Von der Asienkrise 2.0 zur Bankenkrise 2.0?

Was passiert bei einem Drogensüchtigen, wenn die nächste Dosis ausbleibt? Entzugser-scheinungen, manchmal ausgeprägt heftig! Diese Entzugserscheinungen scheinen aktuell die gesamte (abhängige) Weltwirtschaft zu erfassen.

Der Dealer: Die US-Notenbank FED.                                                                                           Die Droge: Neues, billiges Geld.

Die vermeintlich Schwächsten bzw. am stärksten Abhängigen trifft es zuerst. Länder wie Indien, Argentinien, Brasilien aber auch viele europäische Staaten sowie die USA selbst „gönnen“ sich Handelsbilanzdefizite. Da die Importe die Exporte übersteigen, die Länder leben über ihre Verhältnisse, ist die Abhängigkeit von Kapitalimporten hoch. Doch nun will die FED die Droge bzw. das billige Geld in Form von US-Dollar knapper machen bzw. sogar ganz entziehen.

Weniger Angebot bedeutet höhere Preise. Aktuell scheint die FED also eher besorgt um die Stärke der heimischen Währung, US-Dollar, als um das „Wohl“ der Weltwirtschaft im Allgemeinen. Denn Gelddrucken schwächt die Währung und lässt das Vertrauen der Investoren in diese schrumpfen. So gab es jüngst Gerüchte, wonach die russische Regierung ein Gesetz diskutiert, den US-Dollar als Zahlungsmittel im eigenen Land zu verbieten.

Die Folgen dieser Dollar-Verknappung sind unübersehbar. Investoren ziehen hektisch Gelder aus den Schwellenländern ab. Statt den dringend benötigten Kapitalimporten kommt es nun zu Kapitalexporten. Mit am schlimmsten hat es Argentinien erwischt. Seit Jahresbeginn verlor der Argentinische Peso zum Euro rund 20%. Allein am 09. Februar 2014 gab es eine Abwertung um ca. 15%. Auch die Türkei, ein Paradebeispiel für wirtschaftlichen Aufschwung der letzten Jahre, hat Federn lassen müssen. In den wenigen Wochen diesen Jahres verlor die Türkische Lira bis zu 8%, der Aktienmarkt brach seit Januar 2013 gerechnet um rund 19% ein. Auch in China werden, gerade nach Entzug der Droge, die hausgemachten Probleme sichtbar. Überschuldete Häuslebauer auf der einen Seite, Sparer mit zweifelhaften Beteiligungen an vermeintlich renditeträchtigen Großprojekten auf der anderen Seite. Versiegt das Geld und bleiben neue Kredite aus, fallen die ersten Dominosteine.

Europa und die USA scheinen unbeeindruckt. So tendieren bspw. Aktien relativ fest. Dass dies so bleibt ist eher unwahrscheinlich. So meldeten jüngst Adidas, Puma und Henkel schlechter als erwartete Zahlen oder gaben einen verhaltenen Ausblick. Alle drei Unternehmen haben eine relativ hohe Abhängigkeit von Schwellenländern. Immerhin tragen Schwellenländer (Asien, Lateinamerika, Osteuropa) mittlerweile rund 40% zur weltweiten Wirtschaftsleistung bei. Es scheint eine Frage der Zeit, bis die dortigen Verwerfungen auch die sog. entwickelten Industrieländer erreichen.

Doch nicht nur Industrie- und Konsumunternehmen wären betroffen, auch Banken dürften natürlich nicht fehlen. Diesen droht gleich von zwei Seiten Ungemach. Zum einen haben sie Kredite auch Schwellenländern zur Verfügung gestellt. Dort drohen nun Schuldner auszufallen. Zum anderen sind auch sie abhängig von der FED-Droge Geld. Experten befürchten, dass der Geldentzug Derivatemärkte, Derivate und Optionen werden von Banken begeben, unter Druck bringen könnte. Die Investorenlegende Warren Buffett hatte Derivate als „Massenvernichtungswaffen“ bezeichnet. Nicht zu Unrecht, schlummern hier doch Gelder im Wert von mehreren Hundert Billionen Euro und Dollar. Dazu passt ganz gut, dass vor einigen Wochen britische Bankkunden vergeblich vor Bankautomaten auf ihr Geld warteten. Betroffen waren die britische Großbank HSBC sowie die verstaatlichte Royal Bank of Scotland. Ein technischer Fehler, wie es hieß, bei zwei Banken gleichzeitig? Mehr noch: Wer dem Geldautomaten den Rücken gekehrt und sich zum Bankschalter durchringen konnte, musste schriftlich angeben, wofür das Geld benötigt würde. Ein Skandal oder doch „überlebensnotwendige“ Maßnahme?

Der eingeschlagene Weg der FED ist unumkehrbar. Der Dealer hat kein Interesse daran, sich seiner Droge bzw. seiner Kunden zu entledigen. Kommt es zur Asienkrise 2.0 und damit unausweichlich zur Finanz- und Bankenkrise 2.0, dann wird sie den Markt mit einer bisher nie gekannten Geld- bzw. Drogenmenge überspülen und für „Normalität“ sorgen. Wirklich? Oder ist bereits für den Drogensüchtigen bzw. die Weltwirtschaft eine kleine Dosis eine zu viel? Zu viel würde unter Umständen Hyperinflation bedeuten! Wäre nicht dann doch ein harter, schmerzhafter und langwieriger Drogenentzug die bessere, überfällige Option?

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