Vorbild Preußen – Hoffnung für die Zukunft

Der Januar 2015 dürfte börsentechnisch der interessanteste seit Januar 2009 gewesen sein. Das Öl verliert weitere 13%, die Schweizer Notenbank verliert das Vertrauen in EUR sowie USD und überlässt den Wechselkurs des Schweizer Frankens dem freien Markt, die EZB verliert ihre abwartende Haltung und beschließt, Anleihen in gefühlt unbegrenztem Maß zu kaufen, die Griechen wollen nicht verlieren, wählen eine neue Regierung und bieten der Troika und co. erfrischenderweise selbstbewusst die Stirn. Spannung bleibt uns erhalten, mein Job bleibt abwechslungsreich und eine Gefühlsachterbahn…

Sehen wir die letzten Zuckungen eines untergehenden (Schulden-)Systems? Wahrscheinlich (noch) nicht. Grund genug einen Blick zurück zu werfen, sehr weit zurück, in die Blütezeit Preußens.

Diese Blütezeit datiert von 1871 (Einheit Deutschlands) bis etwas 1914 (Ausbruch des ersten Weltkrieges. Die Erfolge Preußens lassen uns neidisch werden:

  • Geringste Analphabetenquote (0,9%)
  • Geringste Arbeitslosenquote (1-2%)
  • Geringste Steuerbelastung in Europa (durchschnittlicher Steuersatz von 4-6%)
  • Das Geld – beruhend auf der Goldmark – unterlag einer Inflation von nur 0,5% p.a. Die „starke“, von allen gelobte D-Mark verlor von 1962-2000 jährlich rund 3% an Wert.
  • Höchstes Bildungsniveau
  • Mit 20 Nobelpreisen im Bereich Naturwissenschaften das höchste Wissenschaftsniveau
  • Führerschaft auf allen industriellen High-Tech-Gebieten (Chemie, Optik, Elektrizität, Spezialmaschinenbau)
  • 1912 lag die Staatsverschuldung umgerechnet nach Kaufkraft und inflationsbereinigt bei ca. 1.600 Euro pro Einwohner. In der heutigen BRD ist jeder Einwohner mit ca. 26.000 Euro verschuldet.

Was waren die Pfeiler dieses aus heutiger Sicht schier unerreichbaren Erfolges und was können wir für die Gestaltung unserer Zukunft aus der Geschichte lernen?

Preußen hatte sich für das Prinzip der (sozialen) Marktwirtschaft entschieden. Eine leistungsfähige Wirtschaft zeichnet sich durch Privateigentum, Vertragsfreiheit, Wettbewerb und den Beziehungen freier und gleichberechtigter Bürger aus. Der Staat hat die persönlichen Freiheitsrechte zu wahren und für Rechtssicherheit zu sorgen. Diese Prinzipien decken sich durchaus mit unseren heutigen. Doch werden diese auch tatsächlich so umgesetzt? Das Thema „Freiheit“ wurde in diesem Blog mehrfach aufgegriffen und soll an dieser Stelle nicht näher beleuchtet werden.

Neben der Familie war Preußen der eigenständige, nicht bevormundete Mensch bzw. Bürger wichtig. Der Preuße Immanuel Kant (1724-1804) forderte in Anlehnung an den römischen Dichter Horaz den Mut zum eigenen Urteil und schrieb: „ Faulheit ist die Ursache, warum ein so großer Teil der Menschen zeitlebens unmündig bleibt, und warum es anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein. Jene Vormünder, die die Oberaufsicht (heute: Politik, Fernsehen, Presse) über die Unmündigen übernommen haben, gestatten keinen Schritt außerhalb des Gängelwagens. Sie zeigen Ihnen die Gefahr, die Ihnen drohet, wenn sie es versuchen sollten, allein zu gehen.“ Preußen förderte die Selbstbestimmung bzw. das „Allein gehen“. Bei 40 Millionen Einwohnern im Jahr 1871 zählte Deutschland ca. 500.000 Beamte. Bei rund 80 Millionen Bürgern weist die BRD rund 5.000.000 öffentlich Bedienstete auf, also die fünffache Anzahl. Der Beamtenberuf war einer der angesehensten in Preußen. Ein hoher Bildungsstand, eigenverantwortliches, dezentrales Handeln sowie Hingabe an das Gemeinwohl zeichneten den preußischen Beamten aus.

Die Bildung früher wie heute war und ist entscheidend für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit eines Landes. Neben Lesen, Schreiben und Rechnen zielte die preußische Erziehung auf Pünktlichkeit, Bescheidenheit, Eigenständigkeit (Mut zum eigenen Urteil), Menschlichkeit, Pflichterfüllung und Fleiß. Schulen und Schulleiter entschieden eigenständig, ob sie Lehrer einstellten. Bis in die 1960er Jahre konnte das Schulrecht, aus der preußischen Schulkonferenz von 1900 stammend, noch in einem schmalen Buch zusammengefasst werden. Das Schulrecht der heutigen BRD erfordert mehrere Meter im Bücherregal. Studien belegen, dass Lehrerpersönlichkeit und die Disziplin unter den Schülern das Bildungsniveau maßgeblich beeinflussen. Noch nie haben so viele Menschen so lange die Schulen und Universitäten besucht, um so wenig zu lernen.

