Welcher Anlegertyp sind Sie?

Im internationalen Vergleich ist die Bereitschaft der Deutschen in Wertpapiere, insbesondere Aktien, zu investieren relativ gering ausgeprägt. Während die Aktienanlage in den USA und Großbritannien einen gewichtigen Baustein der Altersvorsorge ausmacht, fristen Aktien in deutschen Depots spätestens seit Platzen der Internetblase im Jahre 2000 ein Schattendasein.

Interessanterweise hat diese Tatsache nichts mit Inflation, Verbrauchervertrauen oder Wirtschaftswachstum zu tun. Kulturelle Unterschiede machen den Unterschied! Grundsätzlich hätte der Deutsche eine wichtige Voraussetzung für langfristigen Anlageerfolg: Er ist geduldig! Im Gegensatz zum Franzosen muss schon viel passieren, damit Deutsche zum Protest auf die Straße gehen. Manchmal ist Geduld von Nachteil, z.B. wenn es um`s kritische Denken bzw. Handeln geht. Untersuchungen zeigen, dass Deutsche sehr staatsgläubig sind. Diese Staatsgläubigkeit „zwingt“ in vom Staat vermeintlich „garantierte“ Anlagen wie Tagesgeld und Bundesanleihen.

Kultur und Tradition stecken in uns und beeinflussen unsere (Anlage-)Entscheidungen. Zu leugnen hätte keinen Zweck, bewusst machen heißt die Devise. Wer seine Stärken und Schwächen kennt bzw. erkennt wird bessere Anlageentscheidungen treffen oder diese schlicht und mit Weitsicht delegieren. Neben Kultur werden unsere Anlageentscheidungen auf individueller Ebene beeinflusst. Wertpapierwissen und Emotionen bestimmen maßgeblich unser Verhalten an der Börse. Grundsätzlich gilt: Je mehr Wertpapierwissen und je geringer die Emotionalität bei Anlageentscheidungen, desto besser sind die Anlageergebnisse. Es lassen sich grob vier Anlegergruppen unterscheiden: Die Profis, die Rationalen, die Spieler und die Intuitiven.

Der Profi

Der Profi trifft die vermeintlich besten Anlageentscheidungen. Denn er verfügt sowohl über hohes Wertpapierwissen als auch über geringe Emotionalität. Anlageentscheidungen werden i.d.R. selbst getroffen und umgesetzt. Der Profi hat von allen vier Anlegertypen den geringsten Beratungsbedarf, eher wird er nach einem Sparrings- und Diskussionspartner und damit nach neuen Ideen und kritischer Reflexion suchen.

Der Rationale

Auch dieser Anlegertyp hat seine Emotionen im Griff, es fehlt das umfangreiche Wissen. Der Beratungsbedarf ist höher als beim Profi, es geht vordringlich um Wissensvermittlung. Eine gute und zu ihm passende Anlagestrategie wird der Rationale i.d.R. selbst gut umsetzen können. Er wird für sich recht schnell entscheiden, ob er sich die Umsetzung selbst zutraut oder Anlageentscheidungen an Vermögensverwalter delegiert.

Der Spieler

Eigentlich kann er es. Er verfügt über einen hohen Kenntnisstand. Wären da nicht seine Emotionen, die mit ihm manchmal durchgehen. Der Spieler braucht bzw. muss sich Regeln setzen. Er muss erkennen, dass die größte Gefahr im hohen Wissen steckt bzw. emotionaler Selbstüberschätzung. Der Beratungsbedarf ist höher als bei den beiden zuvor, es geht um psychologische Aspekte. Der Spieler sollte immer wieder daran erinnert werden, dass Investieren und nicht Spekulieren im Vordergrund steht. Eine Anlagestrategie sollte durchgehalten werden. Gewisse Freiheiten sollten dabei erhalten bleiben, ein kleines Spieldepot könnte sich anbieten. Die Umsetzung von Anlageentscheidungen durch Dritte wäre sinnvoll.

Der Intuitive

Der Intuitive wird i.d.R. von allen Vier die schlechtesten Anlageentscheidungen treffen. Diese können aus mangelndem Fachwissen als auch erhöhter Emotionalität resultieren. Der Beratungsbedarf ist in dieser Gruppe am höchsten. Die Delegation von Anlageentscheidungen und deren Umsetzung „zwingen“ sich hier förmlich auf. Wer meint, er sei weit von dieser Gruppe entfernt, sollte bedenken, dass rund 75% aller Anleger zu den Intuitiven zählen!

Wie bereits weiter oben beschrieben geht es nicht darum, mit dem Finger auf jemanden zu zeigen, es geht um Selbsterkenntnis und mehr Anlageerfolg. Diese Erkenntnisse gelten für Amerikaner, Briten und Deutsche gleichermaßen. Kulturelle Unterschiede bestimmen, ob die Wertpapieranlage überhaupt in Betracht gezogen wird. Den Deutschen sei geraten, Ihrer Staatsgläubigkeit bewusst zu werden und sich mit dieser kritisch auseinanderzusetzen. Die Hyperinflation 1923 sowie die Währungsreform 1948 sind geschichtliche Fakten. Geschichte wiederholt sich nicht, jedoch reimt sie sich!

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