Stagflation voraus – Investition in Aktien

Das Szenario der Stagflation gleist sich mehr und mehr auf. Während sich Wirtschaftsdaten wie der Ifo-Geschäftsklimaindex verschlechtern (Stagnation, rezessive Tendenzen) verdichten sich Anzeichen für Inflation. Ein wesentlicher Aspekt der Inflation sind steigende Preise, verursacht bspw. durch einen Krieg mit dem Iran. Und siehe da, in der Presse wird offen das Wort Krieg im Zusammenhang mit dem Iran genannt, die nächste Eskalationsstufe. Jüngst wurden Sanktionen gegen hochrangige Politiker und geistige Führer verhängt. Gleichzeitig rücken FED und EZB von der eigentlich eingeschlagenen Zinsnormalisierung ab. Steigende Zinsen als Mittel zur Bekämpfung der Inflation rücken scheinbar in die Ferne. Die erhöhte Liquidität sollte in den nächsten Wochen für Rückenwind an der Börse sorgen. Soweit zum Update zur aktuellen Marktlage. Der Rücksetzer am Aktienmarkt im August hat den einen oder ins Grübeln gebracht. Wenn doch die Rezession im Anmarsch ist, muss ich doch Aktien verkaufen, oder? Ein guter Zeitpunkt, sich das Aktieninvestment näher anzuschauen.

Die Beteiligung an Unternehmen war historisch eine der besten Möglichkeiten, um sich vor Inflation zu schützen bzw. um das eigene Vermögen nach tiefgreifenden Veränderungen wie Krieg, Währungsreform oder Hyperinflation möglichst zu bewahren. Denn Unternehmen werden immer gebraucht: Sie stiften Lohn & Brot und stellen in der Breite Dinge her, die wir brauchen. Im Falle der Stagflation gibt es zwei unterschiedliche Effekte, die auf Aktien wirken: Einerseits wirkt Stagflation bzw. Rezession negativ auf die Kursentwicklung, denn Gewinne fallen. Besonders stark vom Öl abhängige Sektoren wie Luft- und Schifffahrt oder die Chemiebranche könnten im Falle eines Ölschocks, ausgelöst durch einen Krieg mit dem Iran, stark leiden. Hohe Ölpreise führen zu steigenden Kosten und fallenden Gewinnen. Dies trifft über kurz oder lang nahezu alle Unternehmen. Andererseits hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass einige Unternehmen steigende Kosten an die Verbraucher weitergeben können. Dies sorgt für eine Stabilisierung der Gewinnentwicklung. Dazu gehören Branchen wie Nahrungsmittel oder Pharma. Sektoren wie Öl, Gas, Strom könnten ausgesprochene Profiteure sein, denn steigende Öl-/Energiepreise befeuern geradezu die Gewinne.

Ein allgemein unterschätzter Faktor ist der Realzins, also der Zins abzüglich der Inflation. Bei einem aktuellen Zins von Null der EZB und einer offiziell ausgewiesenen Inflation von 1,5% beträgt Realzins minus 1,5%. Eine jährliche reale Entwertung des Geldes von 1,5%, subtil und schleichend. Der Anteil des Öls an unserem Warenkorb macht ca. 10-15% aus. Eine anhaltende Verdopplung des Ölpreises könnte eine Inflation von 10% zur Folge haben. Ein nahezu konstantes Leitzinsniveau von Null unterstellt, denn die weltweit rekordhohe Verschuldung erlaubt eigentlich keine steigenden Schuldzinsen (ein durchaus möglicher Zinsschock wird an anderer Stelle diskutiert), sinkt der Realzins auf minus 10%. Ein Niveau welches selbst den hartnäckigsten „Tages- und Festgeldliebhaber“ zum Nachdenken bringt. Die Folge: Eine Flucht in Sachwerte, vor allem liquide und schnell erwerbbare. Ja, auch Aktien! Ähnliches inflationäre Ungemach droht Anleihebesitzern, egal ob privat im Depot oder indirekt in einer Lebens- und Rentenversicherung steckend. Ein Gedankenexperiment: Die weltweite Kapitalisierung von Aktien beträgt grob 70-80 Billionen US-Dollar, die von Anleihen 200-210 Billionen US-Dollar.

Würde die Flucht in Sachwerte zur Umschichtung eines Drittels der Anleihekapitalisierung in Aktien führen, so würden sich ceteris paribus die Aktienkurse bzw. die Aktienkapitalisierung verdoppeln.

Bei solch einer „Katastrophenhausse“ spielen Gewinne oder Kenngrößen wie Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) eine zunehmend untergeordnete Rolle, Hauptsache Sachwerte.

Tipp: Eine der kurz- bis mittelfristig gefragtesten Branchen dürfte im Falle eines Ölschocks Öl & Gas sein. Steigende Öl- und Gasnotierungen dürften die Gewinne sprudeln lassen, denn noch sind wir stark von Öl und Gas abhängig. Solche Investments lassen sich durchaus als Versicherung gegen steigende Öl- und Gaspreise sehen. In diesem Zusammenhang sticht ein Land hervor, Russland. Ein Land, welches reich an Öl- und Gasvorkommen ist und militärisch aus dem Nahen Osten nichts zu befürchten hat. Gleichzeitig mit guter Anbindung nach Europa und Asien. Hinzu kommt die vergleichsweise günstige Bewertung russischer Aktien. Während der DAX ein KGV von rund 15 und die USA von rund 20 aufweisen, können russische Unternehmen mit einem durchschnittlichen KGV von 3-6 glänzen.

Zum Schluss: Gerade im beschriebenen Szenario der Stagflation samt möglicher Katastrophenhausse sind zwei vermeintlich simple, eherne Gesetze zu beachten: Streuen Sie möglichst breit und halten Sie an der gewählten Anlagestrategie, also der zuvor hergeleitete Aktienquote am Gesamtvermögen, fest!!! Wem die Einhaltung dieser Gesetze schwerer fällt, das Börsenwissen ist in der Regel begrenzt, die Emotionen gefühlt grenzenlos, sollte jemanden haben, der unter die Arme greift und die Gesetzmäßigkeiten in Erinnerung ruft.

Im nächsten Teil der Serie zur Stagflation geht es um Edelmetalle wie Gold, Silber und Platin.

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