitzer aufgepasst

Vor einigen Wochen war in deutschen Medien vom Vorschlag des IWF zu lesen, wonach jeder Bürger 10% seines Vermögens abgeben solle, um die Schuldenlast von Staaten erträglicher zu machen. Bevor einschlägige Medien in Deutschland davon berichteten, kursierten Wochen zuvor Berichte im Internet. Diese fußten auf die Veröffentlichung im US-amerikanischen Wirtschaftsmagazin Forbes, eines der einflussreichsten Magazine seiner Zunft. Auf folgendes Zitat, welches auf Seite 49 des IWF Fiscal Monitor Report nachzulesen ist, fußt der Artikel im Forbes Magazine:

 “The sharp deterioration of the public finances in many countries has revived interest in a “capital levy”—a one-off tax on private wealth—as an exceptional measure to restore debt sustainability. The appeal is that such a tax, if it is implemented before avoidance is possible and there is a belief that it will never be repeated, does not distort behavior (and may be seen by some as fair). There have been illustrious supporters, including Pigou, Ricardo, Schumpeter, and—until he changed his mind—Keynes. The conditions for success are strong, but also need to be weighed against the risks of the alternatives, which include repudiating public debt or inflating it away (these, in turn, are a particular form of wealth tax—on bondholders—that also falls on nonresidents).                                As for instance in Bach (2012). There is a surprisingly large amount of experience to draw on, as such levies were widely adopted in Europe after World War I and in Germany and Japan after World War II. Reviewed in Eichengreen (1990), this experience suggests that more notable than any loss of credibility was a simple failure to achieve debt reduction, largely because the delay in introduction gave space for extensive avoidance and capital flight—in turn spurring inflation. The tax rates needed to bring down public debt to pre-crisis levels, moreover, are sizable: reducing debt ratios to end-2007 levels would require (for a sample of 15 euro area countries) a tax rate of about 10 percent on households with positive net wealth.”

Forbes zieht drei Schlussfolgerungen aus den Analysen des Internationalen Währungsfonds (IWF):

1) Alle Familien, Personen mit einem positiven Vermögenssaldo müssen an den Maßnahmen beteiligt bzw. herangezogen werden. Es gibt einfach zu wenige (Super-) Reiche, um die vordringlichsten Schuldenprobleme zu lösen, selbst wenn deren Vermögen zu 100% konfisziert würden.

2) Selbst eine Massenenteignung von 10% würde nicht reichen, die öffentlichen Schulden zu begleichen, würden diese aber auf ein zumutbares Maß reduzieren.

3) Würden sich die Regierungen gegen diese Konfiszierungen entscheiden, blieben nur Schuldenschnitt (A.d.V. wie in Griechenland eindrücklich zu beobachten) oder Hyperinflation.

Unabhängig von den Folgerungen des Forbes Magazine lassen sich aus den wenigen Sätzen weitere Details rauslesen. Demnach wird eine Konfiszierung vom IWF als unausweichlich gesehen und sollte recht früh und überraschend kommen, um Kapitalflucht den Weg zu versperren. Um die Schulden auf das Niveau von 2007 zu senken, wäre eine einmalige Abgabe bzw. Steuer von 10% notwendig.

Sollten Sie zu denjenigen Optimisten gehören, die ihrerseits davon ausgehen, dass so etwas bei uns, dem Rechtsstaat BRD, nicht passieren könnte, so mag der Blick auf einschlägige Gesetze hilfreich sein:

Versicherungsaufsichtsgesetzt (VAG) – § 89: Sollte ein Versicherungsunternehmen Probleme bekommen, so kann zum Schutze aller Versicherten die Leistung verweigert oder gekürzt werden. Die Pflicht der Versicherungsnehmer, die Versicherungsentgelte in der bisherigen Höhe weiterzuzahlen, wird durch die Herabsetzung nicht berührt.

Kreditwesengesetz (KWG) – § 47 ff: Droht einem Finanzinstitut die Insolvenz, kann dieses durch die BaFin u.a. geschlossen werden. Anmerkung des Verfassers: Während dieser Zeit ließen sich Sonderabgaben einführen oder eine Währungsreform realisieren.

Schockierend, oder? Wenn Sie sich nun fragen, wie Sie sich „schützen“ können, so muss ich Sie leider enttäuschen. Die Bankguthaben stehen fest (rückwirkende Buchungen inklusive), Wertpapierdepots sind klar zugeordnet, auch die jeweiligen Lebensversicherungen. Ach ja, die Immobilien… im Grundbuch bestens festgehalten. Es bleibt recht wenig: Bargeld? Edelmetalle wie Gold und Silber? Physische Rohstoffe wie Kupfer oder Seltene Erden? Prinzipiell ja, doch jede dieser Anlageformen birgt nicht zu unterschätzende Risiken: Lagerung, Einbruch, Handelbarkeit im Krisenfall, gesetzliche Verbote, schlichtes Vergessen etc. Wichtig ist letztlich zu erkennen, dass eben nicht alles in Ordnung ist. Sich zumindest geistig und emotional auf die vor uns stehenden Veränderungen und Eingriffe einzustellen, kann hilfreich sein. Mit Hoffnung und Mut als einer der ersten wieder aufzustehen kann sicher nicht verkehrt sein!

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