Stagflation voraus – Investition in Gold, Silber und Rohstoffe

Über ein Jahr ist seit dem letzten Artikel vergangen. Das Corona-Jahr 2020 liegt hinter uns. Die Aktualität der Artikelserie zur Stagflation ist größer denn je, wer hätte das Mitte 2019 (Beginn der Serie zur Stagflation) gedacht. Die Zeit für angemessene und sinnvolle Investitionsentscheidungen drängt. Dieser Artikel widmet sich den, laut Meinung des Autors, am besten geeigneten Anlageklassen für die kommenden 5 Jahre.

Corona als Brandbeschleuniger für Stagnation, Rezession und Inflation

Corona war eines der hier mehrfach erwähnten Schwarzen Schwäne. Niemand hätte mit weltweit beinahe orchestrierten Lockdowns, Lieferkettenunterbrechungen und Corona 24/7 in den Medien rechnen können. Sei`s drum, eines haben die ergriffenen Maßnahmen bedingt: Sie wirkten wie ein Brandbeschleuniger auf das prognostizierte Szenario der Stagflation. Niemand wird bestreiten, dass die Welt 2020 in die Stagnation bzw. Rezession abgeglitten ist. Ganze Branchen wie Luftfahrt, Touristik sowie das Hotel- und Gaststättengewerbe darben oder stehen vor dem finanziellen Ruin. Bis zu 6 Millionen Beschäftige (04/2020) in Deutschland waren zu Spitzenzeiten in Kurzarbeit. Kurzarbeit – ein Euphemismus für verdeckte Arbeitslosigkeit. Allein der Dominoeffekt der genannten Brachen könnte ausreichen, um uns auf Jahre in der Rezession zu halten oder gar zur Depression zu führen. Der Markt antizipierte das und schickte den u.a. den DAX innerhalb weniger Wochen um rund 40% in den Keller.

Doch was ist mit der Inflation? Laut offiziellen Zahlen lag diese zuletzt eher bei 1% denn 5%, 10% oder mehr. Hier lohnt ein genauer Blick. Zu nennen wäre die Vermögenspreisinflation, die weiterhin keinen Eingang in die Inflationsmessung findet. Auf die Pandemie reagierten Notenbanken und Staaten mit beispiellosem Gelddrucken und schuldenbasierten Hilfsmaßnahmen. Allein die Notenbanken dürften 2020 schätzungsweise 10 Billionen US-Dollar aus dem Nichts erschaffen haben. Die Banken, die über das Geld zuerst verfügen können, dürften diese Summen durch Kreditvergabe verzehnfacht haben. Nur so lässt sich die kometenhafte Erholung von Aktien und Anleihen ab April/Mai 2020 erklären. Immobilienpreise stiegen ebenfalls kräftig. Allein in Deutschland ca. 9% in den Ballungsräumen. Und ja: Gold erreichte neue nominale Höchststände von bis zu 2.050 US-Dollar pro Feinunze (31,1 Gramm). Wollte sich heute jemand in den beschriebenen Anlageklassen engagieren, dürfte er die Inflation deutlich spüren. Die Anstiege der Vermögenspreise sind unübersehbar und dennoch gibt es eine weitere, nicht beachtete, verdeckte Komponente. Inflation durch Nichtleistung bzw. Qualitätsverschlechterung. Haben Sie bspw. für einen Campingdauerstellplatz für ein Jahr im Voraus bezahlt, so konnten Sie diesen aufgrund von Lockdown und co. maximal die Hälfte der Zeit nutzen (= hälftige Nichtleistung bzw. 50% Inflation). Sind Sie Inhaber von Dauerkarten für Museum, Theater, Oper, Sport etc., dürfte es Sie noch schlimmer getroffen haben. Und auch der Unterricht oder Studium Ihrer Kinder von daheim aus, ist qualitativ deutlich schlechter zu bewerten als Präsenzunterricht. Ihre Steuergelder verpuffen in der zugedachten Wirksamkeit, so wie das Geld durch Inflation schrittweise verpufft. Ich gehe davon aus, dass die bislang eher verdeckte Inflation zunehmend Eingang in unseren Warenkorb findet und sich für jedermann offensichtlich manifestieren wird. Und ja, der 2020 stark gefallene Ölpreis, der bislang tatsächlich inflationsdämpfend wirkte, scheint sich langsam aber sicher in die andere Richtung aufzumachen.

