Übermut tut selten gut

„Die Hausse nährt die Hausse“ heißt ein alter Börsianerspruch. Und tatsächlich, die Hausse seit März 2009 dauert mit gewissen Unterbrechungen bereits 8 Jahre, eine im historischen Vergleich eher lange Zeit. Die Gründe, die im Gelddrucken und Tiefzins der Notenbanken zu finden sind, sollen an dieser Stelle nicht näher betrachtet werden. Doch es gibt untrügliche Zeichen, dass sich die Hausse einem womöglich schmerzlichen Ende nähert und in eine Baisse münden könnte.

Ein Vorbote ist der Anleger selbst. Selbstsicherheit und damit eine gewisse Leichtfertigkeit oder gar Selbstüberschätzung haben in den letzten Monaten zugenommen. Zumindest in meiner Funktion als Honorarberater, wo es gilt, Kunden bei Fragen zu Anlagestrategie, Depotaufstellung und Gesamtvermögensplanung zur Seite zu stehen, ist dieser Trend zu spüren: „Einfach einige ETFs bzw. Indexfonds kaufen, liegen lassen, es wird schon irgendwie“ lautet die Devise. Ich spreche hier teils von Kunden, die durchaus erfahren sind, das Platzen der Dotcomblase 2000 sowie die Finanzkrise 2008 mitgemacht haben. Auch die Wirtschaftspresse und einschlägige Börsenmagazine berichten zunehmend sorglos. Es geht fast ausschließlich um die Frage, wie Performance im Niedrigzinsumfeld generiert werden könne, von Mechanismen zur Verlustbegrenzung im Depot und Gesamtvermögen ist selten die Rede. Genährt wird der allgemeine Sinneswandel wiederum von der 8 Jahre währenden Hausse und der wachsenden subjektiven Sicherheit „es geht ja immer weiter nach oben, irgendwie“.

Privatanlegern, die Anlageentscheidungen selbst oder wieder selbst in die Hand nehmen, sei gesagt: Wissenschaftliche Studien (Artikel) legen nahe, dass 75% der Anleger über wenig Anlagewissen verfügen und sich von Emotionen leiten lassen. Zwei Faktoren, die nicht unbedingt Anlageerfolg verheißen. Wichtiger denn je ist es, sich selbst zu (er)kennen, sich eigener Stärken und Schwächen bewusst zu werden, und erst dann Entscheidungen zu treffen.

Neben dem Anlegerverhalten, welches als Kontraindikator für weiter steigende Kurse spricht, mahnen auch weltwirtschaftliche Entwicklungen zur Vorsicht. Unter dem Einfluss einer plötzlichen Währungsreform, welche hier ausführlich beleuchtet wurde, hat die indische Wirtschaft eine Vollbremsung hingelegt. Indien war in den letzten drei Jahren der Wachstumsmotor der Weltwirtschaft. Ein jähes Ende des Wachstums droht…

„Die Hausse nährt die Hausse“, doch wie sie kommt, so geht sie auch und die Bären übernehmen das Feld. Es ist ratsam, in den nächsten Monaten und vielleicht sogar Jahren dem Markt wieder mit mehr Respekt oder gar Demut zu begegnen. Und Schutzschilde im Depot und Gesamtvermögen hochzufahren.

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