Ein Deflationsschock und seine Folgen

Das Gespenst der Deflation scheint noch immer in den Chefetagen der Notenbanken sein Unwesen zu treiben. Die Lehman Pleite 2008, auch heutiger Sicht ein extremer deflationärer Schock, sollte eine gesamtwirtschaftliche Bereinigung erzwingen. Schlecht wirtschaftende Banken und Unternehmen sollten insolvent gehen und die Gier der Anleger nach Zins und Kurssteigerung einen Dämpfer erhalten. Ein reinigendes Gewitter, das zwar viel Leid bspw. durch Arbeitslosigkeit oder Vermögenseinbußen mit sich gebracht hätte, jedoch vielleicht heute bereits vorbei gewesen wäre und Raum für Hoffnung ließe. Stattdessen griff man in die Zauberkiste und zauberte Geld. Während selbst der beste Magier ein echtes Kaninchen für seinen Zaubertrick braucht, erschufen die Notenbankzauberer um Ben Bernanke alles aus dem Nichts.

Rund sieben Jahre nach der Lehman Pleite holen die Geister, die sie riefen, die magischen Gelddrucker wieder ein. Deutlich abzulesen am letzten Zinsentscheid der FED. Die Chefin der Amerikanischen Notenbank, Janet Yellen, beließ den Zins unverändert bei nahe Null. Die meisten Experten sind von einem ersten Zinsschritt nach oben ausgegangen, zumal dieser Schritt bereits seit zwei Jahren im Raum steht. Begründung: Sorgen um die Weltwirtschaft.

In den letzten Jahren bedeutete der Verzicht auf Zinserhöhungen steigende Kurse bei Wertpapieren. Dieses Mal fallende, insbesondere bei Aktien. Die Anleger scheinen das Vertrauen in die Wirksamkeit der Notenbankpolitik zu verlieren. Ein nächster Deflationsschock könnte in diesem Umfeld gravierende Folgen haben. Grund genug, eine mögliche Wirkungskette näher zu beleuchten:

Solch ein Schock könnte bspw. durch Bankpleiten (siehe Lehman Brothers) oder einem größeren Krieg hervorgerufen werden. Eine größere Bankpleite wirkt sich auf verschiedenen Ebenen aus, entscheidend ist der Vertrauensverlust. Größere Bankpleiten dürften die gesetzlichen Sicherungssysteme sehr schnell überfordern. Die Kundeneinlagen auf Tages- und Festgeldkonten, die letztlich Forderungen gegen die Bank darstellen, würden mit hoher Wahrscheinlichkeit nahezu wertlos. Die Anleihen der Bank verfallen, die Aktionäre verlieren Ihre Einlage, andere Banken werden in den Strudel gerissen (Dominoeffekt). Viele Menschen verlieren Vermögen und Vertrauen. „In der Not muss gespart werden“ besagt ein Sprichwort. Genau das tun jetzt die Menschen. Sie konsumieren weniger, sparen an jeder Ecke. Größere Anschaffungen wie Auto- oder Möbelkauf werden zurückgestellt, Bauvorhaben gestoppt, die Urlaubskasse gestrichen. Die gesamtwirtschaftliche Nachfrage geht zurück und damit die Preise. Experten sprechen von Deflation. Sinkende Preise führen zu schrumpfenden Gewinnen bei Unternehmen und bedingen geringere Steuereinnahmen im Staatshaushalt. Sinkende Gewinne führen zu Entlassungen. Die Arbeitslosenquote zieht an, der Staatshaushalt wird durch Arbeitslosengeldzahlungen und erneute Steuerausfälle zunehmend belastet. Wer arbeitslos ist oder um seinen Arbeitsplatz bangt konsumiert weniger und spart. Die Nachfrage schrumpft erneut, die Preise geben wieder nach. Die sog. Deflationsspirale nimmt ihren Lauf bzw. nimmt Fahrt auf…

Diesen Teufelskreis kann nur ein sich schrittweise etablierendes Vertrauen durchbrechen. Vertrauen im Schnellverfahren bzw. als Schocktherapie wurde nach der Lehman Pleite durch Gelddrucken wiederhergestellt. Doch statt die Ursache, zu hohe Schulden, anzupacken, ist Gelddrucken nichts anderes als neue Schulden aufzuhäufen. Geht das Vertrauen in diese Politik verloren, was derzeit vereinzelt beobachtet werden kann, und kommt es zu einem größeren Deflationsschock, so dürfte mittel- bis langfristig auch das Vertrauen in die Bonität der Staaten und der dahinter stehenden Währungen verloren gehen. Die Deflationsspirale könnte leicht in eine Inflationsspirale münden, die bis zur Hyperinflation reichen könnte.

Wenn Sie sich fragen, was vermögensseitig unternommen werden sollte, kann es leider keine 100% zufriedenstellende Antwort geben. Ein Deflationsschock könnte Bankguthaben treffen, weshalb bei Banken „nur“ Liquiditätsreserven liegen sollten. Deflation bedeutet Kursverluste bei Aktien, Immobilien und Edelmetallen, während Anleihen, die Zahlungsfähigkeit der Schuldner vorausgesetzt, vorerst aufgewertet werden. Über kurz oder lang kann ein größerer Deflationsschock verbunden mit Vertrauensverlust in die Inflation oder gar Hyperinflation münden. Dann wären Aktien, Immobilien und Edelmetalle die bessere Wahl. Forderungen wie Bankguthaben und Anleihen würden wertlos.

Viele Anleger machen den Fehler, eine zu kurzfristige Sicht einzunehmen, die Angst vor Kursverlusten ist nicht wegzureden. Langfristig lehrt die Geschichte, dass Aktien, Immobilien und Edelmetalle in einer vernünftigen Mischung die bessere Alternative darstellen. Wer diesen Weg einschlägt braucht Mut, Durchhaltevermögen und ein dickes Fell. So oder so dürften ungemütliche Zeiten auf uns zukommen, die sicherlich auch Hoffnung mit sich bringen werden!

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