Edelmetalle und Rohstoffe als Favoriten

Wie eingangs erwähnt, drängt nun die Zeit. Ich erachte folgende Anlageklassen für relativ gut geeignet, um in den kommenden Jahren zu bestehen: Die Edelmetalle Gold, Silber und mit gewissen Fragezeichen Platin sowie Rohstoffe. Im Gegensatz zu Aktien haben diese Anlageklassen einen entscheidenden Vorteil. Im Falle von Lieferkettenunterbrechungen, die 2020 an vielen Stellen zu spüren waren, würden die Preise relativ stabil bleiben oder sogar steigen. Sollten bspw. die Seewege von Öltankern behindert sein, egal ob durch weitere Pandemien, Naturkatastrophen oder Kriegshandlungen, kann die Nachfrage nicht adäquat bedient werden. Der Preis steigt. Nun, dann könnte man doch Ölaktien wie Shell, BP oder Equinor kaufen, oder? Grundsätzlich ja, doch die Fallstricke sind vielfältig. Eine Firma wie Shell unterhält bspw. Ölförderanlagen in Saudi-Arabien. Käme es zu Kriegshandlungen mit dem benachbarten Iran dürfte die Ölproduktion in diesen Ländern zum Erliegen kommen. Das Angebot sinkt, der Ölpreis steigt. Shell kann das in anderen Ländern geförderte Öl teurer verkaufen, muss jedoch Abschreibungen in Saudi-Arabien vornehmen. Jedes unvorhergesehene Ereignis ist grundsätzlich geeignet, um den Rohstoffsektor in die Höhe zu treiben, so wie jedes dieser Ereignisse Firmen hart treffen kann. Nicht zu vergessen sind Management-Risiken à la Wirecard. Rohstoffe sind dagegen immun.

Auch bei Edelmetallen ist die Bedeutung funktionierender Lieferketten deutlich geworden. Rund zwei Drittel der Prägung von Gold und Silber erfolgt in der Schweiz. Zwei Effekte waren zu beobachten: Die Edelmetallproduzenten konnten/durften aufgrund des weltweiten Lockdowns nicht fördern bzw. ausliefern. Die Prägeanstalten in der Schweiz konnten nicht prägen bzw. aufgrund geschlossener Grenzen exportieren. Ergebnis: Wochenlang bekam man bei Edelmetallhändlern entweder überhaupt nicht oder kaum physisches Gold und Silber. Während also die physische Nachfrage krisenbedingt stieg, versiegte das Angebot. Es ist ungemein wichtig, physische Bestände vorzuhalten, um sich größtmögliche Unabhängigkeit und Freiheit gerade in schwierigen Zeiten zu erhalten.

Edelmetalle – am besten physisch

Bei der Investition in Edelmetalle sollte folgende Rangfolge unbedingt eingehalten werden:

  1. Physischer Kauf in Form von Münzen und Barren
  2. Aktien von Minenbetreibern
  3. Sonstige Investments wie physisch besicherte Zertifikate

Wer sich vor der Lagerung, dem größten Nachteil physischer Bestände, nicht scheut, dürfte am besten fahren. Nahezu sämtlichen Szenarien wie Lieferkettenunterbrechung, Börsenschließungen und verordnete Verbote lässt sich begegnen. Dabei dient Gold eher der Wertaufbewahrung, während sich Silber am besten als Zahlungsmittel eignet. Beide Metalle können in Unzenform (31,1 Gramm) erworben werden. Silber dürfte sich in den nächsten Jahren besser als Gold entwickeln. Entgegen einer ersten Vermutung ist Silber knapper als Gold, der Markt relativ klein. Die Preissensitivität gegenüber einer steigenden Nachfrage ist hoch. Auch die vielfältigen Möglichkeiten in der industriellen Anwendung, vor allem im Bereich der (antiseptischen) Medizin, sprechen dafür, dass Silber im Gesamtvermögen nicht fehlen sollte.

