Stagflation voraus

Das Jahr 2018 verlief an der Börse äußerst schwierig und dürfte vermutlich allen noch in den Knochen stecken. Laut einer Studie der Deutschen Bank waren über 90% aller Anlageklassen weltweit im Minus. 1929, zu Zeiten der Großen Depression, gerade mal 75% aller Anlageklassen. Wir haben eine der größten Krisen miterlebt, nur dass sich diese nicht wie eine Krise anfühlte. Auf die Frage des „Warum“ soll hier bewusst verzichtet werden, es gibt de facto keine plausible Erklärung, mal abgesehen vom zu stark, zu schnell gestiegenem Zinsniveau der Amerikanischen Notenbank FED. Nun heißt es Farbe bekennen und zum ersten Mal in der Historie dieses Blogs legt sich der Autor fest: Die Zeiten stehen auf Inflation bzw. Stagflation.

Folgende Gründe stehen im Vordergrund:

  • Entgegen vieler Expertenmeinungen ist und war niemals die Deflation unser Hauptproblem. Dass Preise zurückgehen oder stagnieren und mehr noch das Geld seiner eigentlichen Wertaufbewahrungsfunktion gerecht wird, ist durchaus wünschenswert. Vermögen bleibt real, also nach Inflation, erhalten, Bürger und Unternehmen können planen, müssen keine unüberlegten, inflationsgetriebenen Entscheidungen treffen. Unternehmen werden wiederum gezwungen, Geschäft und Prozesse zu hinterfragen und innovativer zu werden. Hauptfeind der Wirtschaft und des Vermögens ist eindeutig die Inflation. Gerade die starken, galoppartigen Preisanstiege können über Nacht Geldwerte wie Cash, Bankguthaben, Lebensversicherungen nahezu komplett entwerten. Beispiele gibt es genug: Hyperinflation 1923 und Währungsreform 1948 in Deutschland, jüngst die Hyperinflation in Zimbabwe und 2018 in Venezuela. Gerade politisch ist Inflation das „bevorzugte“ Szenario. Statt Bürger bzw. Wähler mit Steuererhöhungen und Sozialausgabenkürzungen zu vergraulen, lassen sich Defizite über immer neue Schulden und Gelddrucken kaschieren. Eine Frage der Zeit bis das Vertrauen in die Stabilität des Geldes verloren geht und das Kartenhaus ins Wanken gerät.
  • Neben einem erodierenden Vertrauen in die eigene Währung bzw. die Geldwertstabilität werden vor allem Rohstoffe die Haupttreiber der kommenden Inflationsjahre sein. Zur Messung von Inflation wird ein Warenkorb zugrunde gelegt. Dieser besteht zu rund 10% aus vom Öl abhängenden Waren sowie zu 10% aus Lebensmitteln (Agrarrohstoffen). Rund ums Öl baut sich derzeit eine Katastrophe auf. Hierzu sollte man wissen, dass täglich weltweit ca. 88 Millionen Barrel (159 Liter) Öl verbraucht werden. Schier unvorstellbare 44 Supertanker, die jeweils 2 Millionen Fass fassen und auf den Weltmeeren schippern, werden täglich verbraucht. Viel Wirbel gab und gibt es rund um den Iran. Der Iran stellt täglich rund 5 Millionen Barrel Öl her kontrolliert die Straße von Hormus. Hier muss das Öl das Nahen Ostens, ca. 30% der Gesamtproduktion, durch. Die Bedeutung des Iran ist unübersehbar und doch scheint sich die Schlinge rund um das Land immer enger zu ziehen. Donald Trump will die bereits verhängten Sanktionen verschärfen, das Vermögen Irans wird eingefroren, Deutschland hat jüngst ein Flugverbot über Irans Mahan Air verhängt, Israel bombardiert iranische Stellungen in Syrien. Wird hier bewusst ein Krieg provoziert? Eine kriegerische Auseinandersetzung könnte den Ölpreis über Nacht in ungeahnte Höhen katapultieren, eine Verdopplung wäre vermutlich noch harmlos. Dieser Ölschock würde die Inflation ebenfalls über Nacht nach oben katapultieren. Bei einer Gewichtung des vom Öl abhängigen Anteils an unserem Warenkorb von 15% und einer Verdopplung des Ölpreises, könnte die Inflation, halten die hohen Preise länger an, auf 15% springen.
  • Mit Anstieg des Ölpreises würden auch Transport- und Produktionskosten ansteigen und damit u.a. Lebensmittel teurer machen. Auch wenn diese einen relativ geringen Anteil am allgemeinen Warenkorb haben, werden vor allem ärmere Bevölkerungsgruppen am stärksten leiden. Gerade bei Lebensmitteln dürfte künftig ein weiterer Aspekt an Bedeutung gewinnen: Die Natur. In den letzten Jahren haben Überschwemmungen, Dürren, Orkane, Erdbeben, Vulkanaktivitäten deutlich zugenommen. Tendenz, auch der Schäden, steigend. Diese Naturphänomene wirken direkt auf Preise von Agrargütern. So hat bspw. die Dürre 2018 dazu geführt, dass sich der Preis für Kartoffeln verachtfachte.
  • Ein vermutlich alles entscheidender Inflationsfaktor dürfte bei den Notenbanken liegen. Aufgrund der rekordhohen weltweiten Verschuldung, die sowohl Staaten als auch Unternehmen und Privathaushalte betrifft, können bzw. dürfen die Zinsen nicht zu stark steigen. Schuldner würden unter der Zinslast Schritt für Schritt zu Fall gebracht. Der Dominoeffekt würde unser heutiges Finanzsystem ebenfalls zu Fall bringen. Auf einen Ölpreisschock, dem nicht nur Inflation, sondern auch Stagnation (= Stagflation) bzw. Rezession in der Realwirtschaft folgen dürfte, würden die Notenbanken aller Voraussicht nach „altbewährt“ reagieren: Sie dürften die Schleusen weit öffnen und mehr Geld drucken als jemals zuvor. Das Vertrauen der Bürger in die Stabilität des Geldes dürfte endgültig erodieren. Die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes würde zunehmen und die Inflation in ungeahnte Höhen schnellen.

Die letzte Periode der Stagflation war in den 1970ern zu beobachten. Mit erstaunlich ähnlichen Mustern. Zum einen gab es zwei Ölpreisschocks, die u.a. dazu führten, dass auf deutschen Autobahnen Tempolimit 100 eingeführt wurde und ein Sonntagsfahrverbot folgte. Erschwerend kam hinzu, dass die USA im Jahre 1971 den Goldstandard einseitig aufhoben. Der Stabilitätsanker des Geldes wurde gelichtet, der Goldpreis verzwanzigfachte sich bis Anfang der 1980er Jahre. Da hohe Inflationsraten bzw. Preissteigerungen nicht von allen Unternehmen an die Verbraucher weitergegeben werden können, mussten Firmen Gewinneinbußen hinnehmen, die Arbeitslosigkeit stieg. Die Wirtschaft stagnierte oder rutsche in die Rezession ab. Der Begriff der Stagflation wurde geboren. Das Gespenst der Stagflation wurde besiegt als Paul Volcker als neuer US Notenbankchef den Leitzins auf bis zu 20% anhob. Aus heutiger Sicht schier unvorstellbar bzw. aufgrund der rekordhohen weltweiten Verschuldung unmöglich. Übrigens: Von 1980 bis 2000 folgten die vermutlich besten Aktienjahre. Der weltweite Aktienindex MSCI World legte im Schnitt rund 16% jährlich zu.

Was ist zu tun?

Ehrlich gesprochen sind die Folgen kaum in ihrer Gänze zu überblicken bzw. zu Ende zu decken. Zumal sich diese nicht nur auf das Finanzielle, sondern bspw. auch auf das Gesundheitliche auswirken dürften. Vermögensseitig sollte man sich Wohl oder Übel auf reale, also inflationsbereinigte Verluste einstellen. Hingegen sollten vor allem Totalverluste vermieden werden. Diese beginnen bereits bei mindestens 70%, denn eine Aufholung ist ab da de facto nahezu ausgeschlossen. Gerade real und damit puffernd bei Inflation dürften sich folgende Anlageklassen relativ zu anderen Vermögenswerten gut behaupten: Aktien, Immobilien, Edelmetalle, Rohstoffe, Kryptowährungen. In den nächsten Wochen soll im Rahmen weiterer Artikel jede dieser Anlageklassen kritisch hinterfragt werden. Auch der eine oder andere Tipp kommt zur Sprache. Der erste Tipp bereits vorab: Machen Sie sich nicht verrückt. Alles Schlechte wird auch sein Gutes haben.

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