Keine Inflation? Von wegen!

Stabiles Geld galt schon immer als wesentlicher Erfolgsfaktor einer prosperierenden Wirtschaft. Verlässlicher Indikator für das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage, freiheitliches, planbares Zahlungsmittel, Schutz des persönlichen Eigentums, Wertaufbewahrungsmittel, wer könnte diesen ureigenen Eigenschaften guten Geldes widersprechen?!

Leider zu viele, allen voran die Amerikanische (FED) und Europäische (EZB) Notenbank. Sie fluteten bzw. im Falle der EZB fluten immer noch unsere Wirtschaft mit immer neuem, frisch gedrucktem Geld. In der Weimarer Zeit, als 1923 die Hyperinflation um sich griff, war das Gelddrucken begrenzt, Papier und Druckerschwärze waren nur eingeschränkt verfügbar. Heute läuft die Druckerpresse geräuschlos, geradezu magisch. Der modernen IT sei Dank!

Die Angst vor Deflation „zwingt“ Mario Draghi und co. zu „unkonventionellen“ Schritten. Inflation bzw. Geldschwäche, seit Monaten in Europa auf historisch niedrigem Niveau, sei kein Problem. Die volkswirtschaftliche „Binsenweisheit“, dass mehr Geld ein schwächeres Geld bzw. ein höheres Preisniveau nach sich zieht, stimme nicht mehr… Von wegen! Wer auf Politik und Notenbanken vertraut, dürfte auch an die vom Osterhasen höchst persönlich gefärbten Ostereier glauben! Können Sie sich erinnern, wie viel eine Pizza zu D-Mark Zeiten kostete? Nein? Ein grober Tipp: In D-Mark in etwa so viel wie heute in Euro! Beim Umrechnungskurs von rund zwei Mark für einen Euro eine schlichte Preisverdopplung. Den Euro gibt es seit 2002. Nach rund 13 Jahren ergibt sich eine satte, wenig schmackhafte Inflationsrate von jährlich ca. 5,5%. Kann unser Bauchgefühl bezüglich des „Teuro“ so sehr irren? Grund genug hinter die Kulissen der Inflationsmessung zu blicken:

Die Basis bildet ein statistischer virtueller Einkaufskorb. Darin sind Ausgaben deutscher Bundesbürger zusammengefasst wie Lebensmittel, Energie und Miete. Umstritten ist die Messung der Verbraucherpreise. Eingerechnete Leistungsverbesserungen können Preissteigerungen massiv unterschätzen. Für ein Handy, welches vor 10 Jahren bspw. 200 Euro kostete, müssten heute ca. 300 Euro ausgegeben werden. Angenommen das heutige Handy sei um das Fünffache leistungsfähiger, dann kostet es in den Augen der Statistiker nur 60 Euro. Im Vergleich zu den ursprünglichen 200 Euro eine Reduktion um 70%. Ein preisdämpfender Effekt obwohl das Handy eigentlich das 1,5-Fache mehr kostet. Ähnlich verhält es sich bei Autos, Computern und Fernsehern. Doch braucht der Verbraucher immer das neueste Handy oder den x-ten Airbag im Auto oder würde er sich mit weniger und billiger zufrieden geben? Bekäme er heute ein neues Handy oder ein neues Auto auf dem Stand von vor fünf Jahren, hätte er also die Wahl? Eher Nein! Nun könnte man auf die verwegene Idee kommen, die Gegenrichtung, also Leistungsverschlechterungen, einzukalkulieren. Doch weit gefehlt. Was nützt ein leistungsstarkes Handy wirklich, wenn es alle paar Stunden geladen werden muss und im Notfall eine Steckdose nicht zur Hand ist? Der schicke Flachbildschirm nach zwei Jahren den Geist aufgibt und man sprichwörtlich in die alte Röhre guckt, zumal diese auch nach 20 Jahren ihren Dienst verrichtet? Was nützen Möbel, die den nächsten Umzug nicht überleben? Früher klopfte man auf echtes Holz und musste nicht das Glück beschwören, hoffentlich etwas Gutes gekauft zu haben.

Doch es geht noch besser. Wird bspw. Steak teurer, dann steigen Verbraucher Stück für Stück auf sagen wir mal das günstigere Schnitzel um. Das Steak verliert an Bedeutung, fliegt aus dem Warenkorb. Ist damit auch der Preisanstieg bedeutungslos? Würde man sich damit nicht ins eigene Fleisch schneiden?

Die USA beherrschen es zweifelsohne wie kaum ein anderer, das Vertrauen der Bürger in den Wert des Geldes nach außen hin zu wahren. Sie haben auch allen Grund dazu. Laut Kritikern wurde die Berechnungsmethodik in den letzten 40 Jahren 20 Mal angepasst. Würden die Verbraucherpreise nach der Methodik von 1980 berechnet, so läge die Inflation bei ca. 8%, rund 7% mehr als offiziell ausgewiesen.

Wem das bereits an die Nieren geht, sollte jetzt lieber nicht weiterlesen. Gesundheit ist wichtig, Gesundheit kostet, doch zugeben mag man dies auch in Deutschland eher nicht. Im Jahr 2005 lag die Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung bei 42.300 Euro, der Beitragssatz inkl. Pflege für Arbeitnehmer bei 8,4%. Zehn Jahre später liegen wir bei 49.500 Euro und ca. 9,4%. Bei einem Verdienst von 50.000 Euro Brutto zahlt man heute 1.100 Euro bzw. rund 30% mehr an die Kranken- und Pflegekasse, eine Teuerung von ca. 2,7% jährlich. Solche Beitragssteigerungen, die mit Einschränkungen auch auf die Deutsche Rentenversicherung übertragen werden können, bleiben bei der Berechnung des Warenkorbes unberücksichtigt. Von Qualitätsverschlech-terungen wie der de facto Streichung eines hochwertigen Zahnersatzes ganz zu schweigen.

Wem die geäußerten Bedenken zu windig erscheinen, wird spätestens jetzt der Wind aus den Segeln genommen. Zwar werden Mietsteigerungen im Warenkorb berücksichtigt, die Anstiege der Immobilienpreise nicht. Eine junge Familie, die sich zum Kauf einer Immobilie durchringt, muss bspw. in München im Vergleich zu 2007 ca. 70% mehr bezahlen, was einer Inflation von rund 7% p.a. entspricht. 70% bemessen sich auf einen hohen Startwert und haben einen massiven Einfluss auf die Kaufkraft der Familie. Die günstigen Darlehenszinsen mögen trösten, sind jedoch bei der Inflationsbetrachtung irrelevant. Vielleicht wäre genügend Eigenkapital vorhanden, ob durch Sparsamkeit oder Erbschaft. Diese sogenannte Vermögenspreisinflation betrifft auch Aktien, Anleihen und Edelmetalle wie Gold und Silber. Vermögensaufbau und Altersvorsorge sind schlicht teurer geworden. Schlichtheit und Bescheidenheit im Alter mögen ehrbare Tugenden sein, außer man gehört zu denjenigen, denen außer Tugend nichts bleibt.

Die meisten Mitbürger zeigen sich sehr tugendhaft, zumal rund 30% ihres Vermögens bei Banken und Versicherungen parken und geradezu darauf warten, von der Geldschwemme mitgerissen zu werden. In sicherer Entfernung auf das Abebben der Flut zu warten mag eine gute Strategie sein, bei Inflation und Geldanlage sicherlich nicht. Politik und Notenbanken sind (un)redlich bemüht, das Vertrauen in den Wert unseres Geldes aufrecht zu erhalten und beten das Mantra der Deflation rauf und runter. Ich fürchte, Glaube und Hoffnung allein reichen nicht aus, Nachdenken und Handeln sind gefragt. Sind Sie bereit dazu?

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