Bei Minenaktien braucht man sich über die Lagerung keinen Kopf zu zerbrechen, diese liegen einfach im Depot. Minen haben in der Regel einen Hebel auf den jeweiligen Preis. Sind die Produktionskosten tief und der Preis des Edelmetalls zieht an, steigt der Gewinn überproportional. Die Streuung über Firmen und Länder lässt sich sehr gut darstellen. Wie bei allen Aktien bleibt das Problem etwaiger Lieferkettenunterbrechungen oder gar Börsenschließungen. Daher sollten Minenaktien maximal eine Beimischung sein. Sonstige Investments sollten, wenn überhaupt, eher kurzfristiger Natur sein. Leider haben Edelmetalle aber auch Rohstoffe derzeit noch den Malus, dass sie in US-Dollar berechnet und ausgewiesen werden. Wird der US-Dollar zum Euro schwächer, wovon der Autor ausgeht, mindert es die Rendite aus Sicht des in Euro denkenden Anlegers. Es gibt Investments, die eine Währungssicherung in EUR inkludieren. Leider werden jedoch andere wichtige Faktoren nur teilweise erfüllt. Denn außerhalb des physischen Kaufs (inkl. Minenaktien), sollten folgende Bedingungen möglichst alle erfüllt sein: Handelbarkeit, physische Hinterlegung in einem Tresor und physische Auslieferbarkeit auf Wunsch des Investors bzw. Kunden. Zu nennen sind hier vor allem die hinterlegten und auslieferbaren Goldprodukte der Börse Frankfurt/Eschborn und Stuttgart. Beide Anbieter lagern die physischen Bestände in Frankfurt. Auf Wunsch werden die Bestände physisch per Wertsicherungstransport ausgeliefert. Sowohl die gerade genannten Lösungen als auch physische Edelmetalle haben den enormen Vorteil der Steuerfreiheit nach einem Jahr Haltefrist.

Rohstoffe – möglichst diversifiziert und währungsgesichert

Das Privileg der Steuerfreiheit gibt es bei Rohstoffen leider nicht. Leider ist auch der wünschenswerte physische Charakter nicht bzw. nur bedingt gegeben. Fässer voller Öl, Tonnen von Kupfer oder Säcke voller Weizen und Reis in den Keller zu stellen bzw. zu lagern ist für die meisten von uns schlicht unmöglich. Eine der ältesten Formen des Rohstoffhandels sind Futures. Der Preis für die Lieferung in der Zukunft wird bereits heute festgelegt. Einher geht die Verpflichtung, diese Lieferung abzunehmen. Diese Form des Rohstoffhandels wäre zu bevorzugen, doch die wenigsten haben hier genügend Kenntnisse oder Zugang zum Future-Handel. Silber und Platin, die viel stärker den Rohstoffcharakter in sich tragen als Gold, sind ohne wenn und aber in der physischen Form zu bevorzugen. Für andere Rohstoffe bieten sich breite Rohstoffkörbe an, die in Form von Indexfonds (ETFs) gehalten werden. Breite Indizes wie der Rogers Commodity Index setzen sich aus bis zu 38 Rohstoffen zusammen. Enthalten sind Öl, Gas, Benzin, Diesel, Industriemetalle wie Kupfer und Aluminium, Edelmetalle sowie Agrarrohstoffe wie Weizen, Mais, Lebendvieh, Kaffee, Baumwolle oder Kakao. In den letzten Jahren gab es etliche Diskussionen, warum es unethisch sei, in Agrarrohstoffe zu investieren. Viele Anbieter sahen sich veranlasst, Agrarrohstoffe aus ihren Rohstoff-Wertpapieren zu verbannen. Schaut man über den Tellerrand hinaus, könnte eine andere Einsicht reifen: Die Investition in Agrarrohstoffe ist unbedingt erstrebenswert. Zum einen, weil diese einen ungemein wichtigen Diversifikationsbeitrag leisten. Denn gegessen wir immer. Zum anderen, weil es unmoralisch sein könnte, eben nicht in Agrarrohstoffe zu investieren. Bestes Beispiel sind Kartoffeln. Verkauft ein Landwirt heute Kartoffeln, bringt ihm der Verkaufserlös weniger als ihn die Produktion kostet. Die Kosten liegen über dem viel zu niedrigen Marktpreis. Ein 10 kg Sack Kartoffeln kostet im Einzelhandel aktuell rund 4 Euro. Ein Schleuderpreis für eines unserer Hauptnahrungsmittel. Bei solchen Preisen gehen Bauern entweder pleite oder stellen ihre Produktion auf lukrativere Güter um. Das Angebot fällt und kann zu einem erheblichen Mangel führen. Massive Preissteigerungen, Hunger und Hungersnöte könnten die Folge sein. Ähnlich verhält es sich bei Weizen, Mais oder Reis, den Grundnahrungsmitteln weltweit. Glücklicherweise verhält es sich hier nicht so dramatisch wie bei Kartoffeln. Wir sollten ein Interesse daran haben, dass die Preise höher sind als aktuell. Der Anreiz zu produzieren bliebe und auch die Qualität dürfte sich verbessern. Bedenken Sie, es handelt sich um strategische, überlebensnotwendige Rohstoffe.