Die BRD ist stolz auf ihren Mittelstand, lässt diesen in Wahrheit ausbluten! Den Unternehmern fehlt die Luft zum Atmen. Die Liste der Baustellen ist schier unendlich: Hohe Steuern- und Sozialabgabenbelastung, weitgehende Mitbestimmungsrechte der Mitarbeiter (Gewerkschaften etc.), rigides Kündigungsrecht, Mindestlohn, Antidiskriminierungsgesetze, Frauenquote und, und, und! Kaum zu glauben, dass es heute noch Menschen gibt, die den Schritt in die Selbständigkeit wagen, zumal viele schon nach wenigen Jahren aufgeben müssen. Ganz anders zu Zeiten Preußens. 1912 gab es in Deutschland rund 15 Millionen Selbständige bei 65 Millionen Einwohnern. Unter Hinzurechnung der Familienmitglieder, mithelfende Mütter und Kinder, lag der Anteil der Bevölkerung, deren Auskommen direkt von unternehmerischer Tätigkeit abhing, bei 60%. Heute sind rund 4 MillionenMenschen selbständig aktiv. Schätzungsweise dürften heute in Deutschland nur ca. 12% der Gesamtbevölkerung direkt von selbständiger Tätigkeit abhängen. Es verwundert nicht, dass die Menschen zu Zeiten Preußens deutlich besser über Wirtschaft bzw. das Wirtschaften Bescheid wussten als heute. Die freiheitliche wirtschaftliche Grundordnung Preußens hat den Bürgern bzw. Unternehmern Luft zum Atmen gelassen. Ganz im Gegensatz zur heutigen sozialistisch geprägten „Leitkultur“.

Ein schier unlösbares Problem stellt heute die exorbitante Verschuldung dar. Staaten ebenso wie Unternehmen sind hoch verschuldet. Als Deutsche „rühmen“ wir uns, in einem der angeblich besten wirtschaftlichen Jahre keine neuen Schulden aufgenommen zu haben. Die Maastricht Kriterien, die den Euro-Ländern eine maximale Staatsverschuldung von 60% der Wirtschaftsleistung (BIP) und eine maximale Neuverschuldungsquote von 3% des BIP zubilligen, dürften kaum einem Bürger im Gedächtnis geblieben sein. Die mediale, politische Propaganda funktioniert ausgezeichnet, immerhin! Deutsche klein- und mittelständische Unternehmen sind relativ hoch verschuldet. Die Gewinne sind überschaubar, das Eigenkapital gering. Eigenkapital ist verantwortlich für Stellenauf –oder –abbau. Banken machen`s vor. Sie schwimmen in Geld bzw. Liquidität, drohen gleichsam zu ertrinken. Kreditvergaben erfordern genügend Eigenkapital, hier herrscht großer Mangel. Schulden, Schulden soweit das Auge reicht… Kaiser Wilhelm I (1797-1888) hatte es zum Lebensgesetz des preußischen Staates gemacht, den Staatshaushalt ohne Schulden zu führen. Friedrich der Große (1712-1786) schrieb in sein Testament: „Eine Regierung muss sparsam sein, weil das Geld, das sie erhält, aus dem Blut und dem Schweiß des Volkes stammt. Das Geld ohne Rücksicht auf die Zukunft auszugeben, heißt handeln wie ein Diktator und nicht wie ein Vater des Volkes“. Ein „Vater“ (derzeit „Mutter“) müsste beispielsweise erkennen, dass in der BRD bis zu 45 Millionen Rentner, öffentlich Bedienstete, Arbeitslose, Sozialhilfeempfänger (Hartz IV), Studenten etc. von 18 Millionen produktiv Tätigen mit versorgt werden. Rein rechnerisch ist dies nicht mehr möglich.

Der Sozialstaat bzw. Sozialismus in der BRD und vielen Teilen der Welt greift zunehmend um sich. Im Jahre 1878 in seiner berühmten Rede vor dem Reichstag fragte Otto von Bismarck die Sozialisten, wie sie mit ihrer Behauptung, es könne bei weniger Arbeit mehr Geld geben, die Zukunft des Staates sichern wollten. Sozialismus, so Bismarck weiter, ist menschenunwürdig, entspricht nicht der menschlichen Natur, führt zur Entwürdigung, Demütigung, Unterdrückung und Verarmung. Das Jahr 1878 liegt 137 Jahre zurück, man könnte meinen, es sei heute…

Vieles in diesem Artikel stammt aus dem Buch „Preußen und die Marktwirtschaft“, geschrieben von Ehrhardt Bödecker, erschienen im OLZOG Verlag (http://www.amazon.de/Preu%C3%9Fen-die-Marktwirtschaft-Erhardt-B%C3%B6decker/dp/3957680182/ref=sr_1_1_twi_2?ie=UTF8&qid=1423693063&sr=8-1&keywords=preu%C3%9Fen+und+die+marktwirtschaft, Preis 14,80 Euro). Die rund 100 Seiten sind spannend und gut verständlich geschrieben, der aktuelle Bezug wird immer wieder hergestellt.

Wie der Autor gebe auch ich unsere Gesellschaft und Wirtschaftsordnung nicht auf. Vieles, was Preußen ausmachte, dürfte (tief) in uns stecken. Es ist Zeit aufzuwachen und sich daran zu besinnen, spätestens wenn ein Neustart unvermeidlich ist. Ehrhardt Bödecker fasst zusammen: „Bildung, Ausbildung, Fortbildung und Wissenschaft, dazu Disziplin und Ordnungssinn, eine freiheitliche, auf Privateigentum und unternehmerische Selbständigkeit gegründete Wirtschaftsordnung, kein politischer Einfluss der Gewerkschaften sowie eine bürgernahe Verwaltung waren die Ursachen für die von der Welt bewunderte und leider auch von der Welt beneidete wirtschaftliche Leistung des Kaiserreichs.“

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