Was haben Weltkonjunktur, Gold und Euro mit Indien zu tun?

2017 verspricht ein spannendes, wenngleich vermutlich ein sehr schwieriges, auf allen Ebenen ein herausforderndes Jahr zu werden. Ein Grund hierfür unter vielen dürfte Indien sein. Ein Land, welches in unserer Presse eher kurz kommt.

Zu Unrecht! In Indien leben 1,3 Milliarden Menschen. Damit belegt es mit China die vorderen beiden Plätze. Weit abgeschlagen folgen die USA mit ca. 300 Millionen Menschen. Die Wachstumsschwäche Chinas der letzten drei Jahre hat Indien eindrucksvoll abgefedert, wuchs das Land doch mit 7% pro Jahr. Ein Wachstum welches nicht zuletzt auf die Zunahme der Bevölkerung zurückzuführen war.

Weitgehend unbemerkt, ganz im Schatten der Wahlen in den USA Anfang November passierte etwas Ungeheuerliches. Ohne Not, ohne Ankündigung, über Nacht führte Indien eine Art Währungsreform durch. Nahezu alle bisherigen indischen Banknoten werden nicht mehr als Zahlungsmittel akzeptiert. Die alten Geldscheine dürfen zwar in neue getauscht werden, allerdings nur 2.000 Rupien (ca. 28 Euro) am Tag, was ca. 10.000 Euro pro Jahr bedeutet. Pro Woche dürfen Inder nur 20.000 Rupien (ca. 280 Euro) Cash abheben. Dieser massive Eingriff in das Geld bzw. den Geldfluss ähnelt einer Vollbremsung auf der Autobahn im dichten Berufsverkehr. Warum macht Indien das? Die Antwort dürfte abseits unserer Vorstellungskraft liegen. Gleichwohl dürfte die indische Wirtschaft massiv gebremst werden. Die Unsicherheit greift um sich. Den Menschen fehlt es an Liquidität um zu konsumieren,  Unternehmen verschieben Investitionen. Auch ausländische Investoren stoppen Investitionen, ziehen Gelder ab. Die Auswirkungen der Währungsreform sind bereits wenige Wochen später zu spüren. Der Einkaufsmanagerindex Indiens, ein Gradmesser für die wirtschaftliche Entwicklung, fiel auf einen Wert von unter 50 und signalisiert eine Schrumpfung der Wirtschaftsleistung. Es dürfte nicht allzu lange dauern bis sich auch die Weltkonjunktur einer Abkühlung gegenübersieht.

Dem einen oder anderen Leser dürfte aufgefallen sein, dass der Gold- und Silberpreis seit den US-Wahlen deutlich nachgegeben hat. Gold hat sich in US-Dollar gerechnet um mehr als 15% verbilligt. In den Medien wurden unisono der stärkere US-Dollar sowie steigende US-Zinsen zur Begründung herangezogen. Meiner Meinung spielte Indien eine wesentlich wichtigere Rolle. Das Land gilt als weltweit größter Goldnachfrager, gefolgt von China. Seit August 2015 müssen sich Inder beim Kauf von Gold registrieren lassen. Verheiratete Frauen dürfen maximal 500 Gramm Gold, ledige 250 und Männer 100 Gramm Gold besitzen. Der übersteigende Betrag wird konfisziert oder mit drakonischen Steuern belastet. Die Währungsreform tat ihr Übriges, um die indische Goldnachfrage auf Talfahrt zu schicken. Oder würden Sie an Gold denken, wenn Sie knapp bei Kasse sind?

So mancher spekuliert darauf, dass sich der Goldpreis im Verlauf von 2017 in Richtung 600 bis 700 US-Dollar bewegen, sich also fast halbieren könnte. Spätestens dann dürften zittrige Hände aus dem Markt getrieben werden. Wer die Nerven behält, greift dann beherzt zu. Bedenken Sie bitte: Ein Goldpreis von deutlich unter 1.000 US-Dollar würde die meisten Goldminenbetreiber in Bedrängnis bringen, weil die Förderkosten einer Unze Gold bei ca. 1.000 US liegen. In der Folge dürften einige Betreiber mit geringen Kapitalpuffern in die Insolvenz getrieben. Die Förderung von Gold würde sinken, das geringe Angebot den Preis über kurz oder lang stabilisieren.

Und was hat Indien mit dem Euro zu tun? Entgegen früherer Artikel glaube ich, dass der Euro nicht etwa crashen, sondern zunehmend stärker werden wird. Unplausibel? Ja, aber nur auf den ersten Blick. Die Währungsreform in Indien hatte zur Folge, dass die Geldmenge sowie der Geldfluss abrupt gesunken sind. Eine sinkende Geldmenge bedeutet ein sinkendes Angebot an Geld. Bei gleicher Nachfrage steigt der Preis einer jeden Geldeinheit, jede Rupie wird damit immer wertvoller. Und tatsächlich sowohl zum Euro als auch zum US-Dollar ist die Rupie erstaunlich stabil. Bei einem indischen Leitzins von 7%, der auf recht hohe Inflation oder eine schwache Währung schließen ließe, ein erstaunliches, wenngleich folgerichtiges Phänomen. In Indien crasht gerade nicht die Währung, sondern die Wirtschaft. Und in der Eurozone? Hier wird es auch zu einem Crash kommen, doch crashen werden einige Staaten wie Italien, Griechenland und co. Deren Staatsschulden mitsamt fauler Kredite bei Banken fallen aus. Wenn Schulden sinken, müssen auch Vermögen sinken, denn Forderungen fallen aus. Gläubiger Italiens, Griechenlands und co. verlieren ihr Vermögen. Es kommt zum gleichen Effekt wie in Indien, die Geldmenge sinkt. Weniger Euro bedeutet einen stärkeren Euro. Wer nach der Pleitewelle noch Vermögen bzw. Euro hat, kann sich glücklich schätzen. Wer Schulden hat nicht. Denn Darlehen bzw. die Forderungen der Bank gegen den Schuldner werden wertvoller. Die zu Hauf aufgenommenen Schulden der Häuslebauer könnten sich demnach als Bumerang erweisen. Jedem Darlehensnehmer kann nur geraten sein, möglichst sämtliche Sondertilgungsmöglichkeiten auszunutzen und den Kredit sobald wie möglich zurückzuzahlen.

Das Jahr 2017 wird es in sich haben. Umso mehr: Allen ein gesundes, erfülltes, friedliches neues Jahr.

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