Wir halten fest, dass Investments auf möglichst breiten Rohstoffindizes beruhen sollten. Dabei sollte man mehrere Anbieter und verschiedene Indizes (Rogers Commodity, Bloomberg Commodity, GSCI etc.) bzw. ETFs darauf wählen. Wünschenswert ist die Währungssicherung gegen den US-Dollar auf ETF- bzw. Produktebene. Wie Gold und Silber werden Rohstoffe ebenfalls (noch) in US-Dollar gemessen. Der Autor geht von einer sich beschleunigenden US-Dollar Schwäche aus, was den in US-Dollar gemessenen Kursverlauf von Rohstoffen beflügeln sollte. Die Währungssicherung verhindert, dass die Gewinne in Euro gerechnet schmelzen. Investment ins sogenannte Rohstoffaktien sind mit den gleichen Vor- und Nachteilen verbunden wie Gold- und Silberproduzenten. Wer darüber nachdenkt, kommt bspw. an Russland nicht vorbei. Das Land ist gigantisch, fruchtbar und reich an verschiedensten Rohstoffen. Öl- und Gasförderer dominieren die Indizes. Die Staatsverschuldung ist relativ tief, die Bewertung der Unternehmen moderat. Alternativ ließe sich auch auf Währungen aus rohstoffreichen Ländern setzen. Auch hier lohnt der Blick nach Russland. Der Rubel ist stark unterbewertet und bietet Aufwertungspotential gegenüber US-Dollar und Euro. Im Reigen der im Allgemeinen schwachen Währungen, denn alle Papierwährungen kehren über kurz oder lang zu ihrem inneren Wert von Null zurück, ist der Rubel der Einäugige unter den Blinden. Die Goldbestände Russland sind bereits so hoch, dass mehr als 20% des Rubels mit Gold gedeckt sind. Was aktuell für den Weltmeistertitel reichen würde… Währungskonten lassen sich bei Banken eröffnen. EUR werden bspw. zu RUB konvertiert. RUB werden gekauft, EUR verkauft. Nachteil: Geht die Bank bankrott, sind Fremdwährungsguthaben gefährdet. Wer diesen Blog verfolgt, wird wissen, dass der Autor unermüdlich zu stabilen Banken rät.

Wo Schatten da auch Licht

Lassen Sie das Gesagte wirken, lesen Sie den Artikel einige Tage später nochmals. Recherchieren Sie selbst. Und bedenken Sie bitte: Es geht ab jetzt nicht mehr um Gewinnmaximierung, sondern um die Frage, welche Anlagen den vermeintlich besten Schutz vor inflationsbedingter Enteignung bieten. Der Fokus richtet sich nun nicht mehr allein auf die nominale, sondern zunehmend reale, inflationsbereinigte Entwicklung. Offen gesprochen wäre ich sehr froh, die bevorstehenden realen Verluste möglichst zu begrenzen. Und selbst wenn es künftig nur Verlierer geben sollte: Alles Schlechte hat auch sein Gutes, denn wo Schatten da auch Licht.

Alles Gute für 2021 samt Kraft, Mut, Zuversicht und eine gute Portion heitere Gelassenheit.

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