Marktkommentar

Sorgen um Griechenland und eine etwaige Zinswende in den USA bescheren ein schwaches zweites Quartal 2015. Der DAX verliert von Ende März bis Ende Juni 8,5%. Die teils hetzerische Berichterstattung über Griechenland verdeckt die Konstruktionsfehler des Euro und verschleiert nicht zuletzt ein Unwetter, welches sich in China zusammenbraut. Anders als zu erwarten fällt Gold auf ein 5-Jahres-Tief und stellt seine Funktion als Krisenvorsorge in Frage. Ausblickend dürfte sich die Inflations- bzw. Kursspirale weiter drehen, Geld gibt es wie Sand am Meer.

Griechenland

Gerettet! Kurzfristig, ja! Langfristig, nein! Egal mit wem ich spreche, ob Experte oder nicht, die Schuldenprobleme in Griechenland sind aufgeschoben, nicht aufgehoben. Sie werden wohl nie zurückgezahlt werden können. Das Schrecken ohne Ende geht weiter. Obwohl das griechische Volk zu 60% das Sparpaket der Gläubiger abgelehnt hatte, akzeptierte die griechische Regierung die Bedingungen. Hier fällt mir nur ein Wort ein: Hochverrat! Das Spardiktat folgt einem weitreichenden Kalkül. Man drucke Geld aus dem Nichts, vergebe dieses als Kredit an Länder und Menschen, die damit nicht umgehen können. Sitzen diese in der Schuldenfalle und sind erpressbar, wird das Land „geplündert“ und seiner wahren Schätze beraubt. Privatisierungen von Staatsunternehmen, Vergabe von Ölbohrlizenzen für ausländische Firmen, Einräumung von Handelsrechten etc. sind dann an der Tagesordnung. Eine Währungsreform verbunden mit einer deutlichen Abwertung der Drachme und ein Ausstieg aus der Eurozone, liebevoll Grexit genannt, wären zwar kurzfristig sehr schmerzhaft. Langfristig die einzige Chance, von alleine auf die Beine zu kommen und wirtschaftliche sowie vor allem persönliche Freiheit wiederzuerlangen.

Zinsen

Zu den Sorgen um Griechenland gesellten sich Sorgen um eine etwaige Zinswende in den USA. Wie es derzeit aussieht, dürfte ein erster Zinsschritt nach oben im September 2015 durch die US Notenbank FED beschlossen werden. Steigende Zinsen bedeuten Kursverluste bei bestehenden Anleihen, einen Teil davon haben Marktteilnehmer längst eingepreist. Interessant ist, dass die FED bereits Mitte 2013, also vor über zwei Jahren das erste Mal von einer bevorstehenden Zinsanhebung sprach. Ein Zinsschritt muss also bald kommen, um die Glaubwürdigkeit nicht zu gefährden. Sollte der Zinsschritt im September der Beginn vieler weiterer Schritte nach oben sein, dürften uns raue Zeiten bevorstehen. Denn seit der Finanzkrise ist die Staatsverschuldung teils exponentiell gestiegen. Sollte das tiefe Zinsniveau, welches die Tragfähigkeit der Schulden gerade so ermöglicht, steigen, so dürfte sich die griechische Tragödie in weiten Teilen der Welt wiederholen. Ich gehe davon aus, dass das Zinsniveau länger auf diesem tiefen Niveau verharren wird, als viele es sich heute vorstellen können und wir bald wieder über negative Zinsen diskutieren werden.

China

Die tiefen Zinsen scheinen auch in China ihre Spuren zu hinterlassen. Die Aussicht auf Wertsteigerung vor Augen hat viele Chinesen zu Immobilienspekulation auf Pump verleitet. Rund 60 Millionen Wohnungen stehen leer, denn eine leere Wohnung verspricht eine höhere Wertsteigerung. Bleibt die Nachfrage aus und übersteigen die Schulden den sukzessive sinkenden Wert, dürfte eine gigantische Immobilienblase platzen. Das Platzen der Selbigen, welche in den USA beginnend in 2007 zur Finanzkrise führte, lässt grüßen! Geschichte wiederholt sich nicht, sie reimt sich. Zu den Todsünden der Wertpapieranlage zählt das Spekulieren auf Kredit. Leider tun sich hier chinesische Privatanleger ebenfalls hervor. So sehr, dass die chinesische Regierung alles unternimmt, um den taumelnden Aktienmarkt zu stützen. Wobei von „Markt“ nicht die Rede sein kann, Verkäufe von Aktien wurde teils polizeilich verfolgt. Der Kursverfall wurde verlangsamt und teils gestoppt. Da sich der Markt erfahrungsgemäß über kurz oder lang durchsetzt, dürfte es an dieser Front spannend bleiben. Die aufgestauten Schuldenprobleme in China sind (leider) gewaltig. Kein Land hat in den letzten sieben Jahren mehr Schulden angehäuft. Von 2000 bis 2007 verdreifachten sich die Schulden, von 2007 bis 2014 vervierfachten sich diese beinahe. Private, unternehmerische und staatliche Schulden nahmen allein in den letzten sieben Jahren um mehr als 20 Billionen US-Dollar zu. Die Staatschulden der BRD i.H.v. 2,2 Billionen Euro wirken dagegen bescheiden.

Gold

Goldene Zeiten für Gold und Silber könnte man meinen. Doch Fans von Edelmetallen wurden enttäuscht. Gold markierte ein Fünf-Jahres-Tief. Aktien von Goldminenbetreibern notieren teils auf den Ständen von 2002 obwohl sich der Goldpreis seitdem verdreifacht hat. Die Stimmung scheint auf dem Tiefpunkt angelangt, so tief, dass sich ein FAZ Journalist zu der Aussage hinreißen ließ, dass „alles, aber auch wirklich alles derzeit gegen Gold spreche“. Vielleicht sollte sich dieser diesen Marktkommentar durchlesen… Neben massenhaften Verkäufen von Papiergold an der US Rohstoffbörse Comex gibt es handfeste Gründe. China hat in den letzten sechs Jahren „nur“ 600 Tonnen Gold importiert, weniger als erwartet. Wo Schatten, da bekanntlich Licht. Stimmungstiefs markieren i.d.R. Trendwechsel!

Ausblick – Geldflut hält an

Ein Grund dafür liegt am Geld, denn davon scheint es so viel wie Sand am Meer zu geben. So halten Anleger in den USA 11 Billionen Dollar Cash, in Japan 18 Billionen und in China 20 Billionen. Dieses Geld sucht fieberhaft nach Rendite und wird diese über kurz oder lang bspw. in Aktien aber auch Edelmetallen wie Gold und Silber finden. Notenbanken, derzeit insbesondere die EZB, tun (drucken) ihr Übriges, um für Nachschub zu sorgen. Vieles spricht dafür, dass es an der Börse vorerst weiter nach oben gehen wird. Anleger brauchen ein dickes Fell. Die Schwankungen werden zunehmen. Ob es irgendwann ein Ende mit Schrecken geben wird, vermag niemand vorherzusagen. Aber: Die Geldanlage ist immer auch eine Frage der Alternativen. Der Dreimeterturm im Schwimmbad erscheint Vielen bereits hoch. Doch steht man nicht oben, sondern unten und betrachtet diesen vor dem Hintergrund des „Fünfers“ und „Zehners“, so verfliegt die Angst. Wenn Aktien das Drei-Meter-Brett darstellen, so dürften Immobilien beim Fünfer, Staatsanleihen guter Bonität beim Zehner zu finden sein. Staatsanleihen bedeuteten früher risikolose Zinsen, heute eher zinslose Risiken. Wer schließlich das Sprungbrett Griechenlands sucht, sollte nach Acapulco reisen.

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Ein Kommentar zu Marktkommentar

  1. Thomas Trautwein sagt:

    Deutschland schafft trotz guter Konjunktur, relativ niedriger Arbeitslosenquote gerade mal einen ausgeglichenen Haushalt. Die Rückzahlung der 2,2 Bilionen Schulden hat trotz niedriger Zinsen noch nicht begonnen.
    Wie will ein Land wie Grichenland jemals Schulden zurück zahlen – reine Utopie

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