Der Pisa-Test und das Gold

Beim Stöbern im Internet bin ich auf ein spannendes Quiz gestoßen. Der Spiegel hat online einen Auszug von Fragen bereitgestellt, um sich selbst testen zu können bzw. um ein Gefühl dafür zu bekommen, was 15-jährige Schüler im Rahmen der Pisa-Studie gefragt wurden. Wer Lust und Zeit hat, kann hier sein Wissen testen, es lohnt sich.

Bei der Frage bzw. Aufgabenstellung 9 soll die Lesekompetenz bzw. das Textverständnis überprüft werden. So weit so gut. Stutzig bin ich bei der verwendeten Fabel geworden. Hier der Text, welcher auf www.spiegel.de genauso nachzulesen ist:

Der Geizhals und sein Gold
Eine Fabel von Aesop
Ein Geizhals verkaufte alles, was er hatte, und kaufte einen Klumpen Gold, den er in einem Loch in der Erde neben einer alten Mauer vergrub. Jeden Tag ging er, um danach zu sehen. Einer seiner Arbeiter bemerkte die regelmäßigen Besuche des Geizhalses an dem Ort und beschloss, dessen Kommen und Gehen zu beobachten. Der Arbeiter entdeckte bald das Geheimnis des versteckten Schatzes, grub im Boden, fand den Klumpen Gold und stahl ihn. Der Geizhals fand das Loch bei seinem nächsten Besuch leer vor und begann, sich die Haare zu raufen und laut zu klagen. Ein Nachbar, der ihn in seiner Verzweiflung sah und den Grund dafür erfuhr, sagte zu ihm: „Bitte grämt Euch nicht so; nehmt Euch einen Stein, legt ihn ins Loch und stellt Euch vor, das Gold läge noch dort. Er wird Euch den gleichen Dienst erweisen, denn auch als das Gold noch da war, besaßt Ihr es nicht, da Ihr nicht den geringsten Gebrauch davon gemacht habt.“

Warum verwendet der weltweit erhobene Pisa-Test ausgerechnet diese Fabel, gibt es doch Hunderte andere? Vielleicht sehe ich Gespenster, vielleicht sollen Jugendliche aber auch beeinflusst werden? Folgende Schlüsse drängen sich beim Lesen auf:                                      > Wer Gold kauft ist ein Geizhals.                                                                                                      > Es macht keinen Sinn, das Geld dem System zu entziehen und dieses in Form von Gold in einem Loch zu vergraben.                                                                                                                   > Gold hat, solange man es nicht gebraucht, den gleichen Nutzen/Wert wie ein Stein.

Zugegeben, auch als Finanzberater müsste man die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Der „Geizhals“ legt sein gesamtes Geld in Gold an, von Diversfikation des Vermögens kann hier keine Rede sein. Zudem verwendet dieser nur einen Lagerort, auch hier kann nicht von Risikoreduktion gesprochen werden. Auch ist es nicht sinnvoll, sich jeden Tag Gedanken um sein Geld zu machen. Geld/Gold soll das Leben erleichtern und zur Lebensqualität beitragen, dieses jedoch nicht beschweren.

Es beschleicht mich das Gefühl, das Gold solle hier endgültig zu Grabe getragen werden. Ein wertloses, unnützes und geradezu Charakter verderbendes Ding. Immerhin: Ein Ding, welches eigentlich kein Jugendlicher bis dato haben dürfte, dieser sich aber nun vielleicht erst recht Gedanken machen wird. Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Ich bin gespannt, wann erste Fabeln zu unserem Geldsystem geschrieben werden. Wenn wir es wissen, dürfte es bereits zu spät sein. Eine kritische Frage hierzu wäre sicherlich eines Pisa-Tests würdig gewesen…

Allen Lesern wünschen wir ein gesundes, harmonisches neues Jahr 2014 voller Lebensqualität und gutem, alten Menschenverstand!

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Ein Kommentar zu Der Pisa-Test und das Gold

  1. von Reichel sagt:

    Auch wenn schon ein bisschen älter, doch eine interessante Geschichte. Wenn ich mich auf den Elternabenden befinde, verdrehen die meisten schon die Augen, wenn ich anprangere, dass die Schule meinem Sohn so gut wie nichts über das Finanzielle vermittelt – und dabei meine ich nicht das Überschlagen von Einkaufspreisen.

    Ich habe meinem Sohn zu seinem 12. Geburtstag eine halbe Unze Krügerrand geschenkt und ihm erklärt, was es damit auf sich hat. Er konnte entscheiden, ob er sie behält oder später zu Geld macht. Er hat sie bis heute. Mittlerweile stöbern wir beide zusammen im Internet auf Seiten wie http://www.goldpreis.de nach Kursen und aktuellen Preisen für Goldmünzen. Aber er hat auch früh gelernt, dass er sein Geld nicht nur in eine Sache investieren sollte. Jetzt zur WM haben die Fußballsticker für das Sammelalbum die Oberhand gewonnen 😉 Wenigstens weiß er, dass Geld nicht nur buntes Papier ist, das man gegen Fußballtrikots und Fastfood eintauschen kann. Damit ist er vielen in seinem Alter einen guten Schritt voraus